Heidelberg - Kinder, in deren Gegenwart geraucht wird, leiden laut einer Studie der Universitätsklinik Heidelberg häufiger an Bluthochdruck. "Mit dieser Studie haben wir erstmals gezeigt, dass Passivrauchen bei Kindern den Blutdruck deutlich ansteigen lässt", erklärte Georg Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder und Jugendmedizin an der Universitätsklinik Heidelberg, am Montag. Hoher Blutdruck bei Kindern könne bis ins Erwachsenenalter anhalten. Er sei einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Für die Studie des Uniklinikums und des Gesundheitsamts Rhein-Neckar wurden mehr als 4000 Fünf- bis Sechsjährige in Heidelberg und Umgebung untersucht. Bei etwa einem Drittel dieser Kinder rauchten die Väter, bei 20,7 Prozent die Mütter, bei knapp zwölf Prozent beide Eltern.
Kinder, die zu Hause über längere Zeit hinweg den Zigarettenrauch ihrer Eltern einatmen, hatten der Studie zufolge ein um 21 Prozent höheres Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken. Besonders kritisch ist es, wenn Mütter rauchen - weil sie eher zu Hause zur Zigarette greifen als Väter, die vor allem am Arbeitsplatz rauchen, vermuten die Forscher.
Passivrauchen stelle damit neben Übergewicht, niedrigem Geburtsgewicht und Bluthochdruck der Eltern ein zusätzliches, unabhängiges Risiko für die Entstehung von Bluthochdruck dar, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Circulation" der Amerikanischen Herzgesellschaft AHA. Es kann auch dann den Blutdruck bei Kindern erhöhen, wenn sonst keine Risikofaktoren vorliegen. Die Heidelberger Kinderärzte warnen Eltern davor, ihre Kinder dem Tabakrauch auszusetzen, da dies langfristige schädliche Folgen haben könne.
Erst kürzlich hatte eine andere Studie ergeben, dass Passivrauchen der Gesundheit von Kindern schaden kann: Der Analyse zufolge erhöht der Qualm das Risiko einer Infektion mit Meningokokken. Diese Bakterien können eine gefährliche Hirnhautentzündung auslösen.
Viele Kinder rauchen unfreiwillig mit. Laut einer aktuellen Hochrechnung der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben pro Jahr 166.000 Heranwachsende durch Passivrauchen. Die Forscher nannten Herzleiden, allgemeine Atemwegserkrankungen, Asthma und Lungenkrebs als häufigste Folgen.
boj/dpa
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