Schweinegrippe: Länder vernichten Millionen Dosen H1N1-Impfstoff

Nachwehen der Schweinegrippe-Pandemie: Aus Angst vor den Infektionen kauften die Bundesländer Millionen Dosen H1N1-Impfstoff. Doch die große Nachfrage blieb aus. Nun wandern ganze Lastwagenladungen in den Verbrennungsofen.

H1N1-Impfstoff Pandemrix: Großeinkauf der Länder landet auf dem Müll Zur Großansicht
dapd

H1N1-Impfstoff Pandemrix: Großeinkauf der Länder landet auf dem Müll

Es war ein Riesentheater - um Nutzen und Risiken, um Kosten und um die Verteilung in den Ländern. Jetzt soll ein großer Teil des vor zwei Jahren von den Bundesländern gekauften Impfstoffs gegen die Schweinegrippe verbrannt werden.

196 Paletten mit 16 Millionen Impfdosen würden mangels Nachfrage im Magdeburger Müllheizkraftwerk Rothensee vernichtet, teilte das Sozialministerium von Sachsen-Anhalt am Freitag mit. Für den Transport sind sechs bis acht Lastwagen notwendig. Bereits im September hatten Behörden Millionen Packungen des H1N1-Impfstoffs entsorgt.

Der Grund für die Verbrennungsaktion: Das Haltbarkeitsdatum der Impfstoffe ist abgelaufen. Zudem schützen heute auch normale Grippeimpfungen vor dem H1N1-Virus. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Niedersachsen, das vergangenes Jahr den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz hatte, waren von den Ländern 34 Millionen Impfstoff-Dosen erworben worden.

Doch davon seien fast 29 Millionen Dosen übrig geblieben. Die Länder blieben auf Kosten von 239 Millionen Euro sitzen, weil die Krankenkassen nur für Dosen zahlten, die auch genutzt wurden. Bereits an Ärzte oder auch Gesundheitszentren ausgelieferte Impfstoffe wurden zum großen Teil dezentral vernichtet.

Vernichtung billiger als Anschaffung

Bei den 196 Paletten, die nun in Magdeburg verbrannt werden, handelt es sich um den Impfstoff, der zentral im Auftrag der Länder gelagert worden war. Das Müllheizkraftwerk in Magdeburg wurde ausgewählt, weil es das günstigste Angebot unterbreitete. Nach den Zahlen des Ministeriums ist die Vernichtung im Vergleich zur Anschaffung spottbillig: Rund 14.000 Euro wird die fachmännische Entsorgung bei hohen Temperaturen kosten.

Ein Verkauf der Impfstoffe ins Ausland war nicht möglich, weil weltweit kein Interesse bestand. Die Länder hatten auch vergeblich versucht, dass der Bund einen Teil der Kosten übernimmt. Dabei hatten sie auch darauf verwiesen, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Länder damals aufgefordert habe, für mindestens die Hälfte der Bevölkerung Impfstoffe zu beschaffen.

Die teuren Einkäufe hatten in Deutschland zu kontroversen Debatten geführt. Die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) Deutschland forderte im Oktober, den Schweinegrippe-Fehlalarm aufzuklären. Die Risiken seien völlig falsch eingeschätzt worden, und bis heute sei kein Gremium eingesetzt worden, um daraus Lehren zu ziehen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte 2009 wegen der Schweinegrippe die höchste Pandemiestufe ausgerufen und damit einen Anschub für die weltweite Impfaktion gegeben. Für die Pharmaindustrie wurde dies zu einem Milliardengeschäft. Allerdings erwies sich das H1N1-Virus dann im Vergleich zu üblichen saisonalen Grippeerkrankungen als relativ harmlos.

