Therapeutisches Impfen Geladene Nanopartikel richten Immunsystem gegen Hautkrebs

Wie bringt man das Immunsystem dazu, eigenständig Krebszellen abzutöten? Deutschen Forschern ist dies mit geladenen Nanopartikeln gelungen. In einer kleinen Studie reagierte das Immunsystem der Patienten wie erhofft.

Analyse von schwarzem Hautkrebs
Bernd Wüstneck/dpa

Analyse von schwarzem Hautkrebs


Mainzer Forscher wollen verschiedene Krebsarten mit einer Immuntherapie bekämpfen. Dabei wird das körpereigene Immunsystem stimuliert, sich gegen die Tumore zu wehren. Im aktuellen Fall schleusten die Forscher dazu leicht negativ geladene Nanopartikel in den Körper dreier Hautkrebspatienten, wie sie im Fachmagazin "Nature" berichten. Die Partikel vermittelten den Immunzellen, welche Krebszellen sie attackieren sollten.

"Überraschenderweise bekamen wir bei sehr geringer Dosis sehr starke Immunantworten", erklärt Krebsforscher Ugur Sahin von der Universität Mainz. Außer an den drei Patienten mit schwarzem Hautkrebs wurde das Verfahren an Mäusen getestet. Die Immuntherapie gegen Tumore gilt grundsätzlich als vielversprechender Ansatz der Krebsbehandlung.

Training fürs Immunsystem

Bei der aktuellen Methode stecken die Forscher die Bauanleitung für ein Tumor-Antigen in eine schützende Membranschicht, die außen negativ geladen ist. Durch die leicht negative Aufladung würden die Partikel zu bestimmten Immunzellen im Lymphsystem geleitet, etwa in die Milz, sagt Hans-Reimer Rodewald vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der nicht an der Studie beteiligt war. "Das ist sehr bemerkenswert."

Anschließend nahmen die Immunzellen, sogenannte dendritische Zellen, die Informationen aus den Nanopartikeln auf, und nutzen sie zum Aufbau von Tumor-Antigenen. Mit diesen richteten sie weitere Immunzellen gegen den Krebs.

"Dendritische Zellen sind die Instrukteure des Immunsystems. Sie präsentieren die von uns eingebrachten Antigene wie ein Fahndungsfoto. Die anderen Immunzellen kommen vorbei und schauen sich das an", sagt Sahin. So lernen sie, welche Zellen sie bekämpfen sollen.

Größere Studien notwendig

Jolanda de Vries und Carl Figdor vom Radboud University Medical Center in Nijmegen in den Niederlanden schreiben in einem Kommentar, die Immunantwort der drei Patienten sei beeindruckend. Es müsse allerdings eine größere Studie durchgeführt werden. Der Ansatz habe aber das Potenzial, das therapeutische Impfen bei Krebserkrankungen stark voranzubringen.

Laut Sahin läuft die Studie weiter. Bislang seien alle Patienten klinisch stabil, das heißt, die Tumoren wachsen nicht mehr weiter. "In einem Jahr werden wir wissen, wie wirksam die Behandlung ist", sagte er. "Ich bin Arzt und motiviert, Patienten neue Behandlungsmöglichkeiten zu bieten."

Erst kürzlich hatten britische Forscher von einer Immuntherapie gegen Krebs berichtet, bei der sie T-Zellen aus dem Blut entnehmen und im Labor gentechnisch so verändern, dass sie Blutkrebszellen erkennen und direkt angreifen. Auch dieser Ansatz steckt noch im Versuchsstadium.

jme/dpa



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