Rätselhafte Krankheit Retrovirus könnte Erschöpfungssyndrom auslösen

Steckt ein Virus hinter dem Chronischen Erschöpfungssyndrom? Eine Untersuchung von 300 Patienten ergab, dass zwei Drittel von ihnen ein ansteckendes Retrovirus tragen. Noch ist unklar, ob das Virus die Krankheit auslöst oder Patienten erst im Nachhinein befällt.

Virus (Aufnahme mit Transmissionselektronenmikroskop): Ist XMRV Ursache von CFS oder nur Begleiterscheinung?
REUTERS/ CDC

Virus (Aufnahme mit Transmissionselektronenmikroskop): Ist XMRV Ursache von CFS oder nur Begleiterscheinung?


Washington - Für Betroffene ist die Krankheit eine Qual, die sogar zu einer Behinderung führen kann. Etwa 300.000 Menschen sind in Deutschland vom Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS - Chronic fatigue syndrome) betroffen. Weltweit sind es gut 17 Millionen. Zur geistigen und körperlichen Erschöpfung kommen unter anderem noch Kopf- und Muskelschmerzen sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Die Ursachen von CFS sind noch nicht geklärt. Einige Forscher haben jedoch Viren im Verdacht.

Ein Forscherteam vom Whittemore Peterson Institut in Reno konnte nun bestätigen, dass zumindest ein Zusammenhang zwischen CFS und einem bestimmten Virus besteht, der zu den sogenannten xenotropic-murine-leukemia-Viren oder XMRV gehört. Vincent Lombardi und seine Kollegen untersuchten mehr als 300 Testpersonen. Zwei Drittel der Patienten mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) trugen in ihren Blutzellen das Retrovirus, berichten die Forscher im Fachblatt "Science".

Die XMRV-Erreger gelten als Mitverursacher von Prostatakrebs. Die Forscher waren dem Virus auf die Spur gekommen, weil sowohl XMRV-positive Krebspatienten als auch CFS-Patienten Veränderungen in einem bestimmten antiviralen Enzym, RNase L, aufweisen.

Als sie schließlich Blutzellen von CFS-Patienten gezielt nach Spuren des Virus absuchten, wurden sie bei 67 Prozent der Betroffenen fündig. Bei den Gesunden waren lediglich 3,7 Prozent von dem Virus befallen. Das bedeute auch für jeden 25. gesunden Amerikaner, dass er möglicherweise einen Krankheitskeim in sich trage, schreiben die Forscher.

Weiter fanden sie heraus, dass das Virus offenbar ansteckend ist: Sie konnten Zellkulturen beispielsweise über andere erkrankte Zellen mit dem Virus infizieren. Laut den Wissenschaftlern stellen sich nun weitere Fragen. Als erstes müsse geklärt werden, ob die XMRV tatsächlich die Ursache des CFS seien oder nur eine Begleiterscheinung. Außerdem müssten weitere Viren untersucht werden, die ebenfalls oft gemeinsam mit CFS auftreten. Weiter wollen die Forscher klären, welche Rolle XMRV bei der Entstehung von Krebs spielt, denn CFS-Patienten haben ein erhöhtes Krebsrisiko.

hda/ddp

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es fälschlicherweise, dass XMRV zu den Enteroviren gehört. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Retrovirus. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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