Personalisierte Medizin: Meine Gene, mein Krebs, meine Therapie

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Wer das Erbgut seines Tumors kennt, kann ihn gezielter behandeln. Forscher sind der Vision einer personalisierten Krebstherapie jetzt ein Stück näher: Sie haben einen Bluttest entwickelt, der winzige Rückstände von bösartigen Zellen aufspürt. Doch noch gibt es Kritik an der Methode.

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Analyse von Krebszellen: Erst der Gentest, dann die Chemo
Für manche Forscher ist sie eine zum Greifen nahe Vision, für viele Patienten eine große Hoffnung und für die Biotech- und Pharmaindustrie ein enorm wichtiger Wachstumsmotor - die personalisierte Krebstherapie.

In der Praxis soll sie eines Tages so funktionieren: Bevor der Krebskranke mit der Therapie beginnt, liefert ein Test - eine Erbgutanalyse - ein detailliertes genetisches Profil des Tumors. Welche Gene in den Tumorzellen sind vervielfältigt, gelöscht oder mutiert? Hat man die betroffenen DNA-Bereiche des Krebs-Genoms erst einmal identifiziert, erhält der Patient eine auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Chemotherapie.

Und diese Therapie, so die Idealvorstellung der Mediziner, schlägt besser und schneller an - und hat außerdem kaum Nebenwirkungen. Denn das maßgeschneiderte Medikament richtet sich spezifisch auf die veränderten Funktionsweisen der Tumorzellen, ganz nach dem Motto: "Meine Tumor-Gene, mein Krebs, meine Krebstherapie".

Von dieser Vision ist die Forschung noch weit entfernt. Doch seit der Sequenzierung des menschlichen Genoms, und seit einigen Jahren dem Versuch, den "Cancer Genome Atlas" zu erstellen, ist der Trend zur personalisierten Medizin und zur individuellen Krebstherapie hin nicht mehr aufzuhalten. Denn die Idee, die genauen Ursachen für Krebs unter anderem im Erbgut der bösartigen Zellen finden zu können, ist naheliegend - und der Wunsch, aus diesen Erkenntnissen Medikamente zu entwickeln, eine logische Konsequenz.

Eine neue Veröffentlichung aus "Science Translational Medicine" (Ausgabe vom 24. Februar), die der Onkologe Victor Velculescu am Donnerstagabend vorab auf der Jahrestagung des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS (American Association for the Advancement of Science) in San Diego vorgestellt hat, könnte die personalisierte Medizin jetzt einen Schritt weiterbringen.

Metastasen vorbeugen

Forscher von der Johns Hopkins University in Baltimore haben gemeinsam mit der Biotechfirma Life Technologies einen neuen Bluttest entwickelt, der Rückstände von Tumorzellen im Körper aufspüren soll, die herkömmlichen Verfahren bisher verborgen bleiben. Helfen könnte dieser Test eines Tages Krebspatienten, denen der Tumor operativ entfernt wurde. Sie könnten mit Hilfe des Bluttests nach dem Eingriff besser überwacht werden.

"Der Test zeigt, wer geheilt ist und wer nicht", sagte Velculescu auf der Pressekonferenz in San Diego. Entdecken die Ärzte doch noch Reste von Tumorzellen im Blut, könnten sie notfalls früher eingreifen - und anhand des genetischen Fingerabdrucks des jeweiligen Tumors, den Patienten gezielt mit den richtigen Medikamenten behandeln, um so Metastasen vorzubeugen.

Während andere Wissenschaftler die Veränderungen einzelner Gene im Erbgut von Tumorzellen im Visier haben, konzentrieren sich Velculescu und seine Kollegen auf größere Bereiche in der DNA: Mit Hilfe von modernsten Sequenziergeräten und bioinformatischen Analysemethoden spüren die Wissenschaftler Abschnitte im Tumor-Genom auf, die sich neu gruppiert oder ungeordnet haben. Ein spezifischer "Barcode" ergibt sich, weil "kein Krebs dem anderen gleicht", sagt Bert Vogelstein, einer der Co-Autoren. Das heißt, jeder Tumor reorganisiert sein Erbgut auf seine eigene Art und Weise.

