Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Nerven neu verbunden: OP gibt Gelähmtem Kontrolle über Hände zurück

In den Armen eines Querschnittsgelähmten haben Chirurgen Nervenbahnen neu verknüpft: Der Mann, der vor dem Eingriff keine Kontrolle über seine Hände mehr hatte, kann nun wieder Gegenstände greifen und selbst essen. Die Methode eignet sich aber nur für einen kleinen Anteil von Betroffenen.

OP nach Querschnittslähmung: Chirurgen verbinden Nerven neu Fotos
JNS/ Washington UC School of Medicine

Hamburg - Er kann mit der Hand wieder greifen, selbst essen, sogar - wenn auch mit Mühe - schreiben: US-amerikanische Chirurgen berichten, dass sie einem Querschnittsgelähmten mit zwei Operationen eine gewisse Kontrolle über seine Hände zurückgegeben haben. Das Team von der Washington University School of Medicine in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) berichtet im "Journal of Neurosurgery", dass das Rückenmark ihres 71-jährigen Patienten bei einem Autounfall am untersten Halswirbel durchtrennt wurde. Der Mann konnte seine Oberarme noch willentlich bewegen, die Hände aber nicht mehr steuern. Außerdem war er vom Bauch abwärts gelähmt.

Dies liegt daran dass die Signale zum Oberarm über einen Bereich des Rückenmarks liefen, der oberhalb der Verletzung lag. Die Nerven, die ihre Signale an die Hand weitergaben, waren jedoch mit dem Rückenmark unterhalb der Verletzung verbunden - daher zeigte sich hier die Lähmung.

Susan Mackinnon, Andrew Yee und Wilson Ray begegneten dem Patienten erstmals 22 Monate nach seinem Unfall. Die Muskulatur von Hand und Fingern war zu diesem Zeitpunkt schon deutlich geschwächt, da der Mann sie ja nicht mehr aktiv einsetzen konnte.

Die Ärzte verbanden nun einen Nerv, der beim Beugen des Ellenbogens beteiligt ist und noch Signale erhielt, mit einem Nerv, der einen Teil der Fingerbewegungen steuert. Im Abstand von eine Woche führten sie die Operation am linken und am rechten Arm durch. Ihrem Bericht zufolge war es der erste Eingriff dieser Art.

Acht bis zehn Monate Training

Der Erfolg der Operationen zeigte sich nicht sofort. Es benötigte acht Monate Zeit und regelmäßige Physiotherapie, bis der Patient Daumen, Mittel- und Zeigefinger der linken Hand bewegen konnte. Dazu musste er lernen, dass der Nerv, der eigentlich die Information zum Ellenbogen-Beugen weiterleitet, nun Signale an die Finger sendet, so dass diese zugreifen können. Zehn Monate nach der OP gelang es ihm auch, die rechte Hand wieder zu steuern. Mit derselben Präzision wie vor dem Unfall wird der Mann seine Hände nicht mehr bewegen können. Wie die Ärzte mitteilen, sagte er dennoch, er könne nicht glücklicher über das Ergebnis der Operation sein.

Da die Ärzte nur von einem einzigen Fall berichten, lässt sich nichts darüber sagen, wie erfolgreich die Methode insgesamt sein könnte oder welche Nebenwirkungen drohen. Die Mediziner betonten zudem, dass diese Art von Operation nur Gelähmten hilft, bei denen das Rückenmark an einem der unteren Halswirbel durchtrennt ist - liegt die Verletzung höher, finden sich in den Armen keine Nerven mehr, zu denen noch Signale vom Gehirn gelangen, liegt sie tiefer, sind die Bewegungen der Hände in der Regel nicht beeinträchtigt.

wbr

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: