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Nobelpreisträger Robert Edwards: Meister der Retorte ist tot

Nobelpreisträger: Pionier der künstlichen Befruchtung Fotos
REUTERS

Er war der Pionier der künstlichen Befruchtung: Der britische Forscher und Medizin-Nobelpreisträger Robert Edwards ist tot. Er hatte gemeinsam mit dem britischen Gynäkologen Patrick Steptoe die In-vitro-Fertilisation entwickelt.

Seine Erfindung veränderte die Welt. Mit der künstlichen Befruchtung erfüllte Robert Edwards Millionen Menschen den Wunsch nach Kindern. Nun ist der Pionier der künstlichen Befruchtung gestorben. Nach Angaben der Universität von Cambridge starb der britische Forscher und Medizin-Nobelpreisträger am Mittwoch im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit.

Gemeinsam mit dem britischen Gynäkologen Patrick Steptoe hatte Edwards die In-vitro-Fertilisation entwickelt - dafür erhielt er 2010 den Nobelpreis für Medizin. Die Ehrung ging damit an einen Mann, dessen Forschung weltweit umstritten war. Die Technik der künstlichen Befruchtung gilt unter Kritikern bis heute als verwerfliche Manipulation am Leben. Kritik gab es spätestens, als 1978 das erste Retortenbaby der Welt geboren wurde, die Britin Louise Brown. Viele Skeptiker, vor allem die katholische Kirche, bezeichneten die künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF) als Dammbruch.

Auf die Nobelpreis-Vergabe reagierte der Vatikan damals kritisch. Obwohl die katholische Kirche Edwards' wichtige wissenschaftliche Errungenschaften anerkenne, dürfe man nicht vergessen, dass die künstliche Befruchtung "schwerwiegende moralische Fragen bezüglich des werdenden Lebens und der Würde der menschlichen Fortpflanzung" aufwerfe, sagte Bischof Roberto Colombo, Mitglied des päpstlichen Rates für das Leben.

Aus Edwards' Sicht hatte die Methode freilich vor allem positive Seiten. Nie wurde der britische Forscher müde zu betonen, man habe Millionen von Paaren zum Kinderglück verhelfen können. "IVF ist ein guter Grund, sich zu freuen, die Kritiken sind irreführend", sagte er einmal.

Künstliche Befruchtung
In-vitro-Fertilisation
SPIEGEL TV
Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF), lateinisch für "Befruchtung im Glas", vereinigen sich weibliche Eizellen mit männlichen Spermien im Reagenzglas. Je nachdem, welche Methode angewandt wird, kommt es in 50 bis 70 Prozent der Versuche zur Befruchtung. Zwei bis fünf Tage später werden üblicherweise zwei Embryonen in die Gebärmutter eingepflanzt. Etwa 14 Tage danach verrät ein Schwangerschaftstest, ob die Prozedur erfolgreich war. Unter dem Strich führt die künstliche Befruchtung in 20 bis 40 Prozent der Fälle zu einer Geburt. Mehr auf der Themenseite...
Die Methoden
Die künstliche Befruchtung kann auf unterschiedliche Arten vorgenommen werden:

Klassische In-vitro-Fertilisation (IVF): Zunächst werden durch eine Hormonbehandlung Eizellen im Körper der Frau zum Reifen gebracht und später entnommen. Sie kommen zusammen mit den männlichen Spermien in ein Reagenzglas, wo im Idealfall eine spontane Befruchtung stattfindet.

Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI): Sind die Spermien in ihrer Beweglichkeit gestört oder nur in geringer Zahl in der Samenflüssigkeit enthalten, kommt die ICSI-Methode zum Einsatz: Ein einzelnes Spermium wird unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle injiziert.