Die Johns-Hopkins-Forscher sind nicht die ersten, die nach den genetischen Fingerabdrücken von Tumorzellen fahnden. Weltweit suchen Wissenschaftler nach den Schlüsselstellen im Erbgut verschiedener Krebsarten. Im Dezember 2009 entschlüsselte ein Forscherteam erstmals das komplette Genom von Lungen- und Hautkrebszellen; vor wenigen Tagen veröffentlichten Forscher im Fachmagazin "Nature" die Ergebnisse aus den Genomanalysen von insgesamt 3131 Krebszellen aus rund 26 verschiedenen Tumorarten.

Velculescu und seine Kollegen untersuchten dagegen das Material von lediglich sechs Patienten. Zwei von ihnen hatten Darmkrebs, zwei Brustkrebs. Die Onkologen sequenzierten das Genom und fischten diejenigen DNA-Abschnitte heraus, die reorganisiert waren. Dabei handelte es sich um Bereiche, in denen DNA-Stränge miteinander fusionierten, also quasi zusammenklebten. Solche DNA-Fusionen findet man nur in Krebszellen.

Eine Frage der individuellen Tumormarker

Bei ihren ersten Patienten entdeckten die Hopkins-Forscher jeweils 4 bis 15 solcher DNA-Fusionsstellen. Diese sind der Fingerabdruck des Tumors, so genannte individuelle Tumormarker. An ihnen können die Forscher erkennen, ob noch Krebszellen im Körper sind. Denn: Der Tumor sondert DNA in die Blutbahn ab, und der neue Erbgut-Scan entlarvt dort diese Tumormarker.

Velculescu gibt sich optimistisch: Er schätzt, dass der Bluttest der Hopkins-Wissenschaftler bereits in gut zwei Jahren in Kliniken zum Einsatz kommen könnte. Doch Kritiker zweifeln daran, denn derzeit ist das Verfahren noch enorm kostspielig: Der Preis für den neuen Erbgut-Scan liege in den USA derzeit noch bei etwa 5000 Dollar, also umgerechnet etwa 3700 Euro, sagte der Onkologe in San Diego. Er glaubt aber, dass der Scan in wenigen Jahren nicht mehr teurer sein dürfte als etwa heute eine Computertomografie.

Doch es gibt noch weitere Gründe, weshalb es mit der Verwirklichung der Vision noch weitaus länger dauern könnte: Nicht nur, dass der Bluttest erst an sechs Patienten erprobt worden ist, es besteht die Gefahr, falsch positive oder falsch negative DNA-Fusionen aufzuspüren. Noch sind diese Raten sehr hoch, das Verfahren muss also noch weitaus akkurater werden, als es bisher ist. Ansonsten könnte ein Patient, der eigentlich frei von bösartigen Tumorzellen ist, fälschlicherweise behandelt, und umgekehrt könnten restliche Krebszellen doch nicht rechtzeitig erkannt werden.

Und dazu, so kommentieren Ludmila Prokunina-Olsson und Stephen Chanock vom National Cancer Institute in Bethesda in der gleichen Ausgabe von "Science Translational Medicine" die neue Methode, müssen die charakteristischen Merkmale von Krebs-Genomen noch viel intensiver untersucht und statistisch ausgewertet werden. Das bedeutet: das Erbgut etlicher Tumorproben aus den verschiedensten Krebsarten müsse erst noch sequenziert und verglichen werden, um die Rate falsch positiver oder negativer Ergebnisse zu verringern. Doch in der Hinsicht steht die Forschung erst am Anfang.

Außerdem sei die Frage noch offen, wie viele DNA-Fusionsstellen man mindestens finden muss, um eine gültige Aussage darüber zu treffen, ob noch Tumorzellen im Körper vorliegen oder nicht, so die Autoren. Doch auch Prokunina-Olsson und Chanock sind zuversichtlich, dass zumindest die Kosten der neuen Sequenzierungsverfahren rasch sinken könnten, und die personalisierte Krebstherapie auf dem Vormarsch bleiben wird.

