Rhesusaffen Diät verlängert das Leben nicht

Auf Diät gesetzte Affen leben nicht länger - das zeigt die Beobachtung einer Tiergruppen seit den achtziger Jahren. Das Ergebnis widerspricht der Erfahrung mit anderen Affengemeinschaften.

Rhesusaffen im Heidelberger Zoo: "Überlebensfähigkeit nicht verbessert"
DPA

Rhesusaffen im Heidelberger Zoo: "Überlebensfähigkeit nicht verbessert"


Baltimore/Hamburg - Selbst eine ausdauernde Diät kann das Leben von Affen nicht verlängern. Das belegt eine Langzeitstudie mit Rhesusaffen, deren Ergebnisse jetzt in der Wissenschaftszeitschrift "Nature" vorgestellt werden. Die Affen auf Diät waren zwar dünner als die Kontrolltiere, außerdem traten bei ihnen einige Alterskrankheiten etwas später ein - doch das hatte keine deutlichen Auswirkungen auf die Lebenserwartung.

Das National Institute on Aging (NIA) in den USA hatte die Langzeitstudie mit Rhesusaffen im Jahr 1987 begonnen. Die zentrale Frage war: Leben die Tiere länger, wenn sie jahrelang auf Diät gesetzt sind, so wie es bei Mäusen und Ratten schon mehrfach nachgewiesen wurde?

Wenn die Primaten in Gefangenschaft leben und genug zu futtern bekommen, werden sie im Durchschnitt 27 Jahre alt; einzelne Tiere leben sogar 40 Jahre. "Eine Diät mit 30 Prozent weniger Kalorien hat in jüngeren und älteren Rhesusaffen die Überlebensfähigkeit nicht verbessert", schreibt nun das Team um den Experimental-Gerontologen Rafael de Cabo vom NIA.

In einer ersten Untersuchungsgruppe waren die Tiere bereits zu Beginn der Studie 16 bis 23 Jahre alt. Die asketisch lebenden Tiere hätten insgesamt nicht länger gelebt als die Tiere in der Kontrollgruppe, schreiben die Forscher. "Weder Männchen noch Weibchen profitierten von der Kalorienreduktion."

Affen mit schmaler Kost meist gesünder

Nichtsdestotrotz habe es Supergreise in der Untersuchungsgruppe gegeben: Von den Tieren, die spät auf Diät gesetzt wurden, lebten vier länger als 40 Jahre; in der Kontrollgruppe gelang das einem Tier. "Die Kalorienreduktion hat aber weder die durchschnittliche noch die maximale Lebensspanne im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöht. Diese Affen scheinen von der exzellenten Pflege profitiert zu haben."

In einer zweiten Untersuchungsgruppe wurden 86 Rhesusaffen ab einem Alter von einem bis 14 Jahren beobachtet: Von 40 auf Diät gesetzten Tieren seien bislang acht (20 Prozent) an Alterskrankheiten gestorben, von den 46 nicht hungernden Kontrolltieren elf (24 Prozent).

Abgesehen von dem recht kleinen Unterschied seien die Zahlen noch nicht endgültig, schreiben die Forscher. "Die meisten der noch lebenden Tiere werden in den kommenden zehn Jahren sterben. Die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein signifikant anderer Effekt auf das durchschnittliche Überleben auftreten wird, ist sehr gering."

Dennoch: Umsonst war das Hungern nicht. Die Diät habe nämlich Vorteile für die Gesundheit gebracht. Die wenig fressenden Tiere bekamen zum einen später Alterskrankheiten. Zum anderen sei unter den mageren Tieren aus der jüngeren Gruppe auch die Immunantwort auf eine Entzündung in der Mundhöhle besser gewesen. Auch Krebs sei seltener aufgetreten.

