Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Neuartige Prothese: Chirurgen transplantieren Roboter-Hand

Sie sieht aus wie eine Requisite aus einem "Terminator"-Film, doch mit ihr kann Pierpaolo Petruzziello nun wieder greifen: Italienische Chirurgen haben dem Patienten eine neuartige Roboterhand angenäht. Das Tolle: Er kann mit ihr nicht nur wieder greifen, sondern auch fühlen.

Bionische Prothese: Die Cyber-Hand aus Rom Fotos
dpa

Das Gehirn will eine Faust ballen oder den kleinen Finger bewegen - und die mechanische Cyber-Hand führt die Bewegung aus. Italienischen Chirurgen ist ein Kunststück gelungen: Sie haben dem 27-jährigen Pierpaolo Petruzziello eine Roboter-Hand transplantiert, mit der er wieder essen, greifen und auch fühlen kann. Der Mann hatte seinen linken Unterarm bei einem Autounfall verloren.

Nur mit Gedankenkraft steuert Petruzziello über vier Elektroden mit jeweils acht Kanälen seine künstliche linke Hand. Sie hat fünf Aluminiumfinger, die mechanischen Teile sind aus Stahl und die Handoberfläche aus Kohlenfasern. Zwei Kilogramm wiegt die Prothese. Das Tolle: Die feinen Elektrodenfasern der Robo-Hand sind mit den Petruzziellos verbunden. Er kann dadurch mit der neuen Hand nicht nur Bewegungen ausführen, sondern auch Sinnesempfindungen wahrnehmen.

Von diesem Bionik-Erfolg mit einer mechanischen Hand berichtet ein italienisches Team von Chirurgen, Anästhesisten, Neurologen und Bio-Ingenieuren des Biomedico-Campus in Rom. Vor gut einem Jahr setzte die Gruppe dem Mann die zwei Kilogramm schwere Kunsthand an. Sie ist jedoch nicht fest angeschlossen, nach 30 Tagen müssen die Elektroden ausgetauscht werden, wie italienische Medien am Mittwoch berichteten.

Die bisherigen Ergebnisse wertet das Team als vielversprechend, auch wenn ihr erster Patient erst in etwa drei Jahren eine permanente Roboterhand haben werde. Entwickelt wurde die Handprothese von der Elite-Hochschule Scuola Superiore Sant'Anna in Pisa, und die Elektroden hat das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT in St. Ingbert eingestellt. Ehe die Hand am 20. November 2008 angesetzt werden konnte, waren lange Vorarbeiten des Teams notwendig, finanziell im Wesentlichen abgesichert durch zwei Millionen Euro aus einem EU-Fonds für einen Zeitraum von fünf Jahren.

Für Petruzziello und das Team beginnt jetzt eine mehrjährige Testphase, um die gehorchende Hand dann endgültig zu implantieren.

lub/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. TOLL was Medizintechnik heute schon alles ermöglicht
optimax 02.12.2009
Finde ich großartig, wenn finanzielle Mittel und Gehirnschmalz in solche Projekte investiert werden. Allemal gescheiter, als Unsummen beispielsweise in Rüstung und andere sinnlose Dinge zu stecken. Hier gibt es noch ein ausgesprochen positives Beispiel zu diesem Thema: http://diepresse.com/home/gesundheit/524665/index.do
2. Wenn diese Technologie Serienreife erreicht...
jellicoe 02.12.2009
... sind das unglaublich gute Nachrichten für tausende Amputierte. Hoffen wir nur dass es 1. auch noch geht wenn der Körperteil schon mehrere Jahre fehlt und 2. nicht so teuer und aufwendig ist dass es das Gesundheitssystem demoliert.
3. Willkommen in der Welt von morgen ^^
Barath 03.12.2009
Hat ja auch lange genug gedauert :)
4. .
frubi 03.12.2009
Zitat von optimaxFinde ich großartig, wenn finanzielle Mittel und Gehirnschmalz in solche Projekte investiert werden. Allemal gescheiter, als Unsummen beispielsweise in Rüstung und andere sinnlose Dinge zu stecken. Hier gibt es noch ein ausgesprochen positives Beispiel zu diesem Thema: http://diepresse.com/home/gesundheit/524665/index.do
Man muss nur auch beachten, dass ohne fremde Entwicklungshilfe die Entwicklung von solch technischen Geräten kaum finanzierbar wäre. Hier springen sehr oft andere Industriezweige mit in die Entwicklung hinnein um, wie z. B. das Militär, später von Folgeentwicklungen selber zu profitieren. Das ist gut für die Medizin aber es gibt oftmals auch Schattenseiten. Für die Menschen die diese Technik dringend brauchen ist es aber zu 100 % ein Segen.
5. Phänomenal
Mac_Beth 03.12.2009
Ich sehe in dieser Neuigkeit größeres Potential als es der Artikel selbst vielleicht erahnen lässt. Solche Fortschritte/Erfindungen sind revolutionäre Meilensteine, sowas könnte eine neue Ära der Bionik einleuten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: