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Pakistan: Mehr als 100 Tote durch schlechte Medikamente

Von , Islamabad

Mindestens 100 Menschen sind in der pakistanschen Stadt Lahore nach der Einnahme minderwertiger Medikamente ums Leben gekommen. Mittellose Herzkranke hatten die Arzneien kostenlos erhalten. Die Zahl der Opfer dürfte noch steigen - die Pillen wurden an Tausende verteilt.

Klinikum in Lahore (Januar 2012): Minderwertigen Pillen an mittellose Patienten Zur Großansicht
AP

Klinikum in Lahore (Januar 2012): Minderwertigen Pillen an mittellose Patienten

Lahore - Sie suchten Hilfe - und bekamen verseuchte Medikamente: Das auf Herzkrankheiten spezialisierte Krankenhaus Punjab Institute of Cardiology (PIC) in der ostpakistanischen Metropole Lahore ist Schauplatz eines Medizinskandals. Tausende von Patienten haben Arzneien von vier pakistanischen Herstellern erhalten, deren Produktionslizenz bereits im Frühjahr 2011 abgelaufen war. Die Unternehmen produzierten weiter - offensichtlich minderwertige Medikamente.

Nach Regierungsangaben starben bislang mehr als 100 Patienten nach Einnahme der Mittel, davon mindestens 70 noch im Krankenhaus. Bei den Arzneien handelt es sich um in Pakistan hergestellte Mittel zur Senkung des Blutdrucks sowie um einen Cholesterinsenker. Auch eine Aspirin-Kopie, ein Generika namens Soloprin, ist betroffen, die Ermittler vernichteten alleine davon rund 200.000 Tabletten.

Pakistanischen Presseberichten zufolge wurden mehrere Mitarbeiter der in Verdacht geratenen Pharmafirmen festgenommen. Der Regierungschef der Provinz Punjab, Shahbaz Sharif, erklärte, man habe Proben der Medikamente zur Untersuchung nach Frankreich und Großbritannien geschickt.

Da die Sorge bestehe, dass die Arzneien nicht nur an das PIC, sondern auch an Apotheken in Lahore und in andere Städte geliefert wurden, wiesen die Behörden Ärzte darauf hin, diese Mittel vorerst nicht mehr zu verschreiben. Mindestens einer der drei Pharmaunternehmen soll seine Produkte trotz fehlender Lizenz in großen Mengen auf den Markt gebracht haben.

Giftstoff der Medikamente ist noch unbekannt

Bei den Opfern handelt es sich um mittellose Patienten, die kostenlos im PIC behandelt wurden. Nach Angaben der Zeitung "Express Tribune" sollen mindestens 400 bis 500 Menschen kostenlos die schlechten Arzneien erhalten haben. "Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Zahl der Opfer noch steigen wird", sagte ein PIC-Mitarbeiter.

Womit genau die Medikamente verseucht sind, konnte das pakistanische Gesundheitsministerium am Donnerstag noch nicht sagen. "Es scheint, dass das Knochenmark Schaden nimmt, die Abwehrkräfte des Körpers geschwächt werden und die Patienten einen starken Husten bekommen", sagte ein Mitarbeiter der Behörde in Islamabad. Derzeit untersuche man noch, woran genau die Opfer gestorben seien.

Die Regierung der Provinz Punjab sprach den Angehörigen der Opfer jeweils bis zu 500.000 Rupien, umgerechnet gerade einmal 4200 Euro zu. Um Massenproteste zu verhindern, wurden bereits am Donnerstag erste Schecks verteilt. Patienten, die die Pillen überlebten, sollen umgerechnet etwa 1700 Euro erhalten haben.

Die Katastrophe rückt die pakistanische Pharmaindustrie ins öffentliche Bewusstsein. Kontrollen finden in der Branche nur unregelmäßig statt, hunderte Firmen produzieren Mittel ohne Genehmigung.

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Fläche: 796.095 km²

Bevölkerung: 191,710 Mio.

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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