Mit Material von dpa

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insgesamt 91 Beiträge
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1. Heterogen
Jay's 19.02.2010
Ein Hauptproblem sehe ich, dass Tumorzellen genetisch nicht homogen sind und deshalb verschiedene Populationen von Tumorzellen existieren koennen.
2. oh mein Gott
BeitragszahlerwiderWillen 19.02.2010
Endlich können wir Krankheiten behandeln, die es noch gar nicht gibt. Die Welt wird immer perverser. Aber die Gewinne der Medizinmafia müssen ja stimmen. Dann werden sicherlich bald 20% oder mehr unseres Einkommens an die Krankenkasse zwangsabgeführt...
3. ...
frau trallala 19.02.2010
Zitat von BeitragszahlerwiderWillenEndlich können wir Krankheiten behandeln, die es noch gar nicht gibt. Die Welt wird immer perverser. Aber die Gewinne der Medizinmafia müssen ja stimmen. Dann werden sicherlich bald 20% oder mehr unseres Einkommens an die Krankenkasse zwangsabgeführt...
Es gibt Menschen, die sehen in jeder noch so guten Nachricht eine Einladung dazu, ihren Frust abzuladen anstatt an die schwer kranken Menschen zu denken, denen neue wirksamere Therapien vielleicht helfen könnten. Ich finde das nicht weniger egoistisch als die "Medizinmafia" oder über wen auch immer Sie sich gerade aufregen. Unmöglich. Und offensichtlich haben Sie den Artikel nicht einmal begriffen. Es geht nicht darum, Krankheiten zu behandeln die es gar nicht gibt, sondern darum Krankheiten in einem so frühen Stadium zu behandeln, wie sie mit den heutigen Methoden noch nicht nachgewiesen werden können. Und je früher man einen Krebs erkennt und behandelt, desto besser stehen die Chancen. Das müsste selbst Ihnen klar sein. Pervers ist es eher, solche Nachrichten, die unzähligen Krebskranken Hoffnung machen, nur dazu zu benutzen, seine eigene Frustration Kund zu tun. Übrigens ist auch Ihr Argument mit den steigenden Kosten Blödsinn. Gezieltere Diagnosen und Therapien mit höherer Wirksamkeit und besserer Verträglichkeit reduzieren die Therapieversager, die Dauer der Erkrankung und die Rückfallrate, und damit auch die Kosten. Aber meckern Sie ruhig weiter. Offensichtlich waren Sie nie in solch einer Situation, weder als Patient noch als Angehöriger, haben auch nicht das Mitgefühl um sich in sie hineinzuversetzen und offensichtlich auch nicht die geringste Ahnung vom Thema.
4. ...
team_frusciante 19.02.2010
Zitat von frau trallalaOffensichtlich waren Sie nie in solch einer Situation, weder als Patient noch als Angehöriger, haben auch nicht das Mitgefühl um sich in sie hineinzuversetzen und offensichtlich auch nicht die geringste Ahnung vom Thema.
Sehr offensichtlich sogar. Wer sich "BeitragszahlerwiderWillen" nennt, hat keine anderen Sorgen auf der Welt, als Gebührenerhöhungen im Zehntelprozentbereich. Irgendwelche Sorgen braucht man halt.
5. Augen öffnen und selbst Denken!
BeitragszahlerwiderWillen 19.02.2010
