Experiment mit trächtigen Ratten Ernährung beeinflusst Krebsrisiko der Enkelinnen

Die Ernährung während der Schwangerschaft hat weitreichende Folgen: Bei Ratten beeinflusst sie, wie anfällig Töchter, Enkelinnen und zum Teil sogar Urenkelinnen gegenüber Brustkrebs sind. Fettreiche Nahrung, so zeigt eine Studie, erhöht das Tumorrisiko.

Ein Rattenweibchen mit seinem Nachwuchs während des wissenschaftlichen Versuchs
dapd/ Sonia De Assis

Ein Rattenweibchen mit seinem Nachwuchs während des wissenschaftlichen Versuchs


Versuche an trächtigen Ratten zeigen, dass sich die Ernährung während der Schwangerschaft nicht nur auf die direkten Nachkommen, sondern auch auf die Enkel-Generation auswirken kann. Erhielten Rattenweibchen während ihrer Schwangerschaft fettreiche Kost, erhöhte sich das Brustkrebsrisiko ihrer Töchter und Enkelinnen, obwohl sich diese normal ernährten. Ein ähnlicher Effekt trat auf, wenn die trächtigen Ratten zusätzliche Östrogene erhielten. Wie die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications" berichten, war in diesem Fall sogar noch das Brustkrebsrisiko der Urenkelinnen höher als normal.

Es war schon bekannt, dass die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes beeinflussen kann. Auch Effekte bei Enkeln und Urenkeln wurden bei Ratten schon beobachtet. "Diese Studie demonstriert zum ersten Mal, dass sich ein Überschuss an Fett in der Ernährung oder an Östrogen gleich auf mehrere folgende Generationen auswirken kann", sagt Studienleiterin Leena Hilakivi-Clarke von der Georgetown University in Washington DC.

Die Forscher hatten trächtige Rattenweibchen in drei Gruppen aufgeteilt: Eine erhielt die gesamte Schwangerschaft hindurch besonders fetthaltiges Futter, die zweite Gruppe wurde normal ernährt, erhielt aber in der letzten Woche zusätzlich das Hormonpräparat Ethinylestradiol. Die dritte Gruppe diente als Kontrolle und bekam nur normales Futter. Waren die Töchter dieser Ratten ausgewachsen, wurden sie mit den Söhnen von Weibchen aus der jeweils gleichen Gruppe verpaart. Ähnlich verfuhren die Forscher auch mit deren Nachkommen. Die Töchter und auch die folgenden Generationen erhielten dabei stets normale Nahrung.´

Veränderte Genaktivität

In jeder Generation testeten die Forscher die Brustkrebsanfälligkeit der Weibchen, indem sie ihnen ein krebsauslösend wirkendes Mittel verabreichten. Nachkommen der Ratten, die mit fettreicher Nahrung gefüttert wurden oder Östrogene erhalten hatten, waren um 50 Prozent anfälliger gegenüber diesen Substanzen als die Nachkommen der Kontrollgruppe.

Weitergegeben wird das erhöhte Brustkrebsrisiko höchstwahrscheinlich nicht durch veränderte Gene, sondern durch sogenannte epigenetische Veränderungen. Die fettreiche Ernährung der Mutter und ihr Östrogenstatus beeinflussen das Muster chemischer Anlagerungen am Erbgut des Kindes. Die Lage und Dichte dieser auch als DNA-Methylierung bezeichneten Blockaden beeinflusst, welche Gene aktiv sind oder nicht.

Bei den Nachkommen der fettreich ernährten oder mit Östrogenen behandelten Rattenweibchen stellten die Wissenschaftler zahlreiche Veränderungen in der DNA-Methylierung fest. Dies hätte dazu geführt, dass das Brustgewebe dieser Tiere sensibler gegenüber krebsauslösenden Substanzen reagiere, berichten die Forscher.

Ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, ist unklar. Die Wissenschaftler meinen jedoch, sie könnten erklären, warum Brustkrebs oft auch in Familien gehäuft vorkommt, obwohl bei den betroffenen Frauen keines der bekannten Brustkrebsgene mutiert ist. Durch die Ernährung oder Hormone der Mutter werde die DNA-Anlagerung bei den ungeborenen Töchtern - und Enkelinnen - verändert.

wbr/dapd



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