Regenerative Medizin Schlaganfallpatient mit Stammzellen behandelt

Britische Forscher haben erstmals einen Schlaganfallpatienten mit Stammzellen behandelt. Wie erfolgversprechend das Verfahren ist, weiß noch niemand. Schnelle Hilfe für große Patientengruppen ist aber in jedem Fall nicht zu erwarten.

Neuronen aus Stammzellen (Archivbild): Injektion ins Hirn als Test
REUTERS

Neuronen aus Stammzellen (Archivbild): Injektion ins Hirn als Test


Rund eine Viertelmillion Deutsche trifft es jedes Jahr: Diagnose Schlaganfall. Mit den Folgen, darunter Lähmungen oder Sprachstörungen, haben viele Patienten noch Monate oder Jahre zu kämpfen. Manche sind für immer auf Pflege angewiesen - und rund ein Drittel stirbt innerhalb eines Jahres nach dem Ereignis.

Schon seit längerer Zeit arbeiten Forscher an der Idee, die entstandenen Hirnschäden mit Hilfe von Stammzellen zu reparieren. Prinzipiell ist klar, dass das Gehirn durchaus die Fähigkeit besitzt, sich zu regenerieren. Nun haben britische Mediziner das erste Mal Nervenstammzellen bei Schlaganfallpatienten eingesetzt - in der Hoffnung auf Fortschritte in der regenerativen Medizin. Mit schnellen Erfolgsmeldungen ist aber nicht unbedingt zu rechnen.

Empfänger der Stammzellen ist ein Lastwagenfahrer, der vor 16 Monaten einen Schlaganfall erlitten hatte und seitdem unter partiellen Lähmungen litt. An der Universität Glasgow wurden dem Patienten die Zellen in die Nähe der geschädigten Hirnareale gespritzt. Die Mediziner nutzten dafür eine eigens konstruierte, 22 Zentimeter lange Nadel. In den geschädigten Bereich wurden hingegen keine Stammzellen injiziert.

Nach der Behandlung am Wochenende wurde der Mann inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen. Das Team um den Mediziner Keith Muir will ihn nun über zwei Jahre beobachten. Insgesamt soll die Therapie an bis zu zwölf weiteren Personen erprobt werden. Gibt es dabei Erfolge, könnten größere Versuchsreihen angesetzt werden. Ob und wann das Verfahren routinemäßig eingesetzt werden kann, lässt sich derzeit aber noch nicht absehen. Viele Studien stehen zuvor noch an.

Zellen aus abgetriebenem Fötus

Die Patienten, für die eine derartige Behandlung in Frage kommt, leiden unter einem sogenannten ischämischen Hirninfarkt. Dabei verhindert ein verschlossenes Blutgefäß, dass die Zellen mit lebenswichtigen Substanzen wie Sauerstoff versorgt werden können. Je länger der Zustand anhält, desto mehr Nervenzellen können absterben.

Das US-Unternehmen Geron hatte im vergangenen Monat mit einer Studie begonnen, für die Patienten mit Rückenmarksverletzungen mit embryonalen Stammzellen behandelt werden. Die schottischen Forscher nutzen nun hingegen Zellen aus menschlichen Föten - ein ethisch höchst umstrittenes Verfahren. Die britische Biotech-Firma ReNeuron hatte die Zellen aus einem zwölf Wochen alten Fötus gewonnen, der im Jahr 2003 im US-Bundesstaat Kalifornien abgetrieben worden war. Das Unternehmen verweist darauf, dass es die nötigen Genehmigungen der Aufsichtsbehörden vorweisen könne.

Sollte der erste Versuch erfolgreich sein, soll ihr Verfahren in größeren klinischen Studien erprobt werden. Wissenschaftler warnen jedoch vor allzu großen Erwartungen. Es gebe Grund zu vorsichtigem Optimismus, sagte der Genetiker Darren Griffin von der Universität Kent, der nicht an der Studie beteiligt war. Der Rheuma-Experte Anthony Hollander von der Universität Bristol sagte, der Versuch an sich sei ein Meilenstein in der britischen Stammzellforschung.

In Deutschland ist die Stammzellforschung umstritten und nur in engen Grenzen erlaubt. So ist die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken verboten, der Import der Zellen aber unter bestimmten Auflagen erlaubt. Forscher am International Neuroscience Institute in Hannover hatten einem Patienten vor knapp zwei Jahren bereits Stammzellen ins Gehirn implantiert.

Allerdings wurden diese damals in einem Teebeutel-ähnlichen Behälter in das Gehirn des Mannes eingebracht und später wieder entfernt. Die Zellen stammten aus einer Knochenmarkspende in Dänemark und sollten nicht direkt das beschädigte Hirnareal reparieren, sondern ein spezielles Wachstumshormon für Nervenzellen produzieren.

chs/Reuters

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insgesamt 2 Beiträge
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blob123y 17.11.2010
1. In Deutschland ist alles umstritten was mit mit Vernunft
und "neuer" Zeit zu tun hat, man stelle sich vor was Rot, Gruen und der Papst machen wuerden wenn ploetzlichen die Themen die die vermeintlich "besetzt" haben realistisch betrachtet werden. I gitt, i gitt, nicht auszudenken !
Selsya 17.11.2010
2. ...
Sollte man verfolgen, ist nämlich auch für MS-Betroffene interessant. Wobei man da, soweit ich weiß (und der Umstand dass ich ein zerfressenes Gehirn habe macht mich da noch nicht zur Expertin), aber wohl auch den Ansatz verfolgt, das Immunsystem komplett zu zerstören und durch ein neues zu ersetzen, wohl auch mit Hilfe von Stammzellen und dem Ziel, dass das neu aufgebaute Immunsystem nicht die schlechte Angewohnheit hat, seinen Besitzer fressen zu wollen. Aber ich muß ganz ehrlich sein, Versuchskarnickel spielen wollen würde ich da - auch wenn die Chance der Heilung gegeben ist - irgendwo auch nicht.
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