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Neuer Therapieansatz: Mediziner hoffen auf Impfung gegen Multiple Sklerose

Eine einmalige Impfung könnte den Ausbruch von Multipler Sklerose verhindern. Die Therapie der Autoimmunerkrankung funktioniert ähnlich wie die Bekämpfung von Allergien: Man versucht die überschießende Reaktion des Immunsystems zu drosseln.

Nervenzellen (Illustration): Bei MS-Patienten ist die Ummantelung der Bahnen defekt. Zur Großansicht
Corbis

Nervenzellen (Illustration): Bei MS-Patienten ist die Ummantelung der Bahnen defekt.

Hoffnung für Patienten mit Multipler Sklerose (MS): Vor wenigen Tagen hat die US-Gesundheitsbehörde FDA erstmals eine Tablette gegen MS zugelassen. Der Wirkstoff Fingolimod, das hatten Studien bewiesen, senkt die Zahl der Krankheitsschübe und hilft den Patienten besser als die etablierte Therapie mit sogenannten Beta-Interferonen. Die Zulassung für den neuen Wirkstoff ist inzwischen auch bei der EU beantragt.

Wesentlich wirkungsvoller könnte ein neuer Ansatz sein: Eine einmalige Impfung soll in Zukunft schon den Ausbruch der Autoimmunerkrankung verhindern. Bei MS, an der in Deutschland mehr als 120.000 Menschen leiden, greift die eigene Körperabwehr die schützenden Hüllen der Nervenfasern an. Der Grund: das Immunsystem hat seine Fähigkeit verloren, zwischen fremden und körpereigenen Proteinen zu unterscheiden - und produziert deshalb Antikörper gegen eigenes Gewebe.

Wie Wissenschaftler des DFG-Forschungszentrums für Regenerative Therapien der TU Dresden und der Harvard University in Boston jetzt im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, können die zerstörerischen Immunzellen jedoch deaktiviert werden.

Gelungen ist das einem Forscherteam um Jack Strominger in Versuchen an Mäusen: Sie verabreichten den Tieren körpereigene Proteine, sogenannte Antigene. Das Ziel ist es dabei, die Toleranz des Immunsystems gegenüber körpereigene Substanzen wieder zu normalisieren. Ganz ähnlich funktioniert das etwa bei der Hyposensibilisierung, einem Therapieansatz zur Behandlung von Allergien.

Bisherige Studien, bei denen Patienten körpereigene Proteine verabreicht und mit deren Hilfe das Immunsystem lahmgelegt wurde, seien jedoch misslungen, sagte der Dresdner Forschungsgruppenleiter Karsten Kretschmer.

"Wir denken, dass wir den richtigen Trick gefunden haben", sagt aber nun Kretschmer. Die Wissenschaftler hatten die körpereigenen Proteine nicht nur einfach verabreicht - sondern zielgerichtet mit Hilfe von Antikörpern an die Krankheit auslösenden Zellen gekoppelt. "Man braucht nur geringste Mengen Antigene, die einmalige Gabe reicht", sagt Kretschmer.

Zielgruppe für eine derartige Therapie seien Kinder, bei denen ein Ausbruch der Krankheit vorhersehbar sei, sagt Kretschmer. Diese vorbeugende Impfung könne in 10 bis 15 Jahren zur Verfügung stehen. "Der nächste Schritt ist eine Therapie für Menschen, die die Krankheit schon haben."

