Plan der Regierung Ärzte sollen Patienten straffrei mit Schmerzmittel eindecken dürfen

Das Monopol der Apotheker wankt: Ärzten soll erlaubt werden, in dringenden Fällen Betäubungsmittel abzugeben, so dass sich Kranke einen Vorrat anlegen können. Bislang machen sich die Mediziner damit strafbar.

Nicht nur verordnen: Ärzte sollen Betäubungsmittel im Notfall auch ausgeben dürfen
dpa

Nicht nur verordnen: Ärzte sollen Betäubungsmittel im Notfall auch ausgeben dürfen


Hamburg - Gefordert wurde die Änderung des starren Apothekengesetzes schon lang, nun will das Bundesgesundheitsministerium (BMG) Ärzten in gewissen Notsituationen erlauben, unheilbar Kranken dringend notwendige Betäubungsmittel geben zu dürfen. Palliativmediziner hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Versorgung Sterbender vor allem an Wochenenden und Feiertagen zu Hause schwierig ist, weil die Behandlung mit Schmerzmitteln rasch erfolgen muss, die notwendigen Medikamente aber oft nicht vorrätig sind.

Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass mit der Änderung Menschen mit teils unerträglichen Schmerzen unverzüglich geholfen werden soll. Bislang dürfen in Deutschland nur Apotheken Medikamente verkaufen, der Arzt lediglich ein Rezept ausstellen.

Zwar können Ärzte auch heute schon Betäubungsmittel am Wochenende und an Feiertagen an ihre Patienten abgeben - allerdings nur zum unmittelbaren Gebrauch oder im Rahmen einer ärztlichen Behandlung. Wenn sie ihren Patienten einen Vorrat etwa bis zum nächsten Werktag überlassen, machen sie sich nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) strafbar. Im schlimmsten Fall drohen den Medizinern dann bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.

Apotheker unter strengen Auflagen einverstanden

"Endlich können wir Leiden lindern, ohne Angst vor dem Gefängnis haben zu müssen", sagte Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Palliativstiftung der "Ärzte Zeitung". Danken will er vor allem "den Politikern, die den Mut hatten, mittelalterliche Traditionen an die moderne Zeit anzupassen".

Doch selbst die Apotheker, bislang strikt gegen jede Aufweichung ihres Abgabemonopols, scheinen sich mit der Sonderregelung anfreunden zu können. Von einer "historischen Änderung" der Abgabepflicht will man bei der Bundesvereinigung deutscher Apothekenverbände (ABDA) zwar nichts wissen, der Verband plädiert zunächst für eine größere Bevorratung in den einzelnen Apotheken zum Wochenenddienst.

Falls dies aber nicht ausreiche, könnte man sich vorstellen, die Anpassung der Verschreibungsverordnung mitzutragen - wenn trotz der Bevorratungspflicht ein Notfall eintritt, wenn ein zeitlich eng begrenzter Zeitraum zu überbrücken ist und das Arzneimittel durch die Apotheke ausgeliefert wurde, erklärt eine Sprecherin. Das bedeutet dann wohl die Zustimmung zur Änderung.

Bis es soweit ist, werden allerdings noch einige Wochen vergehen. Die Novelle wird am 1. Februar im Bundeskabinett beraten, dann muss noch der Bundesrat zustimmen.

Bereits im vergangenen Jahr wurde geregelt, dass Hospize und spezialisierte ambulante Palliativversorgungshäuser in ihren Räumlichkeiten einen Vorrat an Betäubungsmitteln für Notfälle bereithalten können.

nik/dpa

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