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Schweinegrippe-Pandemie: Wie die WHO das Vertrauen der Verbraucher verseucht

Von Cinthia Briseño

Hat die Pharmaindustrie die Schweinegrippepanik mit Zahlungen an Wissenschaftler geschürt? Drei Seuchenexperten der Weltgesundheitsorganisation haben Geld von Konzernen erhalten. Jetzt verteidigt sich die WHO in einem offenen Brief - für Transparenz sorgt sie damit aber nicht.

WHO-Chefin Chan (mitte): "Nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst worden" Zur Großansicht
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WHO-Chefin Chan (mitte): "Nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst worden"

Diese Reaktion war zu erwarten. Gerichtet war sie an die Redakteure der Fachzeitschrift "British Medical Journal" ("BMJ"). Ein offener Brief, unterzeichnet von Margaret Chan, der Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein Brief, der alle Vorwürfe zerstreuen soll. Vorwürfe, die vor wenigen Tagen publik wurden und erneut den Umgang der WHO mit der Schweinegrippe kritisieren. Chan aber kontert: "Zu keiner Zeit, nicht für eine Sekunde, sind meine Entscheidungen von kommerziellen Interessen beeinflusst worden."

Am Freitag hatte das britische Medizinmagazin zusammen mit der englischen Journalisteninitiative Bureau of Investigative Journalism (BIJ) einen Bericht mit brisantem Inhalt veröffentlicht. Das Papier dreht sich im Wesentlichen um eine Entscheidung, die am 11. Juni 2009 fiel und die weltweit weitreichende Folgen mit sich brachte. Es geht um den Tag, an dem die WHO die Schweinegrippe zur Pandemie, einer Seuche der WHO-Stufe 6, erklärte.

In dem Bericht heißt es, einige der Autoren, die an den Richtlinien der WHO zum Umgang mit Grippepandemien mitgewirkt haben, hätten zur gleichen Zeit Geld von den Pharmafirmen GlaxoSmithKline Chart zeigen (GSK) und Roche erhalten. GSK ist Hersteller des Impfstoffs Pandemrix, der gegen die Schweinegrippe zum Einsatz kam. 2007 hatte sich Deutschland dem britischen Konzern gegenüber vertraglich verpflichtet, den GSK-Pandemie-Impfstoff zu kaufen, sobald Phase 6 ausgerufen wird. Roche vertreibt das Grippemedikament Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir).

Vorwürfe dieser Art sind nicht neu. "Für die Regierungen, die WHO und die Pharmaindustrie ist es natürlich ideal, eine harmlose Erkrankung als Weltbedrohung aufzubauen, gemeinsam davon zu profitieren und am Ende sich gegenseitig zu beglückwünschen, wie gut doch durch die enge Zusammenarbeit die Bedrohung abgewendet wurde", hieß es im September 2009 in der Zeitschrift "Der Arzneimittelbrief".

Zahlreiche Geldflüsse

Auch der SPIEGEL berichtete im März diesen Jahres über mögliche Interessenskonflikte: So erhält Roy Anderson, einer der wichtigsten wissenschaftlichen Berater der britischen Regierung von GSK ein Jahresgehalt von mehr als 130.000 Euro - bereits am 1. Mai 2009 erklärte Großbritannien die Schweinegrippe zur Pandemie. Zufall?

Die Pharmaindustrie finanziert sogar einen eigenen Wissenschaftlerverband, die European Scientific Working Group on Influenza, an deren Spitze Albert Osterhaus vom Erasmus Medical Center in Rotterdam steht. Osterhaus ist einer der einflussreichsten WHO-Berater in Sachen Grippeimpfung.

Seit klar wurde, dass die Schweinegrippe doch weitaus harmloser verlaufen würde, als es die düsteren Prognosen der WHO vorhergesagt hatten, haben WHO-Mitglieder immer wieder beteuern müssen, dass die Pharmaindustrie ihre Entscheidungen nicht beeinflusst habe. Das "BMJ" aber brachte neue Verbindungen ans Tageslicht. Wie etwa die des Mediziners Fred Hayden von der University of Virginia, der 2004 von Roche Honorare für Vorträge und Beratertätigkeiten erhalten habe.