cib/dpa

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Ja und ?
eckawol 25.11.2011
Zitat von sysopNachwehen der Schweinegrippe-Pandemie: Aus Angst vor den Infektionen kauften die Bundeslänger Millionen Dosen H1N1-Impfstoff. Doch die große Nachfrage blieb aus. Nun wandern ganze Lastwagenladungen in den Verbrennungsofen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,799993,00.html
Lieber so verfahren als Schweinegrippe zu haben.
2. Verbrennungsofen
Pepito_Sbazzagutti 25.11.2011
Zitat von sysopNachwehen der Schweinegrippe-Pandemie: Aus Angst vor den Infektionen kauften die Bundeslänger Millionen Dosen H1N1-Impfstoff. Doch die große Nachfrage blieb aus. Nun wandern ganze Lastwagenladungen in den Verbrennungsofen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,799993,00.html
Wie lange muss ich überlegen, um zu wissen, wer im Endeffekt die Befeuerung des Verbrennungsofens bezahlen darf?
3. --
king_pakal 25.11.2011
Zitat von sysopNachwehen der Schweinegrippe-Pandemie: Aus Angst vor den Infektionen kauften die Bundeslänger Millionen Dosen H1N1-Impfstoff. Doch die große Nachfrage blieb aus. Nun wandern ganze Lastwagenladungen in den Verbrennungsofen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,799993,00.html
Da hat die Pharma-Industrie einen ausgebuften Plan durchgezogen und ordentlich an den Imfungen verdient, dabei sind die Länder (und somit die Bürger) die leidtragenden in finanzieller Hinsicht.
4. Dr.
braintainment 25.11.2011
"Vernichtung billiger als Anschaffung" Ahhh, jetzt bin ich beruhigt...
5. Pandemie
AlbertGeorg 25.11.2011
Wetten: Die nächste Pandemie ist schon geplant! Und alle, alle werden sie wieder in Hysterie verfallen.
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Acht Fragen zur Schweinegrippe
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Wie kann man sich schützen?
Ausschließen kann man eine Infektion nie. Dennoch können bestimmte Maßnahmen die Verbreitung des H1N1-Virus (und auch vieler anderer Viren) effektiv senken. Im September 2009 veröffentlichten Forscher im Fachblatt "British Medical Journal" eine statistische Auswertung von insgesamt 58 Studien über präventive Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung. Das Ergebnis: Vor allem häufiges Händewaschen und die Isolation infizierter Patienten verhindert die rasche Ausbreitung des Virus. Unter wir-gegen-viren.de gibt das Robert Koch-Institut neun Tipps, um die Ansteckungsgefahr zu senken. Zu den wichtigsten Vorkehrungen gehören regelmäßiges Händewaschen, richtiges Husten und Schnäuzen, bei Verdacht auf Schweinegrippe zu Hause bleiben und Abstand von anderen Personen halten sowie regelmäßiges Lüften. Zudem rät die US-Gesundheitsbehörde CDC, den Haushalt möglichst sauber zu halten und beispielsweise Oberflächen von Möbeln regelmäßig zu reinigen und Kleidung regelmäßig zu waschen.
Wie verbreitet sich das H1N1-Virus?
Der wahrscheinlichste Ansteckungsweg des H1N1-Virus ist die sogenannte Tröpfcheninfektion. Es nistet sich in den Atemwegen ein, weshalb Tröpfchen aus dem Nasen- und Rachenraum gefährlich sind. Man kann sich bereits im Gespräch mit einer Person anstecken. Die ganz normale Atemluft der infizierten Person enthält Tröpfchen, die deren Gegenüber einatmen könnte. Gleiches gilt, wenn Menschen niesen oder husten. Mikroskopisch kleine Mengen reichen schon aus. Deshalb empfehlen viele Fachleute auch, Menschenansammlungen zu meiden. Das Virus überlebt aber auch einige Zeit außerhalb des Körpers. Man kann sich also anstecken, indem man Infizierten die Hand schüttelt oder Gegenstände anfasst, die Infizierte berührt haben. Wischt man sich danach durchs eigene Gesicht, hat es der Erreger in seinen neuen Wirt geschafft. Dieser Übertragungsweg heißt Schmierinfektion. Experten gehen davon aus, dass das H1N1-Virus bei einer Temperatur von 20 Grad Celsius für etwa zwei bis acht Stunden unversehrt bleibt. In einer feuchten Umgebung verlängert sich die Zeit auf bis zu vier Tage. Und in der Kälte, vor allem bei Minusgraden, ist das Virus fast unsterblich. Dagegen kann der H1N1-Erreger mit Hitze nur schwer umgehen. Bei 60 Grad und mehr stirbt er nach etwa 30 Minuten.
