Neue Todesfälle: Norddeutschland in Angst vor Ehec

Es gab 400 Verdachtsfälle allein in Hamburg und insgesamt vier weitere Tote - vor allem die nördlichen Bundesländer kämpfen mit der Ehec-Seuche. Eine Mehrheit der Deutschen verzichtet inzwischen auf Salat, deutsche Gemüseproduzenten werben nun mit eigenen Stichproben um Vertrauen.

Hus-Infektion: Kampf gegen den Ehec-Erreger Fotos
DPA

Hamburg/Berlin - Die Zahl der Ehec-Toten steigt weiter. Am Samstag erhöhte sich die Zahl der Todesfälle durch den gefährlichen Darmerreger um vier auf insgesamt zehn. Allein in Schleswig-Holstein starben zwei Menschen.

Wie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Samstagabend mitteilte, erlag eine 68-Jährige den Folgen des hämolytisch-urämischen Syndroms (Hus). "Tragisch ist, dass auch der Ehemann mit gesicherter Ehec-Infektion aufgenommen werden musste", berichtete ein Sprecher. Auch im Kreis Herzogtum-Lauenburg starb laut Gesundheitsministerium eine 84-Jährige an den Folgen von Hus.

Hus tritt als Komplikation einer Ehec-Erkrankung auf und wird im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) mittlerweile mit einer neuen Therapie behandelt. Dort starb in der Nacht auf Samstag eine 87-Jährige an den Folgen ihrer Ehec-Infektion. Erst am Samstag wurde zudem bekannt, dass in Kiel am Donnerstag auch eine 38-Jährige der schweren Darminfektion erlegen war.

Laut einer Umfrage der deutschen Presseagentur liegt der Schwerpunkt der Erkrankung nach wie vor klar im Norden der Republik:

  • In Schleswig-Holstein starben bisher mindestens vier Menschen. Zudem sind 250 mit Ehec infiziert, mehr als 70 Menschen leiden unter Hus.
  • Auch in Niedersachsen gab es bereits mindestens drei Tote. Die Zahl der bestätigten Ehec-Infektionen liegt bei 140, die der Hus-Erkrankungen bei mehr als 40.
  • Aus Hamburg werden mindestens zwei Tote gemeldet, mindestens 400 Verdachtsfälle und Infektionen sind hier bekannt.
  • In Bremen ist bislang eine Frau durch Ehec ums Leben gekommen. Außerdem werden 50 Verdachtsfälle und 28 Patienten mit Hus gemeldet.

In südlichen Bundesländern liegt die Zahl der Betroffenen bisher insgesamt deutlich niedriger. So meldet Hessen 34 Ehec-Fälle, Bayern 23 und Baden-Württemberg fünf. In Rheinland-Pfalz erkrankte eine Frau durch Ehec-Bakterien schwer, ihr Zustand stabilisierte sich jedoch.

Aus Angst vor Ehec meidet inzwischen eine Mehrheit der Deutschen bestimmte Gemüse. Laut einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" verzichten 58 Prozent derzeit auf den Verzehr von rohen Gurken, ungekochten Tomaten und Salat.

Deutsche Produzenten erklären sich für "Ehec-frei"

Die deutschen Obst- und Gemüseproduzenten versuchen die Sorgen der Verbraucher mittlerweile mit eigenen Untersuchungen zu zerstreuen. Große Erzeuger ließen nach Angaben der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO) Stichproben ihrer Produkte testen und meldeten nach entsprechenden Laborbefunden ihr Obst und Gemüse als "Ehec-frei".

Getestet wurden unter anderem Waren der führenden deutschen Vermarktungsorganisation Landgard am Niederrhein sowie der Gartenbauzentrale Papenburg, der größten Vermarkterin von Gurken innerhalb der BVEO. Sowohl Landgard als auch die Gartenbauzentrale haben viele Kunden in Norddeutschland.

Der BVEO-Geschäftsführer Karl Schmitz warf den spanischen Behörden vor, sie würden die Suche nach dem Ehec-Erreger überhaupt nicht unterstützen, sondern mit Schuldzuweisungen in die deutsche Richtung arbeiten. Aus einem spanischen Betrieb stammen Gurken, auf denen in Deutschland der Ehec-Erreger festgestellt wurde.

