Schweinegrippe Wirrwarr vor Beginn der Impfkampagne

In wenigen Tagen beginnt in Deutschland die Impfkampagne gegen die Schweinegrippe - doch noch immer gibt es zahlreiche Unsicherheiten. Ärzte drohen mit Boykott, bei der Impfstoffherstellung gibt es Engpässe. Wie viele Menschen sich überhaupt impfen lassen wollen, weiß niemand.

Von Cinthia Briseño


Es sind nur noch wenige Tage, dann soll die bundesweite Massenimpfung gegen die Schweinegrippe beginnen. Während die Gesundheitsbehörden in den vergangenen Wochen an den Impfplänen gefeilt haben, zeichnete sich ein Trend immer deutlicher ab: Die Deutschen sind zunehmend skeptisch. Eine Umfrage der AOK Hessen hatte jüngst ergeben, dass 60 Prozent der Bürger sich auf keinen Fall impfen lassen wollen. Ein Massenandrang vor Krankenhäusern und Arztpraxen, wie es derzeit aus manchen Orten in den USA gemeldet wird, steht deshalb kaum zu befürchten.

"Es sind viele Umfragen im Umlauf", sagt Rico Schmidt von der Hamburger Gesundheitsbehörde. "Es wäre sehr gewagt, eine Prognose abzugeben, wie viele Leute sich tatsächlich impfen lassen werden." Dennoch zeigen sich das Bundesgesundheitsministerium und die zuständigen Institute besorgt über das Zögern der Bevölkerung und rühren weiterhin die Werbetrommel für die Impfung. "Das Virus ist unter uns, es verbreitet sich, und wir müssen etwas tun", sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker am Donnerstag. Bisher gebe es in Deutschland rund 25.000 Fälle der neuen H1N1-Infektion. Zudem verzeichne das RKI einen erneuten Anstieg der Schweinegrippe-Fälle.

Dennoch melden sich immer wieder Ärzte zu Wort, die sich weigern, ihren Patienten den Impfstoff zu verabreichen. Wie viele der niedergelassenen Mediziner bereit sind, ihren Patienten das Vakzin zu verabreichen, weíß niemand. "Wir haben etwa vier bis acht Anfragen pro Tag von Ärzten, die sich über das Impfprocedere erkundigen", sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Doch eine konkrete Angabe darüber, welche Praxen tatsächlich impfen werden, wagt er nicht. Zwar habe man eine Umfrage unter den 5300 zugehörigen Ärzten in Niedersachsen gestartet, um in Erfahrung zu bringen, wie viele eine Impfung kategorisch ablehnen. Das Ergebnis stehe allerdings noch aus.

Engpässe in Niedersachsen, Ärzte-Boykott in Berlin

Damit nicht genug: In Niedersachsen verzögert sich die Auslieferung des Massenimpfstoffs Pandemrix, weil im Dresdner Herstellungswerk Engpässe entstanden sind. Die KVN gibt sich dennoch gelassen. Rund 400 Apotheken würden Mitte bis Ende kommender Woche Pandemrix erhalten. Dann werde man der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) folgen und beginnen, chronisch Kranke, medizinisches Personal, Feuerwehrleute und Polizisten impfen lassen, so Haffke. Erst danach sei der Rest der Bevölkerung an der Reihe.

Auch in Berlin könnte sich der Start der Impfkampagne verzögern. Allerdings liegt es nicht an Engpässen in der Produktion, sondern am Boykott Berliner Ärzte. Sie streiten sich mit dem Senat der Hauptstadt um die Honorierung. Statt der üblichen Vergütung von 7,10 Euro für eine Einfachimpfung soll es für die Schweinegrippe-Impfung nur 5,50 Euro geben. Wenn ein Patient eine zweite Spritze bekommt, sollen es nur noch 4,50 Euro sein. "Das muss gerecht entlohnt werden", sagte Angelika Prehn, Vorsitzende der Kassenvereinigung Berlin. Die Verhandlungen wurden vorerst abgebrochen. "Wir führen die Impfung nicht durch", so Prehn.

Ein unmoralisches Angebot

Anders sieht es in Bayern aus: Nach einer Einigung über die Honorierung Anfang Oktober gibt es auch gute Nachrichten über die Impfbereitschaft in den Praxen. "Wir haben fast 12.000 Haus-, Kinder-, und Frauenärzte befragt, wie sie zur Impfung stehen", sagte Kirsten Warweg, Sprecherin der Kassenvereinigung Bayern. "4500 Ärzte haben sich für eine Impfung ausgesprochen." Allerdings werde die erste Impfphase voraussichtlich länger andauern als geplant. Erst Anfang bis Mitte November wolle man mit der Impfung der Bevölkerung beginnen. Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder geht sogar davon aus, dass die Versorgung der priorisierten Gruppen wahrscheinlich erst Ende November oder Anfang Dezember abgeschlossen sein wird.

