Neuro-Forschung Erschöpfungssyndrom zeigt sich im Gehirn

Betroffene fühlen sich über Monate erschöpft, Schlaf bringt kaum Erholung. Trotzdem ist eine zuverlässige Diagnose des Chronischen Erschöpfungssyndroms schwierig. Neue Beobachtungen von Hirnforschern könnten das ändern.

Tomografie-Aufnahme: Auffälligkeiten bei Nervenstrang Fasciculus arcuatus (blau mit Pfeilen)
Radiological Society of North America

Tomografie-Aufnahme: Auffälligkeiten bei Nervenstrang Fasciculus arcuatus (blau mit Pfeilen)


Stanford - Man geht mit Beschwerden zum Arzt, aber der kann einem nicht helfen, weil er keine klare Diagnose findet. So geht es bislang mitunter Menschen, die sich dauerhaft schlapp fühlen. Sie könnten unter dem Chronischen Erschöpfungssyndrom leiden, doch das lässt sich nur schwer feststellen. Denn Mediziner kennen noch keinen Biomarker für die Erkrankung, der diese etwa über einen Bluttest verraten würde.

Das Diagnoseproblem haben nun womöglich Hirnforscher gelöst. Das Gehirn von betroffenen Patienten weist nämlich offenbar drei spezifische Veränderungen auf. So habe es beispielsweise weniger weiße Substanz, berichten Forscher der Stanford University School of Medicine im Fachblatt "Radiology". Das Team von Michael Zeineh hatte 15 Patienten und 14 gesunde Probanden unter anderem mit einem Kernspintomografen untersucht.

Erstes Ergebnis: Die Gesamtmenge der weißen Substanz im Gehirn der Erkrankten war im Vergleich zu Gesunden verringert. Diese besteht hauptsächlich aus myelinhaltigen Nervenfasern, die verschiedene Hirnregionen miteinander verbinden. Diese Beobachtung sei nicht ganz unerwartet gekommen, sagte Zeineh nach einer Mitteilung seiner Universität. Bislang werde angenommen, dass das Erschöpfungssyndrom mit einer chronischen Entzündungsreaktion zusammenhängt. Von solchen sei wiederum bekannt, dass sie sich auf die weiße Substanz auswirken.

Auffälligkeiten in rechter Hirnhälfte

Das zweite Ergebnis ist nach Forscherangaben jedoch völlig überraschend. Mit Hilfe der sogenannten diffusionsgewichteten Kernspintomografie, bei der die Bewegungen von Wassermolekülen sichtbar werden, fanden die Wissenschaftler spezifische Veränderungen in der rechten Hirnhälfte. Der Nervenstrang Fasciculus arcuatus, der den Stirnlappen mit dem Schläfenlappen verbindet, zeigte Auffälligkeiten zumindest bei Rechtshändern. Zusätzlich gab es eine starke Korrelation zwischen der Stärke der Veränderung und der Schwere der Erkrankung des Patienten. Was das genau für diese bedeutet, sei noch unklar.

Als dritte Auffälligkeit war die graue Hirnsubstanz an zwei Hirnstellen in der Nähe des rechten Fasciculus arcuatus bei Patienten verdickt.

Das Chronische Erschöpfungssyndrom (Fatigue-Syndrom) hat zunächst recht unspezifische Symptome. Es äußert sich durch eine mindestens sechsmonatige geistige und körperliche Erschöpfung und damit auch durch eine Verminderung der Leistungsfähigkeit. Der Schlaf ist oft wenig erholsam. Hinzu können Gelenk- oder Kopfschmerzen kommen sowie Lymphknotenschwellungen an Armen und im Nacken. Die Patientenorganisation Fatigatio schätzt, dass in Deutschland rund 300.000 Menschen das Erschöpfungssyndrom haben.

"Es ist frustrierend für Patienten, weil sie sich müde fühlen und Schwierigkeiten haben, klar zu denken, und die Wissenschaft muss erst noch herausfinden, was falsch läuft", sagte Zeineh.

Die Studie biete einen Ansatz, um die Krankheit mit Hilfe bildgebender Verfahren besser zu erkennen, schreiben die Forscher. Eine solche Diagnosemöglichkeit sei auch wichtig für viele Erkrankte, die gerade im Anfangsstadium als Hypochonder bezeichnet würden.

Obwohl die Studie nur 15 Patienten umfasse, sei das Verfahren vielversprechend, sagte Zeineh. Mit der genutzten Technik sei das Chronische Erschöpfungssyndrom zu 80 Prozent sicher erkannt worden. "Diese Studie war ein Anfang." Nun planen die Stanford-Forscher eine größere Untersuchung.

hda/dpa

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