Lissabon - Neue Drogen überfluten Europa in Rekordtempo. Wie die EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) und die Polizeibehörde Europol am Mittwoch mitteilten, wurden im vergangenen Jahr auf dem europäischen Markt insgesamt 41 neue Drogen registriert. Das sei die höchste Zahl an psychoaktiven Substanzen, die bisher jemals in einem Jahr gemeldet worden sei, heißt es in dem in Lissabon veröffentlichten Jahresbericht.
Die Rekordzahl, die der EBDD und Europol über das Frühwarnsystem der EU für neue psychoaktive Substanzen gemeldet wurden, liegt den Angaben zufolge deutlich über den Werten der Jahre 2008 und 2009, in denen 13 beziehungsweise 24 neue Drogen registriert wurden.
Die neuen Substanzen würden in Europa "in noch nie dagewesenem Tempo allgemein verfügbar", warnt die EBDD. Zu der Liste gehörten synthetische Cannabinoide, synthetische Cathinone, synthetische Derivate etablierter Drogen und eine Substanz auf pflanzlicher Basis.
Allein die Zahl der synthetische Cannabinoide ("Spice"), die in Europa überwacht werden, stieg laut EBDD im vergangenen Jahr von 16 auf 27 an. Mindestens 16 EU-Länder hätten jetzt deshalb rechtliche Maßnahmen ergriffen, um "Spice"-Erzeugnisse und damit verwandte Verbindungen zu verbieten oder zumindest zu kontrollieren, so die EBDD.
Frühwarnsystem hat bisher 140 neue Drogen erfasst
Seit der Einrichtung des Frühwarnsystems im Jahr 1997 wurden EBDD und Europol über 140 neue Drogen gemeldet. Das System sei jedoch nicht in der Lage, "aufkommende Bedrohungen vorherzusagen, indem neue Verbindungen aktiv gekauft, synthetisiert und untersucht werden", sagte EBDD-Direktor Wolfgang Götz. Dem könne aber "durch eine bessere Fähigkeit zur kriminaltechnischen forensischen Analyse und Forschung auf europäischer Ebene abgeholfen werden".
Götz betonte, erst vor kurzem sei die operative Leistungsfähigkeit des Frühwarnsystems verbessert worden, damit schneller auf neue Substanzen reagiert werden könne. Angesichts des Tempos, mit dem neue Entwicklungen auftreten, sei es aber wichtig, künftige Herausforderungen möglichst vorauszusehen.
Die EU-Drogenbeobachtungsstelle mit Sitz in der portugiesischen Hauptstadt liefert Daten und Statistiken. Die Prävention und Bekämpfung der Drogenprobleme liegt unterdessen in den Händen der Mitgliedstaaten. Nach Meinung von Europol ist das Auftreten von legalen Stimulantien, der vor allem in Onlineshops im Internet angebotenen sogenannten "Legal Highs", eines der wesentlichen Kennzeichen des aktuellen europäischen Drogenproblems.
"Wir haben auch festgestellt, dass organisierte Kriminelle immer häufiger Ecstasy und verwandte Drogen herstellen und verbreiten", sagte Europol-Chef Rob Wainwright. Seine Behörde sein "entschlossen, dieses Problem zusammen mit den europäischen Partnern aus dem Bereich der Strafverfolgung zu bekämpfen".
mbe/dpa
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