Rattenversuch: Schokolade löst ungehemmte Essgier aus
Der Anblick genügt: Schokolade setzt im Gehirn eine opiumähnliche Substanz frei, die zumindest Ratten nach immer mehr gieren lässt, berichten Forscher. Demnach könnten Menschen zum kiloweisen Verzehr verleitet werden.
Cambridge - Schokolade zu widerstehen, fällt schwer. Das liegt offenbar an einer Substanz, die das Gehirn beim Anblick und während des Verzehrs der Leckerei ausschüttet: Enkephalin, eine opiumähnliche Substanz, bringt Ratten dazu, sich hemmungslos zu überfressen. Das Neuropeptid löse im Gehirn eine Art "Iss jetzt"- und "Iss mehr davon"-Befehl aus, berichten Wissenschaftler im Fachmagazin "Current Biologie". Sie halten es für wahrscheinlich, dass der Stoff auch beim Menschen zu Fressattacken führt.
Im Versuch setzten die Forscher Ratten große Mengen Schokodrops vor. "Diese begannen sofort zu fressen und gleichzeitig stieg die Enkephalinkonzentrationen in ihrem Gehirn bis auf 150 Prozent des Normalwerts", heißt es in dem Forschungsbericht. Erst als die Ratten aufhörten zu fressen, seien die Werte innerhalb von rund 40 Minuten wieder abgesunken. Andere Signalstoffe hätten sich dagegen nicht verändert.
Die Konzentration der Substanzen maßen die Wissenschaftler mit einem Mikrochip, den sie den Ratten ins Neostriatum implantierten, ein Hirnareal, das normalerweise mit der Steuerung von Bewegungen in Verbindung gebracht wird.
Als fresse ein Mensch 3,6 Kilogramm Schokolade
In einem weiteren Versuch wurde den Tieren zusätzlich zur natürlichen Konzentration eine kleine Menge Enkephalin in das Gehirnareal injiziert. Anschließend schlangen die Ratten sogar doppelt so viel Schokolade in sich hinein wie normalerweise. Rechnet man den Konsum von 17 Gramm Schokoladendrops auf einen Menschen um, entspräche dies 3,6 Kilogramm Schokolade, berichten die Forscher.
Besser geschmeckt als sonst habe den Tieren die Schokolade durch das zusätzliche Enkephalin aber nicht. Sie wollten einfach nur schnell und viel davon fressen. Das zeigten bei den Ratten typische, unbewusst auftretende Signale für Wohlbefinden, wie beispielsweise das Herausstrecken der Zunge. In beiden Versuchsvarianten - mit und ohne zusätzliche Enkephalindosis - reagierten die Ratten gleich.
"Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Enkephalin nicht nur bei Ratten, sondern auch beim Menschen übermäßiges Essen und Suchtverhalten antreibt", sagt Alexandra DiFeliceantonio von der University of Michigan in Ann Arbor. Die Hirnzellen im dorsalen Neostriatum seien auch im Menschen aktiv, wenn Übergewichtige Nahrung erblicken oder Drogensüchtige andere beim Drogenkonsum beobachten. "Das Gehirn hat offenbar mehr Möglichkeiten, uns zu übermäßigem Süßigkeitenkonsum zu bringen, als bislang gedacht", so DiFeliceantonio.
jme/dapd
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