Pandemie-Debatte: Forscher stoppen Arbeit am Supervirus

Es ist das umstrittenste Forschungsprojekt seit langem: Wissenschaftler haben im Labor eine hochgefährliche Variante des Vogelgrippevirus gezüchtet - und gerieten massiv in die Kritik. Jetzt haben sie ihre Forschung freiwillig für 60 Tage unterbrochen.

Der reale Seuchen-Thriller: Forschen im Hochsicherheitslabor Fotos
AP

Hamburg - Die Forschung an einem Supervirus, das Ende 2011 weltweit Schlagzeilen gemacht hat, ist vorerst beendet. In einem offenen Brief, den die Fachmagazine "Nature" und "Science" am Freitag gemeinsam veröffentlicht haben, haben die verantwortlichen Wissenschaftler angekündigt, ihre Arbeit für zunächst 60 Tage zu stoppen.

Ron Fouchier vom Erasmus Medical College in den Niederlanden, Adolfo Garcia-Sastre von der Mount Sinai School of Medicine in New York und Yoshihiro Kawaoka von der University of Wisconsin in Madison verteidigen in dem Schreiben ihre Arbeit. Sie sei von entscheidender Bedeutung für die Bemühungen, eine Veränderung des Vogelgrippevirus in der Natur rechtzeitig zu entdecken - und so möglicherweise eine verheerende weltweite Seuche zu verhindern.

Dennoch haben die Wissenschaftler sich jetzt den massiven Bedenken gebeugt, die seit der Veröffentlichung ihrer Forschungsarbeiten laut geworden sind. Im Mittelpunkt stand dabei die Furcht, dass das Supervirus unbeabsichtigt freigesetzt werden und so die Pandemie auslösen könnte, die man eigentlich verhindern wollte.

Tödlicher Erreger aus dem Labor

Die Vogelgrippe hat seit 2003 mehr als die Hälfte der 570 Menschen getötet, die an ihr erkrankt waren. Glücklicherweise war der Erreger unter Menschen kaum ansteckend, fast immer war er direkt von Tieren übertragen worden. Das Schweinegrippevirus H1N1 verbreitete sich dagegen in Windeseile von Mensch zu Mensch, verursachte aber meist nur milde Symptome.

Der 2011 im Labor erschaffene Erreger hat nach Angaben der Forscher beide Eigenschaften in sich vereint: Er war in Versuchen mit Frettchen hoch ansteckend und zugleich enorm tödlich. Nach Bekanntwerden der Arbeiten entwickelte sich eine hitzige öffentliche Debatte darüber, ob Forschung dieser Art statthaft sei und ob die Ergebnisse im vollen Umfang veröffentlicht werden sollten. Die Befürworter einer Veröffentlichung argumentieren mit der Freiheit der Wissenschaft, während die Gegner die Gefahren für die Allgemeinheit betonen.

Fouchier und seine Kollegen halten die Furcht für unbegründet: Ihre Arbeit sei in Übereinstimmung mit allen Sicherheitsbestimmungen erfolgt. Zudem habe sich das Virus im Labor zwar unter Frettchen schnell ausgebreitet. Ob das aber auch für Menschen gelte, sei unbekannt und werde auch nie erforscht werden.

In ihrem Brief erkennen die Wissenschaftler an, dass Organisationen und Regierungen in aller Welt Zeit brauchen, um herauszufinden, wie man die Ergebnisse der Forschungsarbeit am besten nutzen kann. "Um die Zeit für diese Diskussionen einzuräumen", heißt es, "werden wir jede Forschung mit Vogelgrippeviren, bei der für Menschen stärker ansteckende Erreger entstehen, freiwillig für 60 Tage aussetzen."

mbe

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insgesamt 119 Beiträge
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1. um Werbung für sich zu machen
oui 20.01.2012
Zitat von sysopEs ist das umstrittenste Forschungsprojekt seit langem: Wissenschaftler haben im Labor*eine hochgefährliche Variante des Vogelgrippevirus gezüchtet - und gerieten enorm unter Druck. Jetzt haben sie ihre Forschung freiwillig für 60 Tage unterbrochen. Pandemie-Debatte: Forscher setzen Arbeit am Supervirus aus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,810479,00.html)
ist wohl alles gut! solche Forscher braucht die Menschheit nicht! sie sollten zuerst verdonnert werden 10 Jahren in Akkordarbeit in einer Billigprodukt-Montagekette darüber zu denken, ob man sie, genauso wie die Heuschreckenbänker, usw., dafür mit mehr «Macht» auf anderen Menschen ausgestattet hat!
2. Tolle Geschäftsidee
HolyGhost 20.01.2012
Zitat von sysopEs ist das umstrittenste Forschungsprojekt seit langem: Wissenschaftler haben im Labor*eine hochgefährliche Variante des Vogelgrippevirus gezüchtet - und gerieten enorm unter Druck. Jetzt haben sie ihre Forschung freiwillig für 60 Tage unterbrochen. Pandemie-Debatte: Forscher setzen Arbeit am Supervirus aus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,810479,00.html)
Man bastele sich im Labor einen superfiesen Virus zusammen, der sich vielleicht auch einmal auf natürlichem Wege entwickeln könnte und hat dann schon das Gegenmittel parat. Ein Hundsfot wer da Böses denkt.
3.
Viminal 20.01.2012
Es wurden alle Sicherheitsbestimmungen beachtet! In Fukushima wurden auch alle Sicherheitsbestimmungen beachtet. Auf dem Papier.
4. ja...bitte mehr ignoranz
sylyx 20.01.2012
Zitat von ouiist wohl alles gut! solche Forscher braucht die Menschheit nicht! sie sollten zuerst verdonnert werden 10 Jahren in Akkordarbeit in einer Billigprodukt-Montagekette darüber zu denken, ob man sie, genauso wie die Heuschreckenbänker, usw., dafür mit mehr «Macht» auf anderen Menschen ausgestattet hat!
super, einen punkt fuer populismus, -10 fuer ignoranz. warum denken sie, kann man sich in der westlichen welt auf eine relativ fortgeschrittene medizin verlassen? genau, weil geforscht wird...auch mit gefaehrlichen dingen. ob man das in vollem umfang veroeffentlichen muss steht auf einem anderen blatt.
5. wird ihnen sicher schwer gefallen sein
ASDFZUIOP 20.01.2012
Jippie! 2 Monate Urlaub!!!
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