Schutz vor AKW-Unfall Niederlande bestellen Millionen Jodtabletten

Deutschlands Nachbarländer bereiten sich auf einen möglichen Reaktorunfall vor: Nach Belgien wollen auch die Niederlande Jodtabletten an die Bevölkerung ausgeben. Ob diese im Ernstfall helfen, ist umstritten.

Atomkraftwerk Borssele (Archiv)
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Atomkraftwerk Borssele (Archiv)


Die niederländische Regierung hat 15 Millionen Jodtabletten geordert, die bei einem Atomunfall gegen Strahlung schützen sollen. Nach Auskunft des Gesundheitsministeriums sollen alle Kinder und Jugendlichen im Land Tabletten bekommen. Zudem würden alle schwangeren Frauen versorgt, die im Umkreis von hundert Kilometern um Atomanlagen leben.

Die Jodtabletten sollen die Schilddrüse vor radioaktiver Strahlung schützen. Doch ihre Wirkung im Ernstfall ist umstritten. So erklärte die Umweltorganisation Greenpeace: "Jodtabletten schützen etwa so gut vor einem Reaktorunfall wie ein Cocktailschirmchen vor einem Wolkenbruch."

Bisher hatten in den Niederlanden alle Menschen bis zum Alter von 40 Jahren ein Recht auf kostenlose Versorgung, wenn sie weniger als 20 Kilometer von einem Atomkraftwerk entfernt wohnten. Nun wird die Versorgung ausgeweitet.

Das einzige Atomkraftwerk der Niederlande steht in Borssele im Westen des Landes. Auch das deutsche Kraftwerk Emsland und die beiden belgischen Atommeiler Tihange und Doel sind nicht weit von der Grenze entfernt. Am Donnerstag hatte bereits Belgien angekündigt, seine rund elf Millionen Einwohner kostenlos mit Jodtabletten zu versorgen.

asa/AFP



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