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Neu entdeckte Sinneszellen: Bitterstoffe könnten gegen Asthma helfen

Geschmackszellen für bittere Stoffe gibt es nicht nur im Mund, sondern auch in der Lunge. Mediziner hoffen darauf, dass die Sinneszellen in Zukunft bei der Behandlung von Asthma nützlich sein können.

Medikamenteneinsatz gegen Asthma: Forscher hoffen auf neue Therapiemöglichkeiten Zur Großansicht
dapd

Medikamenteneinsatz gegen Asthma: Forscher hoffen auf neue Therapiemöglichkeiten

London - Die Geschmacksrezeptoren sitzen auf der glatten Muskulatur der Bronchien - aber anders als ihre Geschwister auf der Zunge melden sie offenbar keine Informationen an das Gehirn weiter. Stattdessen beeinflussen sie die Muskulatur, die sich um die Steuerung der Atmung kümmert.

Bei Asthma behindert eine Kontraktion der Muskeln den Luftstrom. Man keucht und wird kurzatmig. Die Inhalation von bitteren Stoffen kann dem entgegenwirken, wie Forscher nun herausgefunden haben. Durch ein Signal der Geschmacksrezeptoren der Lungen entspannt sich die glatte Muskulatur und ein tiefes Durchatmen wird wieder möglich.

Die Erkenntnisse könnten die Behandlung von Asthma und anderen Lungenkrankheiten revolutionieren, erklären die Forscher um Deepak Deshpande von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore in der Fachzeitschrift "Nature Medicine".

Die Wissenschaftler hatten die Geschmacksrezeptoren in der Lunge zufällig entdeckt, als sie die Rezeptoren der glatten Bronchienmuskulatur ganz allgemein genauer unter die Lupe genommen hatten. Anschließend untersuchten sie die Funktion der Sinneszellen an gesunden Menschen, Mäusen mit und ohne Asthma und isolierten Rezeptorzellen, indem sie sie verschiedenen bekannten Bitterstoffen aussetzten.

Das Ergebnis: Die Bitterstoffe hätten die Atemwege gründlicher geöffnet als alle bekannten Medikamente, die bislang für die Behandlung von Asthma oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, also der Raucherlunge, eingesetzt werden, beschreibt Stephen Liggett, einer der Wissenschaftler, die Ergebnisse.

Mit diesem neuen Ansatz könnten die bisher verwendeten Medikamente ersetzt oder in ihrer Wirkung unterstützt werden, erläutert der Forscher weiter. Der Verzehr von bitteren Nahrungsmitteln helfe hingegen nicht bei der Asthma-Behandlung. "Auf der Grundlage unserer Untersuchungen denken wir, dass chemische Modifikationen von bitteren Verbindungen am besten helfen, die als Aerosol mit Hilfe eines Inhalators eingeatmet werden."

chs/dapd

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