Rotes Fleisch: Carnitin könnte den Gefäßen schaden

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Corbis

Steak: Darmbakterien wandeln L-Carnitin in schädliches Trimethylamin-N-oxid um

Menschen, die viel rotes Fleisch essen, entwickeln häufiger Herzkreislaufleiden. Laut einer neuen Studie scheint der Fleischbestandteil L-Carnitin Teil des Problems zu sein. Dass die Substanz als Nahrungsergänzungsmittel verkauft wird, halten Forscher angesichts der Ergebnisse für bedenklich.

Maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche - diese Menge empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und rät gleichzeitig zu fettarmen Produkten. Vor allem Wurstwaren und rotes Fleisch gelten als ungesund, wenn sie zu oft und in zu großen Mengen verzehrt werden. Studien legen nahe, dass insbesondere das Risiko für Herzkreislauferkrankungen steigt. Kürzlich ermittelte britische Forscher, dass Vegetarier seltener einen Herzinfarkt erleiden - was allerdings auch an ihrem insgesamt gesünderen Lebensstil liegen könnte.

Doch während Wurstwaren etwa durch hohen Salzgehalt und enthaltene Nitrite und Nitrate eher ungesund sein könnten, rätseln Forscher, warum denn beispielsweise der Verzehr eines Rindersteaks schädlich für die Gefäße sein sollte. Eine Gruppe um Robert Koeth von der Cleveland Clinic in Ohio präsentiert jetzt im Fachmagazin "Nature Medicine" eine Erklärung: L-Carnitin, ein Bestandteil von rotem Fleisch, wird demzufolge von im Darm lebenden Bakterien in eine Substanz umgewandelt, die die Arterienverkalkung fördert - das sogenannte Trimethylamin-N-oxid (TMAO). Verschiedene Experimente, sowohl mit Menschen als auch Mäusen, stützen die Annahme.

Da entsprechende Mikroben insbesondere dann zur Darmflora gehören, wenn jemand regelmäßig Fleisch isst, wird TMAO bei Fleischessern in viel größerem Maß gebildet als bei Vegetariern, berichten die US-Forscher. Sie überprüften das durch Tests mit regelmäßigen Fleischessern, Veganern, Vegetariern sowie Fleischessern, deren Darmflora durch eine Antibiotika-Behandlung reduziert war. Für eine möglichst lebensnahe Versuchsreihe überredeten die Forscher sogar einen langjährigen Veganer, ein Steak zu essen, damit sie anschließend seine Blutwerte ermitteln konnten.

Nahrungsergänzungsmittel sollten auf den Prüfstand

Carnitin stellt der menschliche Körper zwar auch selbst her, ein bedeutender Teil wird jedoch mit der Nahrung aufgenommen. Die Substanz ist auch als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Beworben werden die Kapseln und Pulver meist damit, dass Carnitin angeblich die Fettverbrennung steigert.

Die Forscher um Robert Koeth empfehlen, die Sicherheit dieser Nahrungsergänzungsmittel angesichts des Studienergebnisses zu überprüfen. "Große Mengen eingenommenes L-Carnitin könnten unter bestimmten Bedingungen dazu führen, dass die Darmflora mehr TMAO produzieren kann und somit Arteriosklerose fördern", schreiben die Wissenschaftler.

"Menschen, die ohne medizinischen Grund L-Carnitin einnehmen, sollten das noch einmal überdenken", sagte auch der nicht an der Studie beteiligte Ernährungswissenschaftler Brian Ratcliffe von der Robert Gordon University.

Völlig gelöst ist das Rätsel damit aber noch nicht. So enthält etwa Seefisch relativ viel TMAO. Aber regelmäßig Fisch essen - das gilt eher als gut für die Gefäße denn als schädlich.

