Merck: Pharmakonzern kürzt Forschungsmittel

Merck muss sparen: Der Pharmakonzern will bis 2014 die Ausgaben für Forschung und Marketing um 300 Millionen Euro senken. Ab sofort will sich das Unternehmen stärker auf die Entwicklung von Biotech-Medikamenten und Krebspräparaten konzentrieren.

Merck-Mitarbeiter im Labor: Suche nach neuen Wirkstoffen Zur Großansicht
AP/ Merck

Merck-Mitarbeiter im Labor: Suche nach neuen Wirkstoffen

Darmstadt - Der wegen Problemen in der Pharmasparte steckende Konzern Merck steht vor einem weitreichenden Umbau. Zum Jahresauftakt musste das Unternehmen einen herben Gewinneinbruch verzeichnen. Der Überschuss sank im ersten Quartal um 48,7 Prozent auf 176,6 Millionen Euro, wie das Darmstädter Traditionsunternehmen am Dienstag mitteilte. Der operative Gewinn sank binnen Jahresfrist um 8,4 Prozent auf 674,9 Millionen Euro.

Schon im März hatte der drittgrößte deutsche Pharmahersteller ein massives Sparprogramm angekündigt, auch die Forschungs- und Marketingkosten sollen drastisch gedrückt werden. Bis 2014 sollen sie um 300 Millionen Euro sinken. 180 Millionen entfallen auf Marketing, 120 Millionen auf Forschung und Entwicklung.

"Merck muss sich bislang nicht gekannten Marktveränderungen und zunehmendem Wettbewerb in wichtigen Produktbereichen stellen", sagte Vorstandschef Karl-Ludwig Kley. Sein Unternehmen kämpft wie viele andere Pharmakonzerne mit staatlichen Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem und der stockenden Entwicklung neuer Medikamente. Details über Stellenstreichungen in Deutschland sind noch nicht bekannt. Ende März beschäftigte Merck rund 40.500 Mitarbeiter, davon fast 11.000 in Deutschland.

Misserfolge in der Forschung

Zunächst will Merck Doppelstrukturen abbauen, die durch die Zukäufe des Biotech-Konzerns Serono und des Laborausrüsters Millipore entstanden sind. "Bei Serono waren Veränderungen dringend notwendig", sagte Pharmachef Stefan Oschmann. In Serono ist das Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten wie Rebif zur Behandlung Multipler Sklerose und Erbitux gebündelt. Gerade erst hatte der Konzern bekannt gegeben, dass das Darmkrebsmittel in Tests bei einer weiteren Behandlung versagt hatte. In der europaweiten klinischen Studie "Petacc-81" war Erbitux für eine weitere Behandlung bei Darmkrebs erprobt worden. In der wichtigsten Phase der Tests, der Phase III, zeigte sich, dass das Medikament keine Verbesserung für die behandelten Patienten bewirkte.

Bereits im April hatte Merck die Schließung des Serono-Hauptquartiers in Genf bekanntgegeben. 500 der 1250 Stellen fallen dort weg, die übrigen werden zu anderen Standorten verlagert, etwa nach Darmstadt, Boston oder Peking. Das Schweizer Recht gibt vor, dass ein Stellenabbau vorab veröffentlicht werden muss.

Ab sofort will sich Merck noch stärker auf die Entwicklung von Biotech-Medikamenten konzentrieren, Investitionen außerhalb Europas tätigen und die Präsenz in der Onkologie erweitern.

Auch viele andere Pharmakonzerne sind derzeit auf der Suche nach neuen Wirkstoffen, da zahlreiche Milliarden-Medikamente ihren Patentschutz verlieren. Parallel drückt die viele Jahre erfolgsverwöhnte Pharmabranche auf die Kostenbremse. Merck-Konkurrenten wie Bayer, Roche und Novartis haben schon vor einiger Zeit den Abbau Tausender Stellen angekündigt.

nik/dpa/reuters

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Lobbyisten
allereber 15.05.2012
Dafür erhöhen sich die Lustreisekosten für korrupte Ärzte gewaltig.
2.
!!!Fovea!!! 16.05.2012
Zitat von sysopAuch viele andere Pharmakonzerne sind derzeit auf der Suche nach neuen Wirkstoffen, da zahlreiche Milliarden-Medikamente ihren Patentschutz verlieren. Pharmakonzern Merck kürzt Forschungsmittel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,833396,00.html)
Der o. a. Satz sagt alles.... Jetzt wissen wir, warum demnächst wieder Leute ihren Arbeitsplatz verlieren. Würden die Patente noch Jahrzehnte weiterlaufen, würden sich die Pharmakonzerne weiter auf ihren Lorbeeren ausruhen und das Gesundheitssystem schröpfen.
3. Und Tschüß!
tiansworld 16.05.2012
Biotech, Onkologie? Meine Güte, der medizinische Trend geht in eine ganz andere Richtung... Weg vom Vollstopfen mit "drugs" (das englische Wort für Medikament ist eh besser), mehr personenzentriertes, salutogenetisches Denken und Handeln... Wer jetzt noch langfristig Zeit und Geld in Pharma investiert, muss sich Dummheit und Ignoranz vorwerfen lassen. It's a dying giant... Gott sei Dank herrscht für diese Art Medizin mit Controllern und Statistikern am Entscheidungshebel endlich langsam Gotterdämmerung! Und Tschüß!
4. ...
Tsardian 16.05.2012
Zitat von !!!Fovea!!!Der o. a. Satz sagt alles.... Jetzt wissen wir, warum demnächst wieder Leute ihren Arbeitsplatz verlieren. Würden die Patente noch Jahrzehnte weiterlaufen, würden sich die Pharmakonzerne weiter auf ihren Lorbeeren ausruhen und das Gesundheitssystem schröpfen.
Und dann könnten sie womöglich auch noch weiter forschen und womöglich gar noch mehr wirksame Medikamente erfinden. Das dürfen wir natürlich auf keinen Fall zulassen.
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