New York - Die Zahlen sind beeindruckend: Fast 20.000 Grippefälle haben die Behörden im US-Bundesstaat New York in dieser Saison bereits registriert - fast fünfmal mehr als vor einem Jahr, als nur 4400 Fälle gemeldet wurden. "Wir erleben gerade die schwerste Grippewelle seit 2009", sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo der "New York Times". Die Influenza habe sich in allen 57 Bezirken des Bundesstaats und in allen fünf Stadtbezirken von New York City ausgebreitet.
Cuomo hat im Staat New York am Samstag den Gesundheitsnotstand ausgerufen, um den Zugang zu Impfstoffen zu erleichtern. Apotheker dürfen nun 30 Tage lang Kinder im Alter von sechs Monaten bis 18 Jahren impfen, was normalerweise verboten ist. Gleichzeitig starteten die Behörden über Facebook, Twitter und die klassischen Medien eine massive Aufklärungs- und Werbekampagne zugunsten von Impfungen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC ist der Impfstoff in 62 Prozent aller Fälle effektiv.
In den restlichen Teilen der USA ist das Bild ähnlich. Die Epidemie sei früher ausgebrochen und nehme einen heftigeren Verlauf als in den vergangenen Jahren, teilte die CDC mit. Inzwischen hat sie sich praktisch auf alle Bundesstaaten ausgebreitet. Bundesweit hat die CDC knapp 29.000 Fälle registriert, mindestens 20 Kinder seien gestorben. Vergangene Woche seien 7,3 Prozent aller Todesfälle in den USA auf das Konto von Lungenentzündung und Grippe gegangen. Verantwortlich sei in vielen Fällen der Virenstamm H3N2, der einen schweren Krankheitsverlauf verursachen kann.
Zwar gab es vereinzelte Berichte über Impfstoff-Engpässe, doch die CDC geht davon aus, dass ausreichende Mengen vorhanden sind. Für dieses Jahr seien für die USA 135 Millionen Impfdosen hergestellt und 128 Millionen davon bereits verteilt worden. Das sollte nach Angaben der CDC reichen, da sich im Durchschnitt nur 37 Prozent der rund 314 Millionen US-Amerikaner jedes Jahr impfen ließen. Zudem äußerte die CDC die Hoffnung, dass die Grippewelle ihren Höhepunkt bereits erreicht haben könnte.
Auch in Deutschland hat die Grippesaison diesmal ungewöhnlich früh begonnen. Das Berliner Robert Koch-Institut schätzt, dass in der vergangenen Woche 5,7 Prozent der deutschen Bevölkerung an akuter Atemwegserkrankung (ARE) litten - ein deutlicher Rückgang gegenüber den geschätzten acht Prozent der Vorwoche. Das sei allerdings nicht überraschend: Die Experten führen das darauf zurück, dass insbesondere Kinder in den Weihnachtsferien weniger Kontakt miteinander hätten - und damit auch geringere Chancen, sich gegenseitig anzustecken. Im vergangenen Jahr seien die Infektionsraten allerdings wieder angestiegen, als die Ferien vorbei waren.
mbe/AFP
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