wbr

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1. Das kann nicht sein
outsider-realist 08.04.2013
Fleisch ist ein Stück Lebenskraft. Diesen Spruch höre ich seit meiner Kindheit und alle plappern den Blödsinn nach. So sehr hat sich die fleischlobby in die Köpfe der Konsumenten hinein missioniert. Ich bin mit sicher, das sich der Erfolg auch hier in den Kommentaren finden wird. Für mich ist Fleisch seit über 10 Jahren tabu und ich fühle mich glücklich und gesund auch wenn mir regelmäßig gewisse Leute Mangelerscheinungen einreden möchten. Es gibt halt auch missionierende Fleischesser :-)
2. Genau!
Sitiveni 08.04.2013
@outsider-realist: Es ist wirklich ein Unding: erst erfindet diese Fleischlobby diese komischen "Kühe" und "Schweine" (muss wohl im letzten Jahrhundert gewesen sein) und will uns weismachen, dass der Mensch Fleisch braucht. Dabei haben wir alle in der Schule gelernt, dass die Menschen sich in den Jahrmillionen vorher auf allen Vieren grasend durch die Weltgeschichte wiedergekäut haben. Und endlich, ja endlich ist erwiesen, dass Fleisch wirklich ungesund ist. Aber sorry, keine Zeit hier weiter herumzuschwadronieren... mein Steak brennt sonst an ...
3. Spiegel: lauter sich vollkommen widersprechende Artikel
moerre 08.04.2013
Vor ein paar Tagen kam ein Artikel über die Schädlichkeit von zu viel Salz - 23 Monate nach einem Artikel, der über erhöhte Sterblichkeit bei zu wenig Salz berichtete. Hier wird mal wieder vor rotem Fleisch gewarnt - nachdem vor kurzem erst hier über eine Mega-Meta-Studie berichtet wurde mit Millionen von ausgewerteten Datensätzen (= so viel Menschen), in dem KEIN ZUSAMMENHANG zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und Erkrankungen und erhöhter Sterblichkeit gefunden wurde (aber es gab eine - geringe - Korrelation für verarbeitetes Fleisch, Wurst und so). Machen sich hier Spiegel-Redakteure insgeheim über diese ständigen sich widersprechenden Studien lustig? Das wird leiter im Ton all der Artikel nicht deutlich. Ergo, Fazit: SCHLECHTER JOURNALISMUS.
4.
gankuhr 08.04.2013
Zitat von moerreVor ein paar Tagen kam ein Artikel über die Schädlichkeit von zu viel Salz - 23 Monate nach einem Artikel, der über erhöhte Sterblichkeit bei zu wenig Salz berichtete. Hier wird mal wieder vor rotem Fleisch gewarnt - nachdem vor kurzem erst hier über eine Mega-Meta-Studie berichtet wurde mit Millionen von ausgewerteten Datensätzen (= so viel Menschen), in dem KEIN ZUSAMMENHANG zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und Erkrankungen und erhöhter Sterblichkeit gefunden wurde (aber es gab eine - geringe - Korrelation für verarbeitetes Fleisch, Wurst und so). Machen sich hier Spiegel-Redakteure insgeheim über diese ständigen sich widersprechenden Studien lustig? Das wird leiter im Ton all der Artikel nicht deutlich. Ergo, Fazit: SCHLECHTER JOURNALISMUS.
Naja, die Aufgabe der Presse ist es, zu veröffentlichen, nicht zu bewerten. Wenn sich nun viele ernährungswissenschaftliche Studien widersprechen ist das ein Problem der Ernährungswissenschaften, nicht der Presse. Es wäre wohl eher schlechter Journalismus, wenn man sich Redaktionsintern auf ein Seite der Ergebnisse schlagen würde und nur noch diese Veröffentlichen würde. DAS wäre nämlich Meinungsmache. So wie es momentan gehandhabt wird ist es okay - die Presse veröffentlicht, ohne Stellung zu beziehen, und wir als denkende Menschen müssen uns dann eben unser eigenes Bild machen.
5.
boeseHelene 08.04.2013
Zitat von gankuhrNaja, die Aufgabe der Presse ist es, zu veröffentlichen, nicht zu bewerten. Wenn sich nun viele ernährungswissenschaftliche Studien widersprechen ist das ein Problem der Ernährungswissenschaften, nicht der Presse. Es wäre wohl eher schlechter Journalismus, wenn man sich Redaktionsintern auf ein Seite der Ergebnisse schlagen würde und nur noch diese Veröffentlichen würde. DAS wäre nämlich Meinungsmache. So wie es momentan gehandhabt wird ist es okay - die Presse veröffentlicht, ohne Stellung zu beziehen, und wir als denkende Menschen müssen uns dann eben unser eigenes Bild machen.
das ist mit ein Grund warum ich derartige Artikel noch überfliege und weiterhin esse was mir schmeckt. Das es momentan gewisse Interessengruppe gibt die gerne an unserer Ernährung einiges verändern wollen ist kein Geheimnis, angefangen hat es bei den Rauchern und den Übergewichtigen als nächstes ist Fleisch und stark gewürztes dran.
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