Statistik: Zahl der HIV-Infizierten erreicht Höchstwert
Die Zahl der HIV-Infizierten ist in Deutschland auf einen Rekordwert gestiegen: Fast 80.000 Menschen leben mit dem Erreger der Immunschwächekrankheit Aids. Etwa 14.000 ahnen nichts davon, viele von ihnen jahrelang.
Berlin - Der Kampf gegen die Ausbreitung von Aids ist in Deutschland derzeit wenig erfolgreich. Im Jahr 2012 werden sich schätzungsweise 3400 Menschen mit dem HI-Virus infiziert haben, teilte das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) am Montag mit. Im Vorjahr seien es 3300 gewesen. Derzeit leben den Angaben zufolge rund 78.000 Menschen mit dem Aids-Erreger, auch das sei etwas mehr als im Vorjahr.
Besonders beunruhigend: 14.000 Infizierte ahnen nicht, dass sie HIV in sich tragen - eine Zahl, die das RKI unter anderem aus der Zahl der Neudiagnosen berechnet. Zwischen Infektion und Diagnose liegen manchmal viele Jahre, in denen die Betroffenen das Virus an weitere Menschen übertragen können.
Dass immer mehr Menschen in Deutschland HIV-positiv sind, liegt nach Angaben der Wissenschaftler auch an den immer wirksameren Therapien: Sie sorgen dafür, dass die Zahl der Todesfälle durchschnittlich niedriger ist als die der Neuinfektionen. 2012 starben in Deutschland etwa 550 Menschen an Aids. "Diese Zahlen unterstreichen, dass die Anstrengungen zur Vermeidung von Infektionen weiterhin hohe Priorität und ausreichende Finanzierung erfordern", sagte RKI-Präsident Reinhard Burger.
14.000 Infizierte lassen sich bewusst nicht behandeln
Etwa 50.000 Menschen bekommen in Deutschland eine HIV-Therapie. Damit bleiben neben den 14.000, die nichts von ihrer Infektion wissen, weitere rund 14.000, die sich nicht behandeln lassen. Dafür gibt es laut RKI zwei Gründe: Einige seien noch nicht therapiebedürftig, sagt Osamah Hamouda vom RKI. Erst ab einem bestimmten Schweregrad der Infektion sei eine Behandlung wirkungsvoll. Andere wollten sich aus persönlichen Gründen nicht behandeln lassen, oft wegen der teils schweren Nebenwirkungen.
Rund zwei Drittel (51.000) der mit HIV lebenden Menschen in Deutschland sind Männer, die Sex mit anderen Männern haben. Sie stellen somit weiterhin die größte betroffene Gruppe in Deutschland dar.
Die RKI-Experten verwiesen zugleich auf die Unsicherheit solcher Erhebungen. So hatte die zum Welt-Aids-Tag 2011 veröffentlichte Schätzung für 2010 und 2011 einen Rückgang der Zahl der jährlichen Neuinfektionen ergeben. Er war nach der aktuellen Berechnung aber deutlich schwächer und sei schon ab der zweiten Jahreshälfte in einen erneuten leichten Anstieg übergegangen.
Die Deutsche Aids-Stiftung weißt darauf hin, dass HIV-positive Menschen vom sozialen und materiellen Abstieg bedroht seien. Eine Therapie könne ihre Lebenszeit um Jahrzehnte verlängern. Die Deutsche Aids-Hilfe fordert, dass Krankenkassen die Kosten für regelmäßige Checks auf alle sexuell übertragbaren Krankheiten übernehmen. Bislang sei das nur dann der Fall, wenn es bereits erste Anzeichen für eine Erkrankung gebe. Solche regelmäßigen Checks seien auch sinnvoll, weil einige dieser Krankheiten auch die HIV-Infektion begünstigen.
mbe/dpa/dapd
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- Montag, 26.11.2012 – 15:44 Uhr
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- rund 59.000 HIV-Infizierte und Aids-Kranke sind Männer
- davon sind etwa 46.500 Männer homo- oder bisexuell
- 10.500 Menschen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert
- im Jahr 2011 gab es etwa 2700 HIV-Neuinfektionen
- die Zahl der Todesfälle wird auf 500 geschätzt
- seit Beginn der Epidemie in den achtziger Jahren gab es etwa 27.000 Todesfälle in Deutschland. Jährlich kommen etwa 500 Todesfälle hinzu.
Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.
Aids wird durch verschiedene Erkrankungen definiert. Sogenannte opportunistische oder Sekundär-Infektionen und Tumoren nutzen die schwache Immunabwehr aus. Meistens stirbt der Patient an einer der Folgeerkrankungen. Doch können schon im Vorfeld virenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Diese verlängern die Lebenserwartung und steigern die Lebensqualität der Betroffenen.
Das Virus kommt in zwei Stämmen vor. HIV-1 ist weltweit verbreitet. Mikrobiologen unterscheiden Subtypen mit den Buchstaben A bis I und O. Der zweite Stamm, HIV-2, ist vorwiegend in Westafrika verbreitet. Ansteckungs- und Krankheitsverlauf sind in beiden Fällen ähnlich.
Bis Ende 2008 erhielten rund vier Millionen HIV-positive Menschen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine antiretrovirale Therapie - im Vergleich zu drei Millionen Patienten im Jahr 2007 und lediglich 400.000 in 2003.
Quellen: Robert-Koch-Institut (RKI), Unaids
Heterosexuelle oder Betroffene mit Migrationshintergrund kommen meistens erst, wenn sich die Symptome des geschwächten Immunsystems nicht mehr verleugnen lassen.
Bei 15 Prozent der neudiagnostizierten HIV-Patienten ist Aids daher bereits ausgebrochen. Inzwischen haben Betroffene - mit einer Differenz von etwa zehn Jahren - die gleiche Lebenserwartung wie gesunde Menschen. Sie sterben inzwischen häufiger an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als an der durch einen Pilz verursachten Lungenentzündung, einst klassische Todesursache der Aids-Erkrankten. Jeder vierte HIV-Positive ist inzwischen älter als 50 Jahre.
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