Die spanische Regierung hatte am Samstag Angaben der EU dementiert, wonach die Produktion in zwei spanischen Gemüsebetrieben gestoppt wurde. Bei den Unternehmen sei lediglich eine gewisse Menge von Gurken sichergestellt worden, teilte das andalusische Gesundheitsministerium mit. Ein Vertreter des Agrarministeriums in Madrid sagte, man habe bei der Europäischen Union eine Beschwerde gegen die deutschen Berichte über Ehec-Funde in Spanien eingelegt. Deutsche Behörden hätten gegen EU-Regeln verstoßen, indem sie zuerst die Presse und nicht die EU informiert hätten. Dadurch drohten der spanischen Landwirtschaft große Verluste.

BVEO-Geschäftsführer Schmitz geht davon aus, dass die spanischen Anbieter noch mehr Kunden in Deutschland hatten: "Ich erwarte, dass die spanische Seite umgehend darüber informiert, an welche sonstigen Kunden sie Gurken verkauft hat", sagte Schmitz. Es könne damit gerechnet werden, dass der Ehec-Erreger noch in weiteren Regionen Deutschlands auftauche. "Es geht jetzt darum, alle Quellen von Ehec zu finden - nicht um Schuld zuzuweisen, sondern um aufzuklären."

dab/dpa/dapd

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insgesamt 96 Beiträge
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1. Druck der Verbraucher das einzig Wirksame
zoon.politicon 28.05.2011
Zitat von sysopEs gab vier*weitere Tote und 400 Verdachtsfälle allein in Hamburg - vor allem die nördlichen Bundesländer kämpfen mit der Ehec-Seuche. Eine Mehrheit der Deutschen verzichtet inzwischen auf Salat, deutsche Gemüseproduzenten werben nun mit eigenen Stichproben um Vertrauen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,765495,00.html
Wahrscheinlich entsteht erst jetzt durch die Umsatzeinbussen wegen des Verzichts der Verbraucher auf Gemüse der richtige Druck auf alle Beteiligten - hoffentlich auch in Spanien - , bei der Aufklärung angemessen zu kooperieren und alles rasch aufzuklären.
2. Warum ...
balsamico 28.05.2011
... nennt niemand den Verdacht des Terror-Anschalgs beim Namen? Dafür gibt es zwar genauso wenig Hinweise, wie für Keime auf Tomaten, jedoch spräche eine ganze Menge dafür und möglich wäre es auch. Die bisherige Berichterstattung ist nicht weniger unseriös und schlecht, als dass man diesen Gedanken vermeiden müßte. Einen Erreger bewußt zu streuen, ist möglich. Warum wohl sonst findet man keine konkreten Spuren für Gülle, bei Vertrieben oder Märkten!
3. Angst
alexGB 28.05.2011
Natuerlich, wieder mal, die deutsche Angst. Angst und Hysterie. Atomhysterie und Gurkenangst. Weiter angefeuert durch die Presse. Warum ist eigentlich der Deutsche so anfaellig fuer die Angst?
4. Biogurken?
Caro321 28.05.2011
Waren das jetzt Biogurken auf denen die Bakterien gefunden wurden?
5. so viele Verdachtsfälle durch Gurken aus einem Betrieb?
sponleser_2011 28.05.2011
Kann es bei so vielen Verdachtsfällen überhaupt sein, dass es um Gurken aus nur 1 oder 2 Gemüsebetrieben geht? Zumal ja sicher nicht jeder Gurkenesser erkranken wird - wenn man sein Gemüse ordentlich wäscht und schält, dürfte die Gefahr hoffentlich gering sein. Scheint es da nicht eher wahrscheinlich, dass doch eine systematische Verseuchung irgendwo in der Lieferkette nach Norddeutschland stattgefunden hat? Die ganze Geschichte dürfte den Rohkostfanatismus vieler Möchtegern-Ernährungsexperten etwas dämpfen. Auch heutzutage hat es eben noch teilweise seinen Sinn, dass sich das Kochen von Nahrungsmitteln, besonders Fleisch, in der Menschheitsgeschichte entwickelt hat.
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