Sonderformen der Injektion werden angewandt, wenn es weitere Probleme mit der Spermiengewinnung gibt. Bei einer wird das zu injizierende Spermium zusätzlich anhand seiner äußeren Merkmale ausgesucht. Sind die Samenwege des Mannes verstopft, können Mediziner die Spermien auch direkt aus Hoden oder Nebenhoden gewinnen.
Rechtliche Lage
In Deutschland ist die künstliche Befruchtung rechtlich gestattet, wenn es bei einem Paar ein Jahr lang trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs nicht zu einer Zeugung gekommen ist. Die In-vitro-Fertilisation macht es auch möglich, befruchtete Eizellen zu spenden oder ein Kind durch eine Leihmutter austragen zu lassen. Beides ist in Deutschland jedoch durch das Embryonenschutzgesetz verboten, während die Samenspende erlaubt ist.
Geschichte
1968 gelang es dem englischen Forscher Robert Geoffrey Edwards zum ersten Mal, im Labor eine menschliche Eizelle zu befruchten. Zehn Jahre später, am 25. Juli 1978, wurde Louise Brown im Oldham General Hospital in Manchester geboren. Sie war das erste Kind, das aus einer künstlichen Befruchtung hervorging. Inzwischen ist das Verfahren medizinischer Standard: 2004 kamen weltweit geschätzte 1,5 Millionen Kinder dank künstlicher Befruchtung zur Welt. Eine "monumentale" Veränderung, fand das schwedische Karolinska-Institut, das Edwards 2010 mit dem Medizin-Nobelpreis auszeichnete.
Edwards hätte sich den Preis damals sicherlich mit seinem Kollegen Patrick Steptoe geteilt, doch dieser war bereits 1988 verstorben - und seit 1974 dürfen Nobelpreise nicht mehr posthum vergeben werden.

Das Undenkbare möglich gemacht

Die Methoden der beiden Medizinpioniere waren zunächst höchst fragwürdig. Edwards und Steptoe entnahmen Frauen Eizellen, ohne sie zu fragen. Erst nach mindestens 200 Embryonen gelang es ihnen, einen zum Überleben zu bringen.

1969 publizierten die beiden Forscher ihren Durchbruch im Wissenschaftsmagazin "Nature". Danach sollte es noch fast zehn Jahre dauern, bis man die befruchteten Eier in die Gebärmutter einpflanzen konnte und sie sich dort auch einnisteten. Als am 11. Juni 1978 Louise Brown das Licht der Welt erblickte, war das Aufsehen enorm. Vier Jahre danach kam das erste deutsche Retortenbaby zur Welt, Oliver Wimmelbacher.

Edwards' Arbeit habe "die Leben von Millionen Menschen weltweit" verbessert, erklärte der Chef der von Edwards und Steptoe gegründeten Fruchtbarkeitsklinik Bourn Hall in Cambridge, Mike Macnamee, am Mittwoch. Alle, die mit ihm gearbeitet hätten oder von ihm behandelt wurden, würden Edwards in guter Erinnerung behalten.

nik/dpa/AFP

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1.
atech 10.04.2013
"Viele Skeptiker, vor allem die katholische Kirche, bezeichneten die künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF) als Dammbruch." Dammbruch? Warum? - Die Mehrheit der Menschheit pflanzt sich immer noch nach der selben Methode fort, die Homo sapiens schon immer anwandte... die künstliche Befruchtung hat vielen Paaren geholfen, die ansonsten kinderlos geblieben wären. "Auf die Nobelpreis-Vergabe reagierte der Vatikan damals kritisch. Obwohl die katholische Kirche Edwards' wichtige wissenschaftliche Errungenschaften anerkenne, dürfe man nicht vergessen, dass die künstliche Befruchtung "schwerwiegende moralische Fragen bezüglich des werdenden Lebens und der Würde der menschlichen Fortpflanzung" aufwerfe, sagte Bischof Roberto Colombo, Mitglied des päpstlichen Rates für das Leben." Si tacuisses... die Vertreter der katholischen Kirche sollten sich mit Fragen beschäftigen von denen sie mehr Ahnung haben als auf dem Gebiet der Fortpflanzung. Der Vorgang der künstlichen Befruchtung ist nicht unwürdiger als der des natürlichen GV und hat im übrigen auf die Würde des so gezeugten menschlichen Lebens keinerlei Einfluss. Schwerwiegende moralische Fragen wirft allenfalls die permanente und auch heute noch praktizierte Einmischung der katholischen Kirche in das Privatleben der Menschen und im Wissenschaftsbereich auf. Ich erinnere nur an die chemischen Verhütungsmittel, die die RKK ihrerzeit auch bekämpft und deren Einführung sie am liebsten verboten hätte. So wie die RKK auch heute noch bei dem mitreden möchte, was in den Naturwissenschaften und in der Gesellschaft erlaubt sein soll.
2. Glaubst Du noch
abcabab 11.04.2013
oder denkst Du schon? So viel zum üblichen Quatsch der katholischen Kirche. IVF und ICSI sind kein Massenphänomen, sondern ganz speziellen medizinischen Situationen vorbehalten uns strikt reguliert. Bestimmt ist die IVF eine der wichtigsten und nachhaltigsten Entwicklungen der Gynäkologie.
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Die Auszeichnungen
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Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt. Die Friedenspreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.
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