Welche Symptome treten auf?
Die Inkubationszeit des Virus beträgt in der Regel drei bis vier Tage. Meistens setzt das Krankheitsgefühl ganz plötzlich ein. Zu den häufigsten Symptomen zählen Fieber und Husten. Die Glieder und Muskeln können schmerzen, Atembeschwerden und Ausfluss aus Nase oder Augen können dazukommen. Anders als bei der saisonalen Influenza leidet bei der Schweinegrippe etwa jeder Vierte an Erbrechen oder Durchfall. Es gibt aber auch Menschen, an denen die Infektion spurlos vorbeiging.
Was tun bei Verdacht auf Schweinegrippe?
Bei Menschen, die sonst gesund sind, lautet der einfachste Rat: ins Bett legen und das eigene Immunsystem die Arbeit verrichten lassen. Schwangere oder chronisch Kranke - Diabetiker, Patienten mit Asthma oder Herz-Kreislauf-Beschwerden beispielsweise - sowie ältere Patienten und Kinder sollten dagegen einen Arzt aufsuchen. Ist das Immunsystem zum Beispiel durch eine bereits vorhandene chronische Erkrankung geschwächt, kann es leichter zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion, wie etwa einer Lungenentzündung, kommen.
Helfen Medikamente nach einer Ansteckung?
Es gibt manche antivirale Medikamente wie Tamiflu, die Grippesymptome lindern können. Allerdings sind sie verschreibungspflichtig, und für die meisten Patienten gilt: Sie überstehen die Schweinegrippe genauso gut oder schlecht wie ohne Medikamente. Vor allem bei Kindern gilt größte Vorsicht mit Medikamenten. Sie sollten auf keinen Fall ohne ärztlichen Rat behandelt werden. Treten zusätzliche bakterielle Infektionen auf, sollte der Patient unter Umständen Antibiotika nehmen. Experten weisen zudem darauf hin, dass es nicht sinnvoll ist, vorsorglich antivirale Medikamente einzunehmen. Der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, Heiko Schneidler, sagt, dass es dadurch zu Resistenzen der Viren kommen könnte.
Ist ein Mundschutz sinnvoll?
Das Robert Koch-Institut sagt zu Hygienemasken: "Über ihre Wirksamkeit während einer Pandemie liegen keine ausreichenden Daten vor. Sie sind deshalb nur ergänzend zu erwägen." Da die Masken nicht dicht abschließen, geraten Grippeviren trotzdem in die Atemluft. Und wer mit ungewaschenen Händen die Maske anlegt, bindet sich die Viren direkt unter die Nase. Zudem müssen die Masken alle paar Stunden gewechselt werden. Sinnvoll ist eine Hygienemaske, wenn überhaupt, nur für Erkrankte. Damit kann die Anzahl der Erreger, die dieser in die Luft ausatmet verringert werden. Staubmasken aus dem Baumarkt sind übrigens wirkungslos.
Wie weist man das Virus nach?
Ein zuverlässiger Test kostet in etwa 130 Euro. Bis das Ergebnis vorliegt, vergeht in etwa ein Tag. Nachdem sich die Grippe immer weiter ausbreitet, wird nur noch stichprobenartig auf den H1N1-Erreger untersucht. Man kann in der Apotheke auch Schnelltests kaufen, allerdings sind sie nicht sehr zuverlässig. Im Labor wird das H1N1-Virus mit Hilfe der sogenannten PCR-Technik nachgewiesen. Der Test ist positiv, wenn es gelingt, spezifische Teile des Virus-Erbguts im Reagenzglas zu vervielfältigen.
Kann sich der H1N1-Erreger verändern?
Das H1N1-Virus gehört zur Gattung der Influenza-A-Viren. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat. Die gewöhnliche Grippe (saisonale Influenza) tötet Schätzungen zufolge weltweit jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken. Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Sie findet statt, wenn sich in den Zellen eines Organismus die Erbgutinformation mehrerer Grippeviren-Typen neu kombiniert.

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Schweinegrippe: Streit um die Zweiklassen-Impfung