Plutonium-Herzschrittmacher Atombatterie in der Brust

Einst wurden Herzkranken Schrittmacher mit Plutoniumbatterien implantiert - und noch heute leben Patienten mit dem Gift im Körper. Wo aber landet der gefährliche Stoff nach ihrem Tod? Nach SPIEGEL-Informationen sind die Träger nicht registriert.

Herzschlag: Mini-AKW in der Brust
Corbis

Herzschlag: Mini-AKW in der Brust


Hamburg - Der Herzschrittmacher-Experte Michael Lampadius aus Bayern beklagt einen laxen Umgang mit Plutonium aus Schrittmacherbatterien. Insbesondere Herzpatienten aus der ehemaligen Sowjetunion, die solche Schrittmacher tragen, würden in Deutschland nicht erfasst.

Weltweit wurden Anfang der siebziger Jahre atombetriebene Schrittmacher eingesetzt, weil deren Batterien extrem lange halten. Solche Geräte enthalten bis zu 200 Milligramm Plutonium, das im Körper mit mehreren Schichten Metall ummantelt ist. Von 1971 bis 1976 setzten Ärzte in Westdeutschland 284 Patienten den Plutoniumschrittmacher ein. Weil das strahlende und selbst in geringsten Mengen schädliche Schwermetall als sehr gefährlich gilt, sind diese Patienten in einem Register beim Bundesamt für Strahlenschutz eingetragen.

Nicht im Schrittmacherregister erfasst sind jedoch Patienten, die mit einem solchen Gerät aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland eingewandert sind.

Schrittmacherexperte Michael Lampadius fürchtet, eine solche Atombatterie könne ausgetauscht werden und dann im Müll landen. Wenn ein Patient versterbe und eingeäschert werde, würden die Reste des Plutoniumschrittmachers zusammen mit Prothesen geschreddert und eingeschmolzen: "Wenn dann in der Umgebung des Schmelzwerks oder der Schredderanlage gehäuft Lungenkrebs auftritt, wird dies unerklärlich bleiben", sagte er dem SPIEGEL.

Eine Patientin, die mit Plutoniumschrittmacher aus der Ukraine gekommen war, lebte in der Nähe von Halle. Vor gut einem Jahr ist sie verstorben, vermutlich wurde sie mit dem Schrittmacher begraben.

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