Schweiz: Studie sieht kein erhöhtes Krebsrisiko für Kinder in AKW-Nähe

Lösen Kernkraftwerke Krebs bei Kindern aus? In einer neuen Studie kommen Schweizer Wissenschaftler zu dem Schluss, dass das Risiko im Umkreis von AKW nicht erhöht ist. Am ehesten lassen sich Abweichungen nach Angaben der Forscher so erklären: reiner Zufall.

Schweizer AKW Beznau an der Aare: Zur Großansicht
REUTERS

Schweizer AKW Beznau an der Aare:

Bern - Betreiber von Kernkraftwerken werden oft als Verursacher von Krebs an den Pranger gestellt. Der Grund: Immer wieder fanden Studien auffällige Häufungen von Kinderleukämie im Umkreis von AKW. Doch einen Beweis dafür, dass die Atommeiler Auslöser der Leukämie-Fälle sind, fand sich bisher in keiner Studie.

Die Frage der statistischen Relevanz von Krebserkrankungen sorgte nicht nur hierzulande immer wieder für heftige Debatten. Auch in der Schweiz wollte man wissen, ob Kernkraftwerke möglicherweise doch Krebs bei Kindern auslösen. Doch das Ergebnis fiel negativ aus: Schweizer Wissenschaftler sehen im Umkreis von Atomkraftwerken kein erhöhtes Krebsrisiko für Kinder.

Für eine Studie hatten Forscher der Universität Bern Daten von mehr als 1,3 Millionen Kindern von Null bis 15 Jahren in der Nähe der fünf Schweizer Atomkraftwerke untersucht, wie die Universität am Dienstag mitteilte. "Das Risiko einer kindlichen Krebserkrankung im Umkreis von Schweizer Kernanlagen unterscheidet sich kaum vom Risiko, welches auch weiter entfernt wohnende Kinder haben", sagt Forschungsleiter Matthias Egger.

Die beobachteten Abweichungen der einzelnen Gebiete seien so klein, dass sie am ehesten durch Zufall erklärt werden könnten, so die Forscher, die die Details der Studie jetzt im "International Journal of Epidemiology" veröffentlicht haben.

Eine im Dezember 2007 veröffentlichte Studie aus Deutschland zeigte hingegen ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern, die im Umkreis von fünf Kilometern von Kernkraftwerken wohnen. Das Risiko war insbesondere für Leukämie bei Kleinkindern erhöht. Was aber letztlich die Erkrankung auslöst, war in der vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Auftrag gegebenen Studie offen geblieben.

Das Team des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Uni Bern verglich für die neue Studie das Risiko für Leukämie und andere Krebsarten bei Kindern, die in der Nähe von Atomkraftwerken geboren wurden, mit jenem von Kindern, die weiter entfernt auf die Welt kamen. Bei Kindern im Alter von unter fünf Jahren wurden von 1985 bis 2009 in der Schweiz 573 Leukämie-Fälle diagnostiziert. Die meisten - 522 - traten bei Kindern auf, die mehr als 15 Kilometer von einem Atomkraftwerk auf die Welt kamen.

Im Gebiet bis fünf Kilometer vom Werk entfernt wären demnach 6,8 Leukämie-Fälle zu erwarten gewesen. Tatsächlich fanden die Forscher in dieser werksnahen Zone 8 Fälle, also etwa 20 Prozent mehr als erwartet.

Wegen der wenigen Fälle sage diese Zahl aber wenig aus, sagte Egger. Die Forscher könnten weder ausschließen, dass Atomkraftwerke das Leukämierisiko verminderten, noch dass sie das Risiko erhöhten. Man habe jede Menge Fallstudien gemacht. "Wir denken, dass die Unterschiede mit dem Zufall vereinbar sind", sagte Egger.

Auch die Autoren der deutschen KiKK-Studie ("Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kern-Kraftwerken") hatten keine gesicherten Aussagen über die Ursachen des vermehrten Auftretens von Krebserkrankungen bei diesen Kindern gemacht. Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz betonte damals, "dass die Studie keinen Beweis für einen Zusammenhang zwischen dem Betrieb einer kerntechnischen Anlage und den erhöhten Leukämiefällen darstellt".