Diese Zahlungen hat Hayden dem "BMJ" gegenüber bestätigt. Pikant: Der Forscher hielt seine Vorträge zu einer Zeit, als die WHO gerade ihre Richtlinien über den Einsatz von Impfstoffen und Medikamenten während einer Grippepandemie veröffentlichte. Eines der Kapitel hatte Hayden verfasst. Darin wird empfohlen, die Länder sollen sich Vorräte an Medikamenten anlegen.

Derartige Interessenskonflikte bestünden bei mindestens drei der Richtlinienautoren, schreibt das "BMJ". In allen drei Fällen konnten die Redakteure nachweisen, dass die Wissenschaftler gleichzeitig zu ihrer WHO-Tätigkeit auf den Gehaltslisten von GSK und Roche standen.

Die Autoren des "BMJ"-Berichts störten sich allerdings nicht so sehr an den Interessenkonflikten an sich. Vielmehr kritisieren sie die mangelnde Transparenz der WHO in Fällen, in denen Influenza-Experten neben ihrer Beratertätigkeit auch Verbindungen zur - von der Grippe profitierenden - Pharmaindustrie unterhalten.

Undurchsichtige Kriterien

Aber hat die WHO von den Interessenskonflikten überhaupt gewusst? Auch das sei nicht klar, heißt es im "BMJ"-Artikel. Ebenso wenig sei offen dargelegt, nach welchen Kriterien die WHO die Experten als Berater zulässt.

Derzeit lässt die beschuldigte Behörde den Umgang mit der Schweinegrippe von unabhängigen Experten überprüfen. "Wir wollen wissen, was gut lief. Wir wollen wissen, was schief lief, und idealerweise warum", sagte Margret Chan im April 2010 in Genf. Der Bericht des 29-köpfigen Expertengremiums wird im kommenden Jahr erwartet. Doch Kritiker bemängeln, dass viele der Mitglieder des Aufsichtsgremiums zugelassene WHO-Berater oder Regierungsmitglieder seien. Die Befürchtung: Das Komitee könnte seine Erkenntnisse weißwaschen.

Die WHO müsse striktere Regeln erstellen, wie man mit Verflechtungen zur Industrie umzugehen habe, räumt Chan in ihrem offenen Brief ein. "Wir tun das bereits." Und doch hinterlässt die Generaldirektorin Zweifel daran. Indem sie etwa weiterhin die 15 Mitglieder des Notfallkomitees geheim hält, das der WHO bei der Einstufung der Pandemie als Berater zur Seite stand. Die Namen dieses Gremiums würden öffentlich gemacht, wenn das Komitee seine Arbeit abgeschlossen habe, schreibt Chan. Das sei von Anfang an so geplant gewesen.

Weiter schreibt die WHO-Chefin, man habe die Namen geheim gehalten, "um die Experten vor kommerziellen und anderen Einflüssen zu schützen." Damit seien die Mitglieder einverstanden gewesen. Zudem habe man die Aufzeichnungen aller Meetings aufgehoben und zusammen mit allen anderen relevanten Dokumenten dem Kontrollgremium zur Verfügung gestellt.

Geheimsache Pandemie

Die "Neue Zürcher Zeitung" schreibt in ihrer Ausgabe vom Mittwoch unter Berufung auf den WHO-Pressesprecher für H1N1, Gregory Hartl, das Notfallgremium werde das nächste Mal im Juli tagen. Möglicherweise wird es dann darüber zu entscheiden haben, ob die Pandemie nun offiziell vorbei ist oder nicht. Bis dahin jedenfalls bleiben die Namen der Mitglieder Geheimsache. Erst in der Mai-Ausgabe des Fachblatts "New England Journal of Medicine" schrieben die WHO-Autoren der Pandemie-Richtlinien in einem Bericht über die Seuche, das Virus sollte noch immer genau betrachtet werden.