es gibt Menschen, die erkennen nicht, was sich hinter einer angebliche guten Nachricht tatsächlich verbirgt. Die fallen immer wieder auf die alte Mitliedsmasche herein und glauben tatsächlich noch an den Weihnachtsmann - oder auch daran, daß man durch das "Gesundheitswesen" Gesundheit erlangen kann oder das neue Therapien wirksamer wären als die alten. ok, kostenmäßig sind sie das sicherlich. Was unsere "Gesundheitswesen wirklich auszurichten vermag, habe ich an meiner Mutter gesehen, die mit 61 sechs Monate nach einer "erfolgreich" verlaufenen OP an Krebs verstarb oderan meiner Schwiegermutter, die mit 58 das gleiche Schicksal ereilte. Hier trat der Tod 9 Monate nach der "erfolgreich" verlaufenen OP ein, bei der alle Tumorzellen "restlos" entfernt werden können. Meinen Hinweise, daß man gar nicht alle Krebszellen restlos entfernen könne, tat der Arzt übrigens genauso arrogant ab wie Sie, nämlich damit, daß ich angeblich keine Ahnung hätte. Komisch nur, daß nach 3 Monaten am ganzen Körper Metastasen waren und ihn langsam zerfrassen. Genau wie bei meinem Großonkel. Aber auch an drei inzwischen verstorbenen Arbeitskollegen, die kurz nach der "erfolgreichen" Therapie "plötzlich und unerwartet" verstarben, konnte man die Errungenschaften der "modernen" Therapien zweifelsfrei nachvollziehen. Sehen Sie sich einfach mal die Anzahl der Menschen an, die seit 1945 jährlich an Krebs verstarben - dann wissen sie genau, was "neue Therapien" bringen. Vermutlich sind aber eher Sie es, die meinen Beitrag nicht begriffen haben. In aller Regel verlängert nämlich eine Früherkennung nicht die Lebenszeit, nur die Sterbens- bzw. Behandlungszeit. Jemand, der glücklich und scheinbar gesund bis 59 lebt und dann unerwartet an Krebs verstirbt, würde nämlich, wenn man die Zellen schon mit 55 entdecken und behandeln würde würde, höchstwahrscheinlich genauso mit 60 versterben, müßte nur die letzten 5 Jahre unglaubliche Toutouren über sich ergehen lassen. Natürlich ist jeder Fall anders und nichtvergleichbar, aber es ist eben auch erwiesen, daß eine Früherkennung rein gar nichts bringt, in Bezug auf gewonnene Lebenszeit. Vielmehr wird hier nur die Zeit des Sterbens verlängert. Dazu gab es selbst hier im Spiegel schon genügend veröffentlichte Studien. Aber wenn man lieber die Augen verschließt, kann man das natürlich alles ignorieren. Seit zig jahren macht man immer wieder den Krebskranken Hoffnung, daß sie mit einer neuen Therapie behandelt werden könnten, davon waren die Zeitungen schon in den 60er Jahren voll und keine einzige davon hat sich bis heute als erfolgreich bewiesen! Das ist wirkliche Heuchelei, den Menschen mit angeblich, ihnen teuer verkauften Therpien Hoffnung zu machen und sie in der Zeit davon abzuhalten, daß einzig Richtige zu tun, selbst die Verantwortung für ihr Leben und ihre Gesundheit zu übernehmen, soweit das in unserer verschmutzen und zerstörten Welt überhaupt noch möglich ist.
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Prostatakrebs
Häufigkeit
Prostatakrebs ist die häufigste bösartige Tumorart bei Männern in Deutschland. Jedes Jahr erkranken mehr als 60.000 Männer neu daran, rund 12.000 sterben im gleichen Zeitraum an den Folgen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt derzeit bei 69 Jahren. Vor dem 50. Lebensjahr tritt dieses Karzinom sehr selten auf, und bei jungen Männern ist die Erkrankung unbekannt.
Behandlung
Die Behandlung des Krebses ist abhängig vom Befund, dem Alter des Patienten und dessen Wunsch. Die klassische Operation mit kompletter Entfernung der Prostata wird heute in vielen Kliniken mit verschiedenen Techniken durchgeführt. Die Heilungsrate liegt, abhängig vom Tumorstadium, bei 80 bis 90 Prozent.

