Kein Doppelgänger Verschwörungstheorie über Rudolf Heß widerlegt

Es war eine steile These von Verschwörungstheoretikern - im Gefängnis Spandau soll 1987 nicht Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß gestorben sein, sondern sein Doppelgänger. Eine DNA-Analyse zeigt: alles Quatsch.

Rudolf Heß (1946)
DPA

Rudolf Heß (1946)


Forscher haben anhand einer DNA-Probe die These von Verschwörungstheoretikern widerlegt, wonach nicht Rudolf Heß während der Nürnberger Prozesse verurteilt wurde, sondern ein Doppelgänger. Sogar US-Präsident Franklin D. Roosevelt soll an die Theorie geglaubt haben, ein Betrüger sei in die Rolle von Heß geschlüpft.

Heß war im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden und hatte sich 1987 im Berliner Gefängnis Spandau das Leben genommen. Die Verschwörungstheorie über einen vermeintlichen Doppelgänger entspann sich hauptsächlich wegen Heß' rätselhaftem Flug nach Großbritannien während des Zweiten Weltkriegs.

Angebliche Friedensmission

Heß war 1941 mit einem Flugzeug nach Großbritannien geflogen - angeblich, um über einen Friedensschluss zu verhandeln. Mit einem Fallschirm sprang er in der Nähe von Glasgow ab. Der britische Premier Winston Churchill wollte aber nicht einmal eine Dinnerparty unterbrechen, um mit Heß zu sprechen. Stattdessen wurde Adolf Hitlers Stellvertreter in Gewahrsam genommen. Das nationalsozialistische Regime schmähte Heß wegen der Aktion als geistig zerrüttet, Hitler selbst sprach von einem "beispiellosen Vertrauensbruch".

Verschwörungstheoretiker glaubten indes, dass der britische Geheimdienst Heß gegen einen Doppelgänger austauschte, um seine Ermordung zu vertuschen - entweder durch den britischen oder den deutschen Geheimdienst, berichten die Forscher im Fachblatt "Forensic Science International Genetics".

Der spätere CIA-Direktor Allen Dulles schickte sogar einen Psychiater nach Spandau, um die Identität und den psychischen Zustand des Gefangenen zu bestimmen. Auch Analysen der Handschrift, der Stimme und der Gesichtsmerkmale konnten Kritiker nicht überzeugen, dass es sich bei dem Gefangenen um den echten Heß handelte. DNA-Analysen gab es zu der Zeit nicht und wurden auch später nicht vorgenommen.

Heß war zwar in Oberfranken bestattet worden. Im Jahr 2011 wurde der Pachtvertrag für die Grabstätte jedoch nicht verlängert, weil es immer wieder zu Aufmärschen von Rechtsextremen kam. Die sterblichen Überreste von Heß wurden deshalb mit Zustimmung seiner Nachfahren exhumiert und zu Asche verbrannt, die dann auf offener See bestattet wurde. Damit schien auch die letzte Möglichkeit dahin, seine Identität mit einem Gentest eindeutig zu bestimmen.

Blutprobe aus dem Jahr 1982

Doch einer der Studienautoren hatte dem Inhaftierten in Spandau im Jahr 1982 Blut abgenommen, aus dem die Forscher nun mit der Erlaubnis von Heß' Nachkommen DNA-Proben generierten und mit einem männlichen Verwandten verglichen, der anonym bleiben möchte.

Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden nicht verwandt sind, lag bei 0,005 Prozent, schreiben die Forscher um Jan Cemper-Kiesslich von der Universität Salzburg. "Daher ist die Verschwörungstheorie, die behauptete, dass der Gefangene Spandau #7 ein Betrüger war, äußerst unwahrscheinlich und daher widerlegt."

koe



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