In einem Punkt mag Margret Chan Recht haben: Wenn sie sagt, der "BMJ"-Bericht werde bei vielen Lesern den Eindruck erwecken, die Pandemie-Entscheidung sei industriell beeinflusst gewesen. Aber sie bleibt bei ihrem Standpunkt, die Entscheidung, die WHO-Seuchenstufe zu erhöhen, basiere ausschließlich auf klaren virologischen und epidemiologischen Gesichtspunkten.

Virologen und andere Mediziner teilen diese Meinung. Susanne Stöcker, die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) etwa, glaubt nicht an die Abhängigkeit der WHO-Berater: "Ich bin überzeugt, dass die Pharmaindustrie an Impfungen weniger verdient als an nicht geimpften Menschen, die erkranken", wurde sie kürzlich in "Bild der Wissenschaft" zitiert.

Es ist jetzt an dem unabhängigen Untersuchungskomitee, den Pandemiefall Schweinegrippe gründlich aufzuarbeiten und die richtigen Lehren und Konsequenzen daraus zu ziehen. Transparenz sollte dabei an oberster Stelle stehen. Margret Chan ist immerhin fest entschlossen, die WHO-Richtlinien zu Pandemien zu ändern, wenn das Gremium zu dem entsprechenden Schluss kommt. "Das wäre eine weitere Empfehlung, die wir begrüßen und nach der wir handeln würden."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 366 Beiträge
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1. Diese Verar....war Hollywood reif!
Viva24 09.06.2010
Jede der sich damit beschäft hat und manchmal noch Triller liest, weiß das hier viel Fiktion im Speil war. Es ist zu befürchten andere Branchen fangen auch damit an. Der Start wurde aber von der Politik gemacht, die sind mittlerweile öffnetlich käuflich und schämen sich nicht mal dabei!
2. Panik
Quagmyre 09.06.2010
Zitat von sysopHat die Pharmaindustrie die Schweinegrippe-Panik mit Zahlungen an Wissenschaftler geschürt? Drei Seuchen-Experten der Weltgesundheitsorganisation haben Geld von Konzernen erhalten. Jetzt verteidigt sich die WHO in einem offenen Brief - für Transparenz sorgt sie damit aber nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,699427,00.html
Wundert mich überhaupt nicht. Das passt ins selbe Strickmuster wie die angeblich menschgemachte Klimaveränderung durch CO2. Da gibt's beim IPCC genauso Ungereimtheiten, und auch hier dürften gewisse Interessensgruppen nachgeholfen haben, damit die wissenschaftlichen Ergebnisse im gewünschten Sinne ausfallen. Man will ja schliesslich im Namen des Klimas abkassieren und Freiheiten beschneiden. Und mit Angst lässt sich immer noch am besten regieren.
3. ...
Neurovore 09.06.2010
---Zitat von Susanne Stöcker, die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI)--- "Ich bin überzeugt, dass die Pharmaindustrie an Impfungen weniger verdient als an nicht geimpften Menschen, die erkranken" ---Zitatende--- Ich bin überzeugt, dass die Pharmaindustrie an Impfungen mehr verdient als an nicht geimpften Menschen. ---Zitat von Margaret Chan, der Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO)--- "Die Namen dieses Gremiums [i.e. der 15 Mitglieder des Notfallkomitees, das der WHO bei der Einstufung der Pandemie als Berater zur Seite stand] würden öffentlich gemacht, wenn das Komitee seine Arbeit abgeschlossen habe..[]..um die Experten vor kommerziellen und anderen Einflüssen zu schützen." ---Zitatende--- Was entweder heißt, das diese Experten per se bestechlich sind oder man wirklich was zu vertuschen hat. Auf jeden Fall hat dieses Vorgehen mit Wissenschaft nichts mehr zu tun. Das Traurige ist ja nur, daß daraus keinerlei Konsequenzen gezogen werden und wir ebenso wie bei Investmentbankern den Lerneffekt haben, daß man mit offensichtlichem Betrug locker durchkommt. Demnächst wird sich das Spiel also wiederholen, wahrscheinlich ein bißchen abgewandelt, z.B. in Form von andern ganz, ganz wichtigen Präventionsmaßnahmen.
