Von Nina Weber
Zoonose - das Wort zählt sicher nicht zu den bekanntesten Fachbegriffen. Dabei sind diese Krankheiten, ausgelöst von Erregern, die Menschen sowie eine oder mehrere Tierarten gleichermaßen infizieren können, extrem weit verbreitet. Einem aktuellen Bericht zufolge sind die 56 häufigsten Zoonosen pro Jahr für 2,5 Milliarden Krankheitsfälle bei Menschen verantwortlich. 2,7 Millionen sterben an den Folgen dieser Infektionen. Am stärksten betroffen sind Viehzüchter in Afrika und Asien.
Das International Livestock Research Institute (ILRI) hat zusammen mit dem Institut of Zoology (Großbritannien) und der Hanoi School of Public Health (Vietnam) den Bericht über die weltweite Verbreitung von Zoonosen erstellt. Eines der Ziele war dabei, die Länder zu finden, in denen ein gezielter Kampf gegen die Krankheiten am sinnvollsten ist.
60 Prozent aller Krankheiten, die Menschen treffen, fanden sich ursprünglich bei Tieren, erklärt das ILRI. Die Erreger werden meist von Nutztieren wie Schweinen oder Hühnern übertragen, ein Teil jedoch auch von Wildtieren. In wenigen Fällen verrät der Name die Zoonose beziehungsweise den Erreger: bei der Schweinegrippe etwa oder beim Fuchsbandwurm.
Ein Teil wird in erster Linie durch verseuchte Lebensmittel weitergetragen wie Salmonellen, an denen auch in Deutschland zahlreiche Menschen erkranken. Im Jahr 2011 waren es nach Angaben des Robert Koch-Institus 24.500. Andere werden direkt vom erkrankten Tier auf den Menschen übertragen, in Deutschland ist dies etwa beim Hantavirus der Fall. Diese Form der Übertragung passiert aber vor allem dort, wo Viehzüchter und ihre Tiere eng zusammenleben, also in den Entwicklungs- und Schwellenländern Afrikas und Asiens.
| Die 13 Zoonosen, die weltweit das größte Problem darstellen |
| Von Tieren übertragene Magen-Darm-Keime (u.a. Salmonellen, Listerien, Campylobacter) |
| Leptospirose |
| Schweinebandwurm-Befall (Zystizerkose) |
| Von Tieren übertragene Tuberkulose |
| Tollwut |
| Leishmaniose |
| Brucellose |
| Fuchs/Hundbandewurmbefall (Echinokokkose) |
| Toxoplasmose |
| Q-Fieber |
| Schlafkrankheit |
| Hepatitis E |
| Milzbrand |
| Quelle: Mapping of poverty and likely zoonoses hotspots |
Drei Länder besonders stark betroffen
Die Forscher befürchten, dass Zoonosen in Zukunft noch öfter auftreten werden. "Die steigende Nachfrage nach tierischen Produkten wird wahrscheinlich die Verbreitung einer Reihe von Mensch-Tier-Infektionen begünstigen", sagt Delia Grace vom ILRI.
Die Forscher des Instituts schlagen vor, diesem Trend besonders in drei Ländern entgegenzuwirken: Indien, Nigeria und Äthiopien. In diesen Staaten lebten überdurchschnittlich viele arme Viehzüchter, dort seien auch am meisten Menschen unterernährt und die Staaten seien unter den fünf am stärksten von Zoonosen betroffenen Ländern. In diesen Staaten könne man auf jeden Fall etwas bewirken, sagt Grace. Für die Bauern stelle die stärkere Nachfrage nach Fleisch, Milch und anderen tierischen Produkte ja durchaus eine Chance dar, ihren Lebensstandard zu verbessern. Nur könnten Zoonosen dies zerstören, indem sie den Tieren schaden oder im schlimmsten Fall auch die Menschen erkranken lassen.
Die sogenannten endemischen Zoonosen, die ständig einen Viehbestand plagen, wie die Brucellose, stellen laut dem Bericht das größte Problem dar. Sie seien für über 99 Prozent der Krankheitsfälle bei Menschen verantwortlich und würden auch den Ertrag der Viehzüchter am stärksten schmälern.
Neben diesen Krankheiten nennen die Forscher noch epidemische Zoonosen. Diese brechen kurzzeitig aus, verbreiten sich schnell und verschwinden dann wieder. Beispiele dafür seien Milzbrand und Tollwut.
Als drittes nennen die Wissenschaftler die aufkommenden Zoonosen: Krankheiten, die neu aufgetaucht sind oder sich auf einmal in Gegenden verbreiten, in denen sie vorher nicht bekannt waren. Diese treffen vor allem Westeuropa ebenso wie den Osten der USA. In diesen Regionen wurden die meisten aufkommenden Zoonosen registriert. Insgesamt gebe es jedoch nur wenige Fälle, beruhigen die Forscher: etwa 300 Ereignisse in den vergangenen 70 Jahren. Auch seien sie meist nicht folgenschwer gewesen. Dennoch müsste man auch diese Ereignisse gut im Auge behalten. Der Bericht nennt HIV als einen Erreger, der einmal als aufkommende Zoonose von Tieren auf den Menschen übergesprungen ist - und nun weltweit verbreitet ist. Auch die Pest, die im 14. Jahrhundert in Europa wütete, war eine Zoonose.
Ob Europa tatsächlich ein Zentrum neu auftretender Krankheiten darstellt, ist allerdings etwas fraglich: Die Daten, die die Forscher hier nutzen, stammen aus publizierten Fachaufsätzen - es könnte also schlicht eine Verzerrung geben, weil einige ungewöhnliche Krankheitsfälle in Deutschland oder den USA schneller registriert und auch besser erforscht werden als ähnliche Ereignisse in Bangladesch, Niger oder Indonesien.
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