Impfstoff nur 24 Stunden haltbar

Nicht abschließend geklärt ist, was mit den nicht benötigten Impfdosen passieren soll. Viele Kassenvereinigungen raten ihren Ärzten, Impfsprechstunden abzuhalten, so dass mehrere Patienten hintereinander immunisiert werden können. Nur 24 Stunden nach dem ersten Gebrauch ist der Impfstoff, der in Flaschen à zehn Dosen geliefert wird, haltbar. Je nach Nachfrage könne man so möglicherweise verhindern, dass restliche Dosen in einer Flasche nicht gebraucht und deshalb entsorgt werden müssten.

Die Kosten für die Entsorgung von nicht gebrauchtem Impfstoff trägt laut Warweg der Impffonds des jeweiligen Bundeslandes. Aus diesem Fonds werden auch die Impfungen bezahlt; die Ärzte rechnen über die Krankenkassen oder die Kassenärztliche Vereinigung ab. Eine Dosis Pandemrix kostet neun Euro, davon fallen allein sechs Euro auf den Wirkverstärker, das sogenannte Adjuvans.

Forum - Schweinegrippe - wer profitiert von der Massenimpfung?
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Seite 1
ZumPostwinkel 05.09.2009
1. Weiterbeschäftigung
Zitat von sysopDie Maßnahmen gegen die Schweinegrippe gipfeln in einer groß angelegten Massenimpfung, die schon kurz nach Ankündigung kritisiert wurde. Hohe Kosten, wenig Effizienz, so hieß es. Wie sinnvoll kann die Impfung noch sein? Wer profitiert davon?
Natürlich in erster Linie die Pharma-Industrie, namentlich GlaxoSmithKline, Novartis, Roche... Und natürlich die Politiker, die sich durch selbst inszenierte Panikmache als Hüter der Volksgesundheit darstellen möchten, sich aber insgeheim bereits einen Posten bei der Pharma-Industrie sichern, für den Fall, daß ihre erbärmliche Polit-Karriere zu Ende geht. Siehe Gas-Gerd und die Ostsee-Pipeline..
Frosty127 05.09.2009
2.
Zitat von sysopDie Maßnahmen gegen die Schweinegrippe gipfeln in einer groß angelegten Massenimpfung, die schon kurz nach Ankündigung kritisiert wurde. Hohe Kosten, wenig Effizienz, so hieß es. Wie sinnvoll kann die Impfung noch sein? Wer profitiert davon?
Wie der Vorredner schon sagte: Die Pharmabranche. Leider habe ich versäumt noch Aktien der Firmen zu kaufen. Dann könnte ich immerhin noch von der Panikmache profitieren ... Ich bin schon sehr gespannt, wer letztlich wirklich die Impfung in Anspruch nimmt.
Frosty127 05.09.2009
3.
Zitat von sysopDie Maßnahmen gegen die Schweinegrippe gipfeln in einer groß angelegten Massenimpfung, die schon kurz nach Ankündigung kritisiert wurde. Hohe Kosten, wenig Effizienz, so hieß es. Wie sinnvoll kann die Impfung noch sein? Wer profitiert davon?
Wie der Vorredner schon sagte: Die Pharmabranche. Leider habe ich versäumt noch Aktien der Firmen zu kaufen. Dann könnte ich immerhin noch von der Panikmache profitieren ... Ich bin schon sehr gespannt, wer letztlich wirklich die Impfung in Anspruch nimmt.
ZumPostwinkel 05.09.2009
4.
Zitat von Frosty127Wie der Vorredner schon sagte: Die Pharmabranche. Leider habe ich versäumt noch Aktien der Firmen zu kaufen. Dann könnte ich immerhin noch von der Panikmache profitieren ... Ich bin schon sehr gespannt, wer letztlich wirklich die Impfung in Anspruch nimmt.
Eine repräsentative SPIEGEL-Umfrage hatte jüngst ergeben, dass sich nur 13 Prozent der Deutschen gegen den Influenza-Erreger H1N1 immunisieren lassen wollen, weitere 25 Prozent wollen die Impfung "wahrscheinlich". Besonders impfmüde zeigten sich junge Menschen: Nur 28 Prozent aller 18- bis 29-Jährigen standen der Impfung positiv gegenüber.
turkisharmy 05.09.2009
5. Schweinegrippe
Gestern die Vogelgrippe,heute die Schweinegrippe,morgen die Pferdegrippe, übermorgen gibst die Rindergrippe, Affengrippe,Hundegrippe,Katzengrippe usw. und sofort. Bei Grippe hilft nur Hühnersuppe!!!!!
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