4. Verschwörungstheoretiker
henningr 09.06.2010
Zitat von sysopHat die Pharmaindustrie die Schweinegrippe-Panik mit Zahlungen an Wissenschaftler geschürt? Drei Seuchen-Experten der Weltgesundheitsorganisation haben Geld von Konzernen erhalten. Jetzt verteidigt sich die WHO in einem offenen Brief - für Transparenz sorgt sie damit aber nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,699427,00.html
Als der SPIEGEL auf den Zug der Panikmache Schweinegrippe aufgesprungen war und kräftig Gas behaupteten etliche kritische Menschen, die kritische Beiträge mit Belegen auf alternativen Seiten gelesen hatten, hier im Forum dass diese Panikmache kräftig stinkt. Wie wurden sie tituliert? "Verschwörungstheoretiker". Und was schrieben die deutschen "Qualitätsmedien"? "Verschwörungstheoretiker diskreditieren die absoulut notwendigen Impfmaßnahmen." ...
5. Die Presse
Sentinel2150, 09.06.2010
Und wann erklären die Medien mal, warum sie diese Panikmache mitgetragen haben? Jaja alle anderen sind schuld, nur Spiegel und Co nicht.
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Acht Fragen zur Schweinegrippe
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Wie kann man sich schützen?
Ausschließen kann man eine Infektion nie. Dennoch können bestimmte Maßnahmen die Verbreitung des H1N1-Virus (und auch vieler anderer Viren) effektiv senken. Im September 2009 veröffentlichten Forscher im Fachblatt "British Medical Journal" eine statistische Auswertung von insgesamt 58 Studien über präventive Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung. Das Ergebnis: Vor allem häufiges Händewaschen und die Isolation infizierter Patienten verhindert die rasche Ausbreitung des Virus. Unter wir-gegen-viren.de gibt das Robert Koch-Institut neun Tipps, um die Ansteckungsgefahr zu senken. Zu den wichtigsten Vorkehrungen gehören regelmäßiges Händewaschen, richtiges Husten und Schnäuzen, bei Verdacht auf Schweinegrippe zu Hause bleiben und Abstand von anderen Personen halten sowie regelmäßiges Lüften. Zudem rät die US-Gesundheitsbehörde CDC, den Haushalt möglichst sauber zu halten und beispielsweise Oberflächen von Möbeln regelmäßig zu reinigen und Kleidung regelmäßig zu waschen.
Wie verbreitet sich das H1N1-Virus?
Der wahrscheinlichste Ansteckungsweg des H1N1-Virus ist die sogenannte Tröpfcheninfektion. Es nistet sich in den Atemwegen ein, weshalb Tröpfchen aus dem Nasen- und Rachenraum gefährlich sind. Man kann sich bereits im Gespräch mit einer Person anstecken. Die ganz normale Atemluft der infizierten Person enthält Tröpfchen, die deren Gegenüber einatmen könnte. Gleiches gilt, wenn Menschen niesen oder husten. Mikroskopisch kleine Mengen reichen schon aus. Deshalb empfehlen viele Fachleute auch, Menschenansammlungen zu meiden. Das Virus überlebt aber auch einige Zeit außerhalb des Körpers. Man kann sich also anstecken, indem man Infizierten die Hand schüttelt oder Gegenstände anfasst, die Infizierte berührt haben. Wischt man sich danach durchs eigene Gesicht, hat es der Erreger in seinen neuen Wirt geschafft. Dieser Übertragungsweg heißt Schmierinfektion. Experten gehen davon aus, dass das H1N1-Virus bei einer Temperatur von 20 Grad Celsius für etwa zwei bis acht Stunden unversehrt bleibt. In einer feuchten Umgebung verlängert sich die Zeit auf bis zu vier Tage. Und in der Kälte, vor allem bei Minusgraden, ist das Virus fast unsterblich. Dagegen kann der H1N1-Erreger mit Hitze nur schwer umgehen. Bei 60 Grad und mehr stirbt er nach etwa 30 Minuten.
