Nobelpreisträger Thomas Vater der Knochenmarktransplantation gestorben

Obwohl viele Kollegen der Methode keine Chancen einräumten, arbeitete der US-Arzt E. Donnall Thomas über Jahrzehnte daran, Krebskranken mit Knochenmarktransplantationen zu helfen. Schließlich hatte er Erfolg - und erhielt einen Nobelpreis. Nun ist Thomas im Alter von 92 Jahren gestorben.

E. Donnall Thomas im August 2007: Der Nobelpreisträger starb an einem Herzleiden
Susie Fitzhugh

E. Donnall Thomas im August 2007: Der Nobelpreisträger starb an einem Herzleiden


Seattle - Der US-amerikanische Medizin-Nobelpreisträger und Krebsforscher Edward Donnall Thomas ist tot. Thomas ist am Samstag im Alter von 92 Jahren in Seattle gestorben, teilte das Fred Hutchinson Cancer Research Center am Samstag mit. Wie die "Seattle Times" berichtet, starb er an den Folgen eines Herzleidens. Der studierte Chemiker und Mediziner arbeitete viele Jahre an der Forschungseinrichtung im Nordwesten der USA.

Thomas gilt als Pionier der Knochenmarktransplantation, wofür er 1990 den Medizin-Nobelpreis erhielt. Diese Methode wird bei verschiedenen Krebserkrankungen, darunter Leukämie eingesetzt. Viele Fachleute räumten der Technik kaum eine Chance ein, als E. Donnall Thomas und seine Kollegen sie in den sechziger und siebziger Jahren erforschten.

Doch der Mediziner blieb hartnäckig - und konnte diese Transplantationsform schließlich erfolgreich etablieren. Inzwischen werden nach Angaben des Fred Hutchinson Cancer Research Center pro Jahr rund 60.000 Knochenmark- beziehungsweise Blutstammzelltransplantationen weltweit durchgeführt.

Hälfte seines Preisgeldes gespendet

"Die Arbeit von Don Thomas, bei der er die Knochenmarktransplantation als wirksame Therapie gegen Leukämie und andere vorher tödliche Blutkrankheiten einführte, rettet das Leben Hunderttausender Menschen auf der ganzen Welt", sagte der Direktor des Fred Hutchinson Cancer Research Center, Larry Corey.

E. Donnall Thomas teilte sich den Nobelpreis 1990 mit einem Landsmann: dem Arzt Joseph E. Murray, der die erste erfolgreiche Nierentransplantation durchgeführt hatte. Thomas spendete damals die Hälfte seines Preisgeldes seinem Arbeitgeber - dem Seattler Krebsforschungszentrum.

Er hinterlässt seine Frau Dottie, die über viele Jahre gemeinsam mit ihm gearbeitet hatte, zwei Söhne und eine Tochter. "Wenn Don der Vater der Knochenmarktransplantation ist, dann ist Dottie die Mutter", sagte ein Kollege vom Fred Hutchinson Cancer Research Center, Fred Appelbaum, der "Seattle Times".

wbr



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.