Das Team verweist jedoch darauf, dass seine Ergebnisse einer anderen Studie widersprechen. Eine derzeit noch laufende Studie am Wisconsin National Primate Research Center hatte in ersten Ergebnissen einen lebensverlängernden Effekt einer 30-prozentigen Kalorienreduktion bei Rhesusaffen entdeckt. Womöglich führte die unterschiedliche Ernährung in beiden Versuchsgruppen zu voneinander abweichenden Resultaten, meinen die Forscher. Diät ist eben nicht gleich Diät.

boj/dpa



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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
jetzt:hördochauf 30.08.2012
1. sagt das das nicht wahr ist....
...von 40 Affen 20%.... Von meiner Oma sind auch 100% tot... Bin ich der letzte der den Glauben an die Aussage verliert wenn die Stichprober gar zu klein werden?
obertrulla 30.08.2012
2. .
1. nicht nur die anzahl der kalorien dürfte eine rollen spielen, sondern auch die zusammensetzung der nahrung (trockenfutter vs. frisches obst/gemüse...) - wird leider gar nicht erwähnt 2. interessant gewesen wäre die übertragbarkeit der ergebnisse auf den menschen
felix_bach 30.08.2012
3. Noergeln ist immer gut
Zitat von jetzt:hördochauf...von 40 Affen 20%.... Von meiner Oma sind auch 100% tot... Bin ich der letzte der den Glauben an die Aussage verliert wenn die Stichprober gar zu klein werden?
Die Zahlen sind auf jeden Fall ueberzeugneder als ihr Kommentar. Von Statistik keine Ahnung wuerde ich sagen, abgesehendavon dass die nur ein kleiner Teil der Ergebnisse der studie ist.
thawn 30.08.2012
4. Statistik
Zitat von jetzt:hördochauf...von 40 Affen 20%.... Von meiner Oma sind auch 100% tot... Bin ich der letzte der den Glauben an die Aussage verliert wenn die Stichprober gar zu klein werden?
Ich sehe das genauso wie "jetzt:hördochauf". In dem Originalartikel ist für jede untersuchte Altersgruppe von 6-12 Tieren die Rede (insgesamt deutlich unter Hundert Tieren). Bei einem so komplexen Zusammenhang wie dem zwischen Ernährung und Lebensalter ist diese Studiengröße ein Witz. Zumal die Studie behauptet keinen Effekt zu finden und es in der Statistik deutlich einfacher ist, fälschlicherweise keinen Effekt zu finden. Zum Vergleich: der Schweinegrippe Impfstoff, der so umstritten war, weil er nicht genug getestet wurde, wurde an tausenden Menschen getestet (Und ja, das waren zu wenige Tests um seltene Nebenwirkungen zuverlässig zu erkennen). Ich finde es sehr erstaunlich, das ein so renommiertes Journal wie Nature so einen Artikel publiziert. Ich kann mir das nur mit der Popularität des Ergebnisses in Industrienationen erklären.
Newspeak 30.08.2012
5.
Zitat von thawnIch sehe das genauso wie "jetzt:hördochauf". In dem Originalartikel ist für jede untersuchte Altersgruppe von 6-12 Tieren die Rede (insgesamt deutlich unter Hundert Tieren). Bei einem so komplexen Zusammenhang wie dem zwischen Ernährung und Lebensalter ist diese Studiengröße ein Witz. Zumal die Studie behauptet keinen Effekt zu finden und es in der Statistik deutlich einfacher ist, fälschlicherweise keinen Effekt zu finden. Zum Vergleich: der Schweinegrippe Impfstoff, der so umstritten war, weil er nicht genug getestet wurde, wurde an tausenden Menschen getestet (Und ja, das waren zu wenige Tests um seltene Nebenwirkungen zuverlässig zu erkennen). Ich finde es sehr erstaunlich, das ein so renommiertes Journal wie Nature so einen Artikel publiziert. Ich kann mir das nur mit der Popularität des Ergebnisses in Industrienationen erklären.
Statistisch mag das zutreffen, aber praktisch sind Rhesusaffen nun mal etwas anderes als Labormäuse. Es ist billig den Wissenschaftlern ihre geringe Studiengröße vorzuwerfen, wenn man bedenkt, wie aufwendig es ist, diese Menge an Tieren über Jahrzehnte zu beobachten. Man kann mit statistischen Methoden auch aus sehr kleinen Datensätzen valide Aussagen extrahieren. Das ist schwierig, aber nicht unmöglich.
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