Welche Symptome treten auf?
Die Inkubationszeit des Virus beträgt in der Regel drei bis vier Tage. Meistens setzt das Krankheitsgefühl ganz plötzlich ein. Zu den häufigsten Symptomen zählen Fieber und Husten. Die Glieder und Muskeln können schmerzen, Atembeschwerden und Ausfluss aus Nase oder Augen können dazukommen. Anders als bei der saisonalen Influenza leidet bei der Schweinegrippe etwa jeder Vierte an Erbrechen oder Durchfall. Es gibt aber auch Menschen, an denen die Infektion spurlos vorbeiging.
Was tun bei Verdacht auf Schweinegrippe?
Bei Menschen, die sonst gesund sind, lautet der einfachste Rat: ins Bett legen und das eigene Immunsystem die Arbeit verrichten lassen. Schwangere oder chronisch Kranke - Diabetiker, Patienten mit Asthma oder Herz-Kreislauf-Beschwerden beispielsweise - sowie ältere Patienten und Kinder sollten dagegen einen Arzt aufsuchen. Ist das Immunsystem zum Beispiel durch eine bereits vorhandene chronische Erkrankung geschwächt, kann es leichter zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion, wie etwa einer Lungenentzündung, kommen.
Helfen Medikamente nach einer Ansteckung?
Es gibt manche antivirale Medikamente wie Tamiflu, die Grippesymptome lindern können. Allerdings sind sie verschreibungspflichtig, und für die meisten Patienten gilt: Sie überstehen die Schweinegrippe genauso gut oder schlecht wie ohne Medikamente. Vor allem bei Kindern gilt größte Vorsicht mit Medikamenten. Sie sollten auf keinen Fall ohne ärztlichen Rat behandelt werden. Treten zusätzliche bakterielle Infektionen auf, sollte der Patient unter Umständen Antibiotika nehmen. Experten weisen zudem darauf hin, dass es nicht sinnvoll ist, vorsorglich antivirale Medikamente einzunehmen. Der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, Heiko Schneidler, sagt, dass es dadurch zu Resistenzen der Viren kommen könnte.
Ist ein Mundschutz sinnvoll?
Das Robert Koch-Institut sagt zu Hygienemasken: "Über ihre Wirksamkeit während einer Pandemie liegen keine ausreichenden Daten vor. Sie sind deshalb nur ergänzend zu erwägen." Da die Masken nicht dicht abschließen, geraten Grippeviren trotzdem in die Atemluft. Und wer mit ungewaschenen Händen die Maske anlegt, bindet sich die Viren direkt unter die Nase. Zudem müssen die Masken alle paar Stunden gewechselt werden. Sinnvoll ist eine Hygienemaske, wenn überhaupt, nur für Erkrankte. Damit kann die Anzahl der Erreger, die dieser in die Luft ausatmet verringert werden. Staubmasken aus dem Baumarkt sind übrigens wirkungslos.
Wie weist man das Virus nach?
Ein zuverlässiger Test kostet in etwa 130 Euro. Bis das Ergebnis vorliegt, vergeht in etwa ein Tag. Nachdem sich die Grippe immer weiter ausbreitet, wird nur noch stichprobenartig auf den H1N1-Erreger untersucht. Man kann in der Apotheke auch Schnelltests kaufen, allerdings sind sie nicht sehr zuverlässig. Im Labor wird das H1N1-Virus mit Hilfe der sogenannten PCR-Technik nachgewiesen. Der Test ist positiv, wenn es gelingt, spezifische Teile des Virus-Erbguts im Reagenzglas zu vervielfältigen.
Kann sich der H1N1-Erreger verändern?
Das H1N1-Virus gehört zur Gattung der Influenza-A-Viren. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat. Die gewöhnliche Grippe (saisonale Influenza) tötet Schätzungen zufolge weltweit jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken. Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Sie findet statt, wenn sich in den Zellen eines Organismus die Erbgutinformation mehrerer Grippeviren-Typen neu kombiniert.

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Schweinegrippe: Die Seuche der Jungen

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