Neuer Kodex Pharmafirmen wollen Geschenke an Ärzte abschaffen

Honorare für umstrittene Studien, teure Ausflüge, Geld für Fortbildungen: Pharmahersteller werden seit langem wegen ihrer Zuwendungen an Ärzte kritisiert. Jetzt will die Branche einen Kodex beschließen, der den Verdacht der Einflussnahme ausräumen soll.

Apotheke in Baden-Baden: Beeinflusste Ärzte?
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Apotheke in Baden-Baden: Beeinflusste Ärzte?


Angesichts verbreiteter Kritik am Einfluss der Pharmaindustrie auf Ärzte will sich die Branche ein Verbot jeglicher Geschenke an Mediziner auferlegen. "Da machen wir einen klaren Schnitt", sagte der Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie, Holger Diener, der Deutschen Presse-Agentur. Das Verbot solle unter anderem Geschenke wie Kugelschreiber oder Schreibblöcke, aber auch Belohnungen für umstrittene Studien betreffen.

Wie viele Ärzte solche Leistungen überhaupt noch in Anspruch nehmen, ist zwar unklar. In einem 14-seitigen Kodex will die Pharmaindustrie gleichwohl festlegen, dass Geldflüsse an Mediziner veröffentlicht werden müssen - etwa Beratungshonorare, Spenden oder die Finanzierung von Fortbildungsveranstaltungen. Entsprechende Beschlüsse strebt das Selbstkontrollorgan der Pharmaindustrie auf einer Mitgliederversammlung am Mittwoch in Berlin an.

Laut Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa), habe es bei den Pharmafirmen auf breiter Front einen Bewusstseinswandel gegeben. Der Transparenzkodex sei ein großer Schritt. Ausgeräumt werden solle damit der Generalverdacht der Einflussnahme, unter den das Zusammenwirken von Ärzten und Pharmaindustrie oft gestellt werde.

"Beide Seiten haben nichts zu verbergen"

Das Verbot von Geschenken soll im zweiten Halbjahr 2014 in Kraft treten. Geldleistungen und Zuwendungen sollen die Unternehmen erstmals 2016 fürs Vorjahr dokumentieren. Die Zeit bis dahin sei auch für die technischen Vorbereitungen in den Firmen nötig.

Diener rief die Mediziner und ihre Organisationen auf, sich zur Nennung der Namen der Ärzte bereit zu erklären. "Wir können sie schon aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht gegen den Willen der Ärzte veröffentlichen", sagte er. "Beide Seiten haben nichts zu verbergen."

Geld fließt auf verschiedene Arten von Pharmaherstellern an Ärzte. So gibt es jährlich Hunderte neue kleine Studien, in denen Ärzte gegen Entschädigung Erfahrungen mit neuen Medikamenten bei ihren Patienten an die Hersteller melden. Fortbildungsveranstaltungen und Kongresse werden gesponsert. Tausende Pharmavertreter besuchen regelmäßig Arztpraxen und haben oft auch kleine Geschenke dabei.

Auch sogenannte Anwendungsbeobachtungen stehen in der Kritik. Das sind rechtlich umstrittene Patientenversuche, die dazu dienen, Erkenntnisse über Medikamente zu gewinnen. Ärzte erhalten dafür Schecks von Pharmafirmen.

Kritiker werfen der Branche unter anderem vor, dass sie viele Medikamente auch mittels beeinflusster Ärzte breit in die Anwendung bringe, obwohl diese nicht für alle Patienten optimal seien oder womöglich sogar Risiken bergen.

Union und SPD wollen darüber hinaus mit einem neuen Gesetz verhindern, dass medizinische Entscheidungen aufgrund von Einflussnahme getroffen werden. "Wir werden einen neuen Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen im Strafgesetzbuch schaffen", heißt es in den Entwürfen für den Koalitionsvertrag zur Gesundheitspolitik.

boj/dpa

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