Party-Problem Gehirn blendet unerwünschte Sprecher aus

Kommen viele Menschen zusammen, ist der Lärmpegel oft hoch. Doch auch wenn alle durcheinanderreden, haben Menschen meist kein Problem damit, sich mit ihrem Gegenüber zu unterhalten. Forscher haben jetzt gezeigt, wie das Gehirn den Geräuschbrei der Umgebung ausblendet.

Gaststätte (in Paris, November 2011): Umgebungsgeräusche werden ausgeblendet
AFP

Gaststätte (in Paris, November 2011): Umgebungsgeräusche werden ausgeblendet


New York/Berlin - Es ist ein erstaunliches Phänomen: Selbst wenn viele Menschen in einem Restaurant oder auf einer Party gleichzeitig reden, kann man sich normalerweise mit einer einzigen Person unterhalten. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, wie das funktioniert. Im Fachjournal "Neuron" berichten sie darüber, wie das Gehirn die weniger interessanten Sprecher ausblenden kann.

Die Forscher hatten Epilepsie-Patienten gesprochene Sätze vorgespielt und dabei deren Hirnströme gemessen. Im Hörzentrum, dem auditiven Cortex, waren noch sämtliche Geräuschimpulse auszumachen. Dieser Bereich der Großhirnrinde dient der Bewusstwerdung und Verarbeitung von akustischen Reizen. Die vom Zuhörer ausgewählte Rede konnte außerdem in Hirnregionen nachgewiesen werden, die komplexe Prozesse wie Sprache und Aufmerksamkeit steuern. Die Geräuschimpulse sämtlicher anderer Sprecher hinterließen dort hingegen keine Spuren mehr.

"Wir haben keine Möglichkeit, unsere Ohren zu verschließen. Sämtliche Geräusche werden im Gehirn dargestellt - zumindest als Sinnesreiz", erklärte Charles Schroeder von der Columbia University in New York, einer der Autoren der Studie. "Es gibt allerdings Hirnbereiche, in denen lediglich ausgewählte Gesprächssegmente abgebildet werden - ignorierte Unterhaltungen werden offensichtlich ausgeblendet." Mit dem Ergebnis, dass man andere Sprecher kaum bis überhaupt nicht wahrnimmt, wenn man sich auf einen einzelnen konzentriert.

Für die Studie nutzten die Forscher Hirnstromaufzeichnungen von sechs Epilepsie-Patienten über den Zeitraum von einer Woche bis zu vier Wochen. Die Gehirnaktivitäten der Teilnehmer im Alter von 21 bis 45 Jahren wurden ohnehin mit Hilfe von Elektroden protokolliert - hauptsächlich, um die für ihre epileptischen Anfälle verantwortlichen Hirnbereiche zu lokalisieren.

Die beteiligten Forscher der Columbia University, der University of Maryland und des Long Island Jewish Medical Center hoffen, dass ihre Ergebnisse einmal Menschen mit der Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung ADHS oder Autismus von Nutzen sein können.

chs/dpa



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