cib/dpa/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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1. Pyrrhussieg
Andre_NY 07.10.2010
Die Toleranzinduktion in Mäusen, bei denen man das Antigen kennt, ist nichts Neues - nur die Methode, die in dem zitierten Paper dafür verwendet wurde. Dies hat aber kaum Relevanz für eine zukünftige MS-Therapie, da alle Mühen, ein oder mehrere MS-Antigene zu entdecken, bisher erfolglos waren. Deswegen bleibt die entscheidende Frage, gegen welches Antigen man Toleranz erzeugen sollte, leider unbeantwortet. Ich denke, das hätte man in dem Artikel stärker in den Vordergrund tellen sollen.
2. Hört endlich auf mit den verfrühten Siegesmeldungen!
Hajojunge 07.10.2010
Immer wieder gibt es Sensationsmeldungen über Erfolge im Kampf gegen Krebs, Parkinson, MS, etc., die bei den betroffenen Menschen unnötige Hoffnungen wecken. Lesen sie dann weiter, heißt es "bei Ratten erfolgreich", "Studien am Menschen erforderlich" oder "in 10...15 Jahren". Viele Kranke haben nichts mehr davon, sie überleben diese Zeitspanne nicht. Das soll die segensreiche Arbeit der Forscher keineswegs schmälern, aber man tut ihnen keinen Gefallen, wenn man jeden kleinen Teilerfolg als großen Durchbruch hinausposaunt. Also, bitte mehr Zurückhaltung.
3. ...
tylerdurdenvolland 08.10.2010
Zitat von Andre_NYDie Toleranzinduktion in Mäusen, bei denen man das Antigen kennt, ist nichts Neues - nur die Methode, die in dem zitierten Paper dafür verwendet wurde. Dies hat aber kaum Relevanz für eine zukünftige MS-Therapie, da alle Mühen, ein oder mehrere MS-Antigene zu entdecken, bisher erfolglos waren. Deswegen bleibt die entscheidende Frage, gegen welches Antigen man Toleranz erzeugen sollte, leider unbeantwortet. Ich denke, das hätte man in dem Artikel stärker in den Vordergrund tellen sollen.
Gewöhnen sie sich dran..... der Wissenschftsteil des SPON strotzt permanent von solchen Kindergarten-niveau PR Meldungen. Da darf jeder mal schreiben. Wirklich recherchiert wird da nie was. Verkaufen... verkaufen... das ist alles was da produziert wird... mittlerweile seit Jahren.
4. Hört endlich auf, den Leuten Sand in die Augen zu streuen
schuetze11 08.10.2010
MS wird, ebenso wie Diabetes Typ I, Parkinson, Alzheimer und die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), nicht durch einen Erreger hervorgerufen, sondern es entsteht durch einen Autoimmunprozess (schon mal davon gehört, Forscher und SPON?). Deshalb wird es keinen Impfstoff gegen MS geben. Leider wollen uns auch die medizinischen Fachgesellschaften weismachen, die Ursache der Autoimmunkrankheiten sei unbekannt, rein genetisch bedingt (also unvermeidlich), beruhe auf frühen nicht ausgeheilten Infektionskrankheiten (die natürlich nicht näher diagnostiziert werden) oder einfach auf dem Alter (da kann man leider gar nix machen). Ein Hinweis: Autoimmunkrankheiten wie MS könnten durch Umweltgifte, vor allem durch Schwermetalle hervorgerufen werden. Zur Einstimmung empfiehlt sich dieser Beitrag: http://www.hendess.net/ms_d.htm
5. ......
tylerdurdenvolland 09.10.2010
Zitat von schuetze11MS wird, ebenso wie Diabetes Typ I, Parkinson, Alzheimer und die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), nicht durch einen Erreger hervorgerufen, sondern es entsteht durch einen Autoimmunprozess (schon mal davon gehört, Forscher und SPON?). Deshalb wird es keinen Impfstoff gegen MS geben. Leider wollen uns auch die medizinischen Fachgesellschaften weismachen, die Ursache der Autoimmunkrankheiten sei unbekannt, rein genetisch bedingt (also unvermeidlich), beruhe auf frühen nicht ausgeheilten Infektionskrankheiten (die natürlich nicht näher diagnostiziert werden) oder einfach auf dem Alter (da kann man leider gar nix machen). Ein Hinweis: Autoimmunkrankheiten wie MS könnten durch Umweltgifte, vor allem durch Schwermetalle hervorgerufen werden. Zur Einstimmung empfiehlt sich dieser Beitrag: http://www.hendess.net/ms_d.htm
Da alle diese Auto-Immunkrankheiten durch ein aus dem Gleichgewicht gebrachtes Immunsysetm erst ausgelöst werden, stehen Impfungen selber im Verdacht Auto Immun Krankheiten erst zu verursachen, bzw neben anderen Einflüssen dazu beizutragen. Zu weiteren (Mit-)Verursachern gehören dann noch in erster Linie Behandlungen mit Antibiotika, was eigentlich jedem der nur kurz mal logisch über das Immunsystem nachdenkt sofort einleuchten dürfte. Wesentlich bei allen Überlegungen zur Medizin ist, dass man nicht vergisst welch ungeheure Profitmöglichkeiten dieser Bereich der Gesellschaft doch umfasst.....
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