Affen-Studie Neuartige Impfung schützt vor HIV-Infektion

Schon lange träumen Mediziner von einer Schutzimpfung gegen das HI-Virus. Bei einem neuen Ansatz lassen Forscher das Impfprotein von körpereigenen Zellen produzieren. Erste Tests mit Makaken sind vielversprechend.

HI-Virus (Zeichnung): Makaken produzieren Impfprotein selbst
DPA

HI-Virus (Zeichnung): Makaken produzieren Impfprotein selbst


Es gibt einen neuen Hoffnungsschimmer auf der Suche nach einem wirksamen Schutz vor einer HIV-Ansteckung: Forscher haben in Zell- und Tierversuchen erfolgreich ein kombiniertes Eiweißmolekül getestet, das an die Oberfläche der Viren bindet und sie so von der Infektion ihrer Wirtszellen abhält.

Das Molekül wirkte besser als sogenannte breit neutralisierende Antikörper, die auf der Suche nach einer Impfstrategie ebenfalls als vielversprechend gelten, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature". Das Protein neutralisierte zahlreiche HIV-1-Varianten und schützte Makaken monatelang vor einer Infektion.

Wandelbares Virus

Nach dem Eindringen in einen Organismus binden HI-Viren an bestimmte Andockstellen auf der Oberfläche ihrer Wirtszellen. Erst nach dieser Bindung können die Viren die Zellen infizieren und ihre eigene Vermehrung in Gang setzen. Antikörper, die an unterschiedliche Strukturen der Viren binden, können theoretisch vor einer Infektion schützen.

Allerdings ändert das HI-Virus permanent seine Gestalt und entgeht so den Attacken des Immunsystems. Selbst breit neutralisierende Antikörper, die gegen wenig variable Bereiche des Virus gerichtet sind und somit gegen eine Vielzahl von Virusstämmen wirken, schützen nicht vor allen vorhandenen Virustypen. Nicht zuletzt daran war die Entwicklung einer Impfung bisher gescheitert.

Schutz gegen alle getesteten HIV-1-Varianten

Forscher um Matthew Gardner vom The Scripps Research Institute in Jupiter im US-Bundesstaat Florida stellten nun ein Protein her, welches zwei wesentliche Andockstellen für die HI-Viren auf den Wirtszellen imitiert, den CD4+-Rezeptor und den CCR5-Korezeptor. Die dazu passenden Bindungsstellen auf der Virusoberfläche gehören zu den am wenigsten variablen Strukturen der Viren.

Die Forscher zeigten zunächst in Zellversuchen, dass das Protein, dem sie den Namen eCD4-Ig gegeben haben, die Vermehrung der Viren hemmte. Es schützte vor allen getesteten HIV-1-Varianten, auch vor solchen, gegen die breit neutralisierende Antikörper wirkungslos sind, berichten die Forscher.

Virus startet Herstellung von Schutzprotein

Nach weiteren Versuchen in Mäusen testeten die Wissenschaftler das eCD4-Ig-Protein schließlich in vier Makaken. Gardners Team spritze den Tieren das Impfprotein jedoch nicht direkt. Die Makaken produzierten es vielmehr selbst, nachdem die Forscher ein gentechnisch verändertes Virus in ihre Körper geschleust hatten. Die zehn Versuchstiere bekamen im Verlauf mehrerer Wochen mehrere Dosen eines Affen-Immundefizienzvirus verabreicht, das das Hüllprotein von HIV-1 trägt.

Während alle Kontrolltiere, die kein eCD4-IG erhielten, sich nach und nach mit diesem Virus infizierten, konnten die Wissenschaftler bei den behandelten Affen keine Infektion nachweisen. Der Schutz hielt über den Versuchszeitraum von 34 Wochen an. Obwohl es noch zahlreiche Herausforderungen gibt, legen die Beobachtungen nahe, dass eCD4-Ig einen effektiven, lang anhaltenden und nahezu universellen Schutz vor einer HIV-1-Infektion bieten könne, schreiben die Forscher.

Einige Kollegen sind zurückhaltender: Die Zahl der Versuchstiere sei bisher sehr gering, kommentiert die US-Forscherin Nancy Haigwood von der Health & Science University in Beaverton im US-Bundesstaat Oregon die Arbeit ihrer Kollegen. Zudem hätten die Forscher die HI-Viren intravenös verabreicht. Das sei zwar der strengste Test für Wirksamkeit und Schutzwirkung, spiegele aber nicht den häufigsten natürlichen Infektionsweg über die Schleimhäute wieder. Es bleibe abzuwarten, ob das Protein auch dort wirke.

"Ich halte es generell für eine sinnvolle Strategie, keinen klassischen Impfstoff zu entwickeln", sagte Frank Kirchhoff, Virologe und HIV-Forscher am Universitätsklinikum Ulm. Der Ansatz, das Protein im Körper herzustellen, sei "sehr elegant". Ob die Methode überhaupt beim Menschen angewandt werden könne und wie sicher sie sei, müsse aber noch untersucht werden.

hda/dpa

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