Alternativ kann die Prostata auch bestrahlt werden. Mögliche Nebenwirkungen sowohl von OP als auch von Bestrahlung sind Impotenz und Inkontinenz. Bei fortgeschrittenem Karzinom wird die Produktion der männlichen Geschlechtshormone in den Hoden medikamentös unterdrückt. Die Heilungsrate ist nach Expertenangaben aber sehr niedrig.

Fakten: Familiärer Brustkrebs
Brustkrebs in Deutschland
In Deutschland liegt die Neuerkrankungsrate bei Brustkrebs bei mehr als 57.000 Frauen pro Jahr. Bei jeder 20. Frau ist eine genetische Mutation in einem der beiden Hochrisikogene BRCA 1 oder BRCA 2 für die Erkrankung verantwortlich. Während in der Allgemeinbevölkerung eine von zehn Frauen im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt, trifft die Erkrankung rund sieben von zehn Frauen mit einer Mutation.
Mammografie-Screening
Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brüste. Diese Brustkrebsvorsorge wird allen Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre empfohlen. Das Mammografie-Screening wurde vor einigen Jahren mit großem Aufwand in Deutschland eingeführt, rund tausend speziell dafür trainierte niedergelassene Ärzte führen es durch.
Familiärer Brustkrebs
Krebserkrankungen beruhen auf Veränderungen in den Genen. Bei den meisten Krebsformen treten die genetischen Abweichungen jedoch erst nach der Geburt auf – sie werden also nicht vererbt. Umwelteinflüsse, Lebensstil und andere, noch weitgehend unbekannte Faktoren spielen hierbei eine Rolle.

In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle beruht die Krebserkrankung aber auf einer angeborenen genetischen Veranlagung. In den betroffenen Familien tritt der Krebs in jeder Generation und schon in jungen Jahren auf. Menschen mit einem hohen familiären Risiko sollten sich deshalb intensiv beraten lassen und regelmäßig zur Krebs-Früherkennung gehen.

Um Familien und Angehörigen mit erblich bedingtem Krebs eine optimale Beratung und Behandlung zu ermöglichen, hat die Deutsche Krebshilfe die Verbundprojekte "Familiärer Krebs" initiiert. Die Betreuung an den universitären Zentren umfasst sowohl die medizinische als auch die psychologische Beratung über Früherkennungsmaßnahmen und vorbeugende Behandlungsmöglichkeiten, eine humangenetische Beratung über das erbliche Risiko sowie die Möglichkeiten einer genetischen Untersuchung.

Menschen, die an Brust-, Eierstock- oder Darmkrebs erkrankt sind oder befürchten, eine erbliche Veranlagung zu tragen, können sich an eines der Zentren in ihrer Nähe wenden. (Quelle: Deutsche Krebshilfe)
BRCA 1 und BRCA 2
BRCA 1 und BRCA 2 steht für Breast Cancer Susceptibility Gene 1 oder 2. "Die beiden Hochrisikogene wurden 1994 bzw. 1995 entdeckt. Mutationen in den Genen werden statistisch gesehen an 50 Prozent der Nachkommen weitervererbt. Durch die Identifikation einer Mutation bei einer Erkrankten in der Familie ist eine prädiktive genetische Testung, das heißt eine Untersuchung auf das Vorliegen einer Mutation bei gesunden Frauen dieser Familie möglich geworden. Wird die Veränderung ausgeschlossen, so können die betroffenen Frauen entlastet werden. Das hohe Erkrankungsrisiko ihrer Familie trifft dann auf sie nicht mehr zu. Umgekehrt wird beim Nachweis der Mutation das hohe Risiko zur Gewissheit." (Quelle: Nachwort von Prof. Dr. med. Rita Schmutzler, Leiterin Schwerpunkt Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der Universitätsklinik Köln)
Was tun nach einem positiven Testergebnis?
Die prophylaktische Brustdrüsenentfernung ist nur ein Weg, mit dem hohen Erkrankungsrisiko umzugehen. Alternativen sind eine engmaschige, intensive Früherkennung und präventiv wirksame Medikamente.
Darmkrebs und Vorsorge
Darmkrebs entsteht aus anfangs gutartigen Darmpolypen, pilzförmigen Geschwülsten der Darmschleimhaut. Da Darmkrebs erst relativ spät Symptome zeigt, wird er auch spät erkannt - fatal, denn die Heilungschancen liegen nur bei 40 bis 60 Prozent.

Im Rahmen des Vorsorgeprogramms der gesetzlichen Krankenkassen wird allen Versicherten ab einem Alter von 56 Jahren empfohlen, alle zehn Jahre eine Darmspiegelung (Koloskopie) vorzunehmen, um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen.