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New York: US-Gericht annulliert Patente auf Krebs-Gene

Dieses Urteil könnte weitreichende Folgen für Biotechnologie und Medizinforschung haben: Ein New Yorker Gericht hat die Patente eines US-Konzerns auf Krebs-Gene annulliert. Bürgerrechtler hatten gegen die Patentierung protestiert.

Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung: Gericht annulliert Genpatente Zur Großansicht
DPA

Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung: Gericht annulliert Genpatente

New York - Ein New Yorker Gericht hat Genpatente grundsätzlich in Frage gestellt. Bezirksrichter Robert Sweet annullierte die Patente des US-Konzerns Myriad Genetics auf zwei Gene, die mit einem erhöhten Risiko für Brust- und Eierstockkrebs einhergehen.

Sweet erklärte, er halte DNA-Sequenzen nicht für patentierbar. Schließlich habe das Unternehmen sie weder erfunden noch an ihrer Funktion etwas geändert. Der Konzern verdiene Anerkennung für seine "wissenschaftlichen Leistungen", die Patentierung müsse indes aufgehoben werden, da "isolierte DNA sich nicht maßgeblich von der DNA unterscheide, die in der Natur existiere".

Myriad Genetics hat in den USA ein Monopol auf Tests zur Untersuchung der sogenannten BRCA-Gene. Mutationen dieser Gene erhöhen bei Frauen das Risiko für Brustkrebs um das Drei- bis Siebenfache und steigern auch die Wahrscheinlichkeit von Eierstockkrebs.

Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU und die Stiftung für öffentliche Patente (Pubpat) hatten gegen die Patentierung der BRCA-Gene geklagt. Sie argumentierten, wegen des Monopols auf die Tests könnten betroffene Frauen nicht einmal eine zweite Meinung einholen. Der Anwalt der ACLU nannte das Urteil eine große "Verbesserung für die Erforschung der Frauengesundheit".

anr/apn

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
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1. Patent auf Titel
Olaf 30.03.2010
Zitat von sysopDieses Urteil könnte weitreichende Folgen für Biotechnologie und Medizinforschung haben: Ein New Yorker Gericht hat die Patente eines US-Konzerns auf Krebs-Gene annulliert. Bürgerrechtler hatten gegen die Patentierung protestiert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,686329,00.html
Ich habe auch nie so richtig verstanden, wieso man sich eine Entdeckung von etwas vorhandenem patentieren lassen kann. Unter heutigen Recht hätte Christoph Columbus sich wohl Amerika patentieren lassen können.
2. Stell Dir vor Du hast Krebs
dick_&_durstig 30.03.2010
und mußt Lizenzgebühren dafür zahlen.
3. Ungeheuerlich
FastFertig, 30.03.2010
Die Frage ist: Warum wird so etwas überhaupt patentiert? Wo bleibt da die erfinderische Höhe? Wo bleibt da der Sinn der Patente? Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: In den Patentämtern arbeiten zum Teil einfach nur Idioten die überall ihren Stempel draufhauen und dann Feierabend machen oder die Patentämter sind korrupt. Ich vermute letzters in der Hoffung, dass die Menscheit noch nicht vollkommen verblödet ist.
4. Faslch
Dr.Strangelove, 30.03.2010
Zitat von FastFertigDie Frage ist: Warum wird so etwas überhaupt patentiert? Wo bleibt da die erfinderische Höhe? Wo bleibt da der Sinn der Patente? Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: In den Patentämtern arbeiten zum Teil einfach nur Idioten die überall ihren Stempel draufhauen und dann Feierabend machen oder die Patentämter sind korrupt. Ich vermute letzters in der Hoffung, dass die Menscheit noch nicht vollkommen verblödet ist.
Es bring Geld und das ist der Sinn von Patenten. Die zuständigen Patentämter generieren ihre Einnahmen durch die Erteilung von Patenten und das erklärt, warum diese erteilt werden. Ihre Fragen sind falsch, weil sie davon ausgehen, dass Patente irgendeinen allgemeinen nützlichen Zweck haben und dabei unterschlagen, dass es eben ums Geld verdienen geht.
5. Patentrecht ist staatsgebunden
Übungsleiter 30.03.2010
Bevor jemand über die "Idioten" in den Patentämtern schimpft, sollte er sich bewusst werden, dass US-Patentrecht und europäisches - und damit auch deutsches - Patentrecht zwei Paar Schuhe sind. In den USA werden viele Patente erteilt, die in Europa nicht patentfähig sind, siehe Geschäftsmethoden. Reine Entdeckungen können ebenfalls nicht patentiert werden. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass auf DNA-Sequenzen keine Patente erteilt werden. Es muss allerdings irgendeine Anwendung dafür vorliegen.
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Fakten: Familiärer Brustkrebs
Brustkrebs in Deutschland
In Deutschland liegt die Neuerkrankungsrate bei Brustkrebs bei mehr als 57.000 Frauen pro Jahr. Bei jeder 20. Frau ist eine genetische Mutation in einem der beiden Hochrisikogene BRCA 1 oder BRCA 2 für die Erkrankung verantwortlich. Während in der Allgemeinbevölkerung eine von zehn Frauen im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt, trifft die Erkrankung rund sieben von zehn Frauen mit einer Mutation.
Mammografie-Screening
Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brüste. Diese Brustkrebsvorsorge wird allen Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre empfohlen. Das Mammografie-Screening wurde vor einigen Jahren mit großem Aufwand in Deutschland eingeführt, rund tausend speziell dafür trainierte niedergelassene Ärzte führen es durch.
Familiärer Brustkrebs
Krebserkrankungen beruhen auf Veränderungen in den Genen. Bei den meisten Krebsformen treten die genetischen Abweichungen jedoch erst nach der Geburt auf – sie werden also nicht vererbt. Umwelteinflüsse, Lebensstil und andere, noch weitgehend unbekannte Faktoren spielen hierbei eine Rolle.

In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle beruht die Krebserkrankung aber auf einer angeborenen genetischen Veranlagung. In den betroffenen Familien tritt der Krebs in jeder Generation und schon in jungen Jahren auf. Menschen mit einem hohen familiären Risiko sollten sich deshalb intensiv beraten lassen und regelmäßig zur Krebs-Früherkennung gehen.

Um Familien und Angehörigen mit erblich bedingtem Krebs eine optimale Beratung und Behandlung zu ermöglichen, hat die Deutsche Krebshilfe die Verbundprojekte "Familiärer Krebs" initiiert. Die Betreuung an den universitären Zentren umfasst sowohl die medizinische als auch die psychologische Beratung über Früherkennungsmaßnahmen und vorbeugende Behandlungsmöglichkeiten, eine humangenetische Beratung über das erbliche Risiko sowie die Möglichkeiten einer genetischen Untersuchung.

Menschen, die an Brust-, Eierstock- oder Darmkrebs erkrankt sind oder befürchten, eine erbliche Veranlagung zu tragen, können sich an eines der Zentren in ihrer Nähe wenden. (Quelle: Deutsche Krebshilfe)
BRCA 1 und BRCA 2
BRCA 1 und BRCA 2 steht für Breast Cancer Susceptibility Gene 1 oder 2. "Die beiden Hochrisikogene wurden 1994 bzw. 1995 entdeckt. Mutationen in den Genen werden statistisch gesehen an 50 Prozent der Nachkommen weitervererbt. Durch die Identifikation einer Mutation bei einer Erkrankten in der Familie ist eine prädiktive genetische Testung, das heißt eine Untersuchung auf das Vorliegen einer Mutation bei gesunden Frauen dieser Familie möglich geworden. Wird die Veränderung ausgeschlossen, so können die betroffenen Frauen entlastet werden. Das hohe Erkrankungsrisiko ihrer Familie trifft dann auf sie nicht mehr zu. Umgekehrt wird beim Nachweis der Mutation das hohe Risiko zur Gewissheit." (Quelle: Nachwort von Prof. Dr. med. Rita Schmutzler, Leiterin Schwerpunkt Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der Universitätsklinik Köln)
Was tun nach einem positiven Testergebnis?
Die prophylaktische Brustdrüsenentfernung ist nur ein Weg, mit dem hohen Erkrankungsrisiko umzugehen. Alternativen sind eine engmaschige, intensive Früherkennung und präventiv wirksame Medikamente.


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