Prüfbericht: Ärzte machen mit Unsinn Kasse

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4. Teil: Unklar: Biofeedback-Therapie bei Migräne, Preis: 20 Euro pro Sitzung

Biofeedback per Messsonde: Eine Sitzung kostet bis zu 20 Euro Zur Großansicht
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Biofeedback per Messsonde: Eine Sitzung kostet bis zu 20 Euro

Die Biofeedback-Therapie ist eine Entspannungstechnik, die es Patienten ermöglichen soll, unbewusste Körpervorgänge wahrnehmen zu können. Dadurch soll man beispielsweise lernen können, seinen Körper so zu steuern, dass Blutgefäße enger werden. Migräne und andere Schmerzen können sich so vermindern lassen, meinen die Befürworter. Die Behandlung der Migräne mit Medikamenten und anderen Methoden wird von den Krankenkassen bezahlt. Die Biofeedback-Therapie ist grundsätzlich keine Kassenleistung. Als IGeL kostet sie pro Sitzung in der Regel zwischen 8 und 20 Euro.

In Studien zeigte sich der Placebo-Effekt: Diese Scheinwirkung meint, dass ein Patient anstelle einer medizinisch wirksamen Therapie eine Pille verabreicht bekommt, die nur aus reinem Zucker besteht. Der Patient - im Glauben, ein echtes Medikament erhalten zu haben - spürt schon nach kurzer Zeit eine Linderung der Symptome oder eine Verbesserung seines Gesundheitszustandes. Die Medizin spricht vom Placebo-Effekt. Und dieser Effekt zeigte sich auch in der Wirkung der Biofeedback-Therapie: Patienten, die behandelt wurden verspürten - im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die gar nicht behandelt wurde - eine Wirkung. Wurden Patienten in der Kontrollgruppe aber zum Schein behandelt, zeigt sich im Vergleich der beiden Gruppen kein Unterschied. Die scheinbare Wirkung geht also nicht auf die spezifische Maßnahme zurück.

Die MDS-Experten sehen keine Hinweise auf einen Nutzen. Schäden werden in den Arbeiten nicht erwähnt und sind auch nicht plausibel, weshalb auch keine Hinweise auf einen Schaden erkennbar sind.

Es gibt keine evidenzbasierte Leitlinie einer deutschen Fachgesellschaft, die die Biofeedback-Therapie gegen Migräne empfiehlt. Der MDS-Monitor bewertet die Methode als "unklar".

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insgesamt 144 Beiträge
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1.
erlachma 25.01.2012
Es sind freiwillige Leistungen, aber ich weiß nicht, worüber man sich konkret aufregt. 7-10 Euro für eine Licht-Sitzung, was soll das sein? Da ist schon das Heizen des Raumes teurer. Ich weiß nicht, ob ein Arzt sich mit so etwas eine goldene Nase verdienen kann.
2. So ein Eigenheim will finanziert werden
artikel.5 25.01.2012
Fehlen noch die Veneers (Plastikfassaden), die mein Zahnarzt mir auf die Zaehne kleben wolle, da dies das einzige Mittel gegen meine fortschreitende Parodentose sei. Kosten mindestens (!) 3.500,- Jetzt bin ich bei einem Zahnarzt, der mir unaufgefordert eine Therapie vorschlug, die meine Kasse bezahlt. Sein Wartezimmer ist museumsreif altbacken - Ich habe endlich den richtigen Zahnarzt gefunden!
3. Stoßwellentherapie - bei mir war's OK
My2Cents 25.01.2012
Also mir hat die Stoßwellentherapie nach monatelangen massiven Schmerzen im Ellenbogen sehr geholfen. Vielleicht ein Zufallsergebnis, aber auf jeden Fall für mich Grund genug, beim nächsten Tennisarm es definitiv wieder mit der Stoßwellentherapie zu probieren.
4. Nicht neu, nicht verwunderlich - aber gefragt!
Monoton&Minimal 25.01.2012
Zitat von sysopStoßwellen-Therapie, Vitamin-Kur, Schnarch-Entwöhnung: In deutschen Arztpraxen*erfreuen sich Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) großer Beliebtheit. Doch was ist Schrott und*was seriös?*Unabhängige Experten haben nun gängige IGeL*bewertet. SPIEGEL ONLINE zeigt zehn*klassische Fälle.* http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,810942,00.html
In Wirklichkeit will ein Grossteil der Menschen aber doch verarscht werden: man fühlt sich dann halt besser. Sei es durch Magnetfelder, Zuckerkügelchen oder zu einem imaginären Freund beten... Das hilft natürlich nichts! Wie auch?! Die gleichen Meschen, die eben noch bei der Magnettherapie waren protestieren dann aber gegen Handymasten... :)
5. Gute Zusatzgeschäfte
hubertrudnick1 25.01.2012
Zitat von sysopStoßwellen-Therapie, Vitamin-Kur, Schnarch-Entwöhnung: In deutschen Arztpraxen*erfreuen sich Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) großer Beliebtheit. Doch was ist Schrott und*was seriös?*Unabhängige Experten haben nun gängige IGeL*bewertet. SPIEGEL ONLINE zeigt zehn*klassische Fälle.* http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,810942,00.html
Seit Jahren wird der Patient von allen Äzten fast immer bedrängt zusätzliche Leistungen in Anspruch zu nehmen. Man begründet es damit, die Kassen müssen sparen und zahlen deshalb viele notwendige Untersuchungen nicht mehr, aber aus Vorsorgegründen sei es zu emphehlen. Und weil man als Patient ein Vertrauen zum Arzt hat, so gibt man zu oft nach. Als ich mal in ein anderes Bundesland nach Hessen umgezogen war und mich bei einem Urologen vorstellte, da wurde mir bevor ich zum Arzt vorgelassen wurde erst ein mal eine Wunschliste mit sehr vielen Untersuchungsmöglichkeiten konfrontiert und mir wurde nahe gelegt möglichst vieles in Anspruch zu nehmen, natürlich zu sehr hohen Eigenkosten. Seit dem ist das Einkommen der Ärzte recht gut gestiegen und die Kosten der Patienten sind in die Höhe geschnellt. HR
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