Neues Programm: iPhone warnt vor Seuchen

Das iPhone soll jetzt auch Seuchen bekämpfen helfen: Eine neue Anwendung schickt in Echtzeit Informationen über aktuelle Ausbrüche auf das Smartphone. Damit setzen Forscher die Erfahrungen aus früheren Epidemien um, bei denen SMS und Mundpropaganda erstaunliche Wirkung hatten.

iPhone: Neue Anwendung bietet Seuchen-Infos in Echtzeit. Zur Großansicht
REUTERS

iPhone: Neue Anwendung bietet Seuchen-Infos in Echtzeit.

Schnelle Warnungen können eine scharfe Waffe im Kampf gegen Epidemien sein, in den Computersimulationen der Seuchenforscher spielen sie eine wichtige Rolle. Erst im März kamen Forscher in einer Studie zu dem Ergebnis, dass der Informationsaustausch zwischen einzelnen Menschen, etwa per SMS, bei der Eindämmung einer Seuche ebenso effektiv sein kann wie offizielle Verlautbarungen.

Jetzt soll das iPhone den Informationsaustausch noch einmal beschleunigen. Forscher des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) und des Children's Hospital in Boston haben eine Anwendung für das Smartphone programmiert, die in Echtzeit über die Entwicklung von Epidemien berichten soll.

Das Programm mit dem bezeichnenden Namen "Outbreaks near me" ("Krankheitsausbrüche in meiner Nähe") kann in Apples App-Store kostenlos heruntergeladen werden. Die Software greift auf Daten der Internetseite HealthMap zu. Sobald meldepflichtige Infektionen in der Nähe eines iPhone-Nutzers auftreten, wird der Anwender informiert - vorausgesetzt, er hat die "Push"-Funktion für automatischen Datenabgleich aktiviert. Die Anwendung erlaubt auch das Hochladen eigener Informationen - inklusive Art der Krankheit, aktuellem Standort und Fotos.

Allerdings scheint das Programm derzeit noch ein wenig willkürlich nach öffentlichen Epidemie-Meldungen zu fahnden. Wer etwa am Donnerstagnachmittag gegen 15.30 Uhr mit Standort in Hamburg die Informationen über Seuchen-Ausbrüche abrief, erhielt als Top-Meldung: "Schotten gedenken des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs." Auf Platz zwei folgte die Nachricht, dass in Europa derzeit 48 Schweinegrippe-Fälle registriert seien. Auf Platz drei: "H1N1 breitet sich unter deutschen Truppen in Afghanistan aus." Zudem sollte man des Englischen mächtig sein, denn auf Deutsch gibt es die Warnmeldungen nicht.

Dass solche technologischen Warnsysteme dennoch funktionieren können, wurde bereits am Beispiel der Lungenkrankheit Sars deutlich, die 2003 in Asien wütete. Wie die Zeitung "Chinese Southern Weekend" berichtete, wurde die Textnachricht 'Es gibt eine tödliche Grippe in Guangzhou' 126 Millionen Mal in der chinesischen Stadt verschickt. Zudem führten Telefonate und mündlicher Informationsaustausch dazu, dass sich die Menschen mit Schutzmasken ausrüsteten und in ihren Häusern blieben.

mbe/AFP

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