Die Schweiz betreibt an vier Orten insgesamt fünf Kernkraftwerke, die bis auf eines alle in der Nähe zur deutschen Grenze liegen. Sie erzeugen etwa 40 Prozent der schweizerischen Stromproduktion. Rund ein Prozent der Schweizer Bevölkerung lebt im Umkreis von fünf Kilometern und zehn Prozent im Umkreis von 15 Kilometern eines Atomkraftwerks. Hinzu kommen vier Forschungsreaktoren und ein Zwischenlager. Nach der Regierung hatte sich auch das Schweizer Parlament für einen Atomausstieg nach 2019 ausgesprochen.

cib/dpa

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1. Scheuklappen-Analysen
Philo 12.07.2011
Diese Studien sind allein deswegen nichts wert, weil nur nach Krebserkrankungen geschaut wird. Dabei ist von Tschernobyl bekannt, dass Radioaktivität auch viele verschiedene und ernsthafte Erkrankungen hervorrufen kann, die nicht Krebs sind (z.B. tödliche Schwächung des Herzmuskels). Mit solchen Scheuklappen-Analysen machen sich Wissenschaftler zu willfährigen Lügnern und Helfern der Atom-Industrie - und verdienen dadurch auch die Bezeichnung "Wissenschaftler" nicht mehr.
2. Nichts neues
Mr...T 12.07.2011
Auch wenn es als neue Entdeckung von SPON geschlagzeilt wird, ist diese Erkenntnis nichts Neues. Es gibt bereits etliche Studien, zu einem großen Teil aus England, welche bewiesen haben das Leukämie bei Kindern welche in der Nähe von Kernkraftwerken leben nicht heufiger auftritt als sonst wo.
3. Keine Macht den Titeln!
Mac_Beth 12.07.2011
Zitat von PhiloDiese Studien sind allein deswegen nichts wert, weil nur nach Krebserkrankungen geschaut wird. Dabei ist von Tschernobyl bekannt, dass Radioaktivität auch viele verschiedene und ernsthafte Erkrankungen hervorrufen kann, die nicht Krebs sind (z.B. tödliche Schwächung des Herzmuskels). Mit solchen Scheuklappen-Analysen machen sich Wissenschaftler zu willfährigen Lügnern und Helfern der Atom-Industrie - und verdienen dadurch auch die Bezeichnung "Wissenschaftler" nicht mehr.
Ah wunderbar... Wiedermal wird eindrucksvoll demonstriert, wie aufgeschlossen einige Menschen gegenüber Ergebnissen stehen, welche nicht komplementär mit der eigenen Weltsicht sind. Ganz frei nach dem (grünen) Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
4. darf
felisconcolor 12.07.2011
Zitat von PhiloDiese Studien sind allein deswegen nichts wert, weil nur nach Krebserkrankungen geschaut wird. Dabei ist von Tschernobyl bekannt, dass Radioaktivität auch viele verschiedene und ernsthafte Erkrankungen hervorrufen kann, die nicht Krebs sind (z.B. tödliche Schwächung des Herzmuskels). Mit solchen Scheuklappen-Analysen machen sich Wissenschaftler zu willfährigen Lügnern und Helfern der Atom-Industrie - und verdienen dadurch auch die Bezeichnung "Wissenschaftler" nicht mehr.
ich mal nach ihrer wissenschaftlichen Reputation fragen? Ausserdem war der Inhalt der Studie nicht "tödliche Schwächung des Herzmuskels" sondern Häufigkeit von Krebs Ich würde mich über Nennung von Studien, die weitere Erkrankungen durch Radioaktivität auslösen übrigens freuen. Sofern sie denn wissenschaftlichen Regeln entsprechen. Meinetwegen auch nach ihrer Definition. Ich bin solchen Dingen aufgeschlossen und bereit sachlich darüber zu diskutieren.
5. ---
manta 12.07.2011
Wieso sollten sie auch Krebs auslösen ? Neutrinos ? unentdeckte Teilchen aus Kernspaltung bzw darauffolgenden Kernzerfällen ? Die normalen Gamma-Emissionen sind herzlich gering. Sicher, Kernenergie ist nicht die letzte Weisheit, aber irgendwo hört doch auf. Viel lustiger finde ich wieder das "Kinder"-Argument. Ist Krebs im höheren Alter nicht viel wahrscheinlicher ? Versucht ionisierende Strahlung am ehesten mit Kindern wechselzuwirken ? Hab ich das was verpasst ? Laut diesem Diagramm: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Inzidenz_Leuk%C3%A4mie.jpg&filetimestamp=20050126212211 gibts zwar bei einer Art ein kleines lokales Maximum im frühen alter, alle steigen aber exponentiell ab 50 Jahren an. Damit in KKW nähe keiner recht viel älter werden... Das ist ähnlich als ich vor kurzem über neue Hochspannungsleitung gelesen habe. Da wurde auch mit Kinderlernschwächen argumentiert. Sagt doch einfach frei raus um was es geht. In diesem Fall verschadelung der Landschaft und Wertminderung des Grundstücks. Aber das wäre zu einfach. Dem "Dämon der Atomkraft" stellt man dann lieber das "Kind" gegenüber um Argumente zu unterstreichen Wären KKW's wirklich so dreckig würde sich das also erstmal in der Lebenserwartung niederschlagen. Gibts darüber keine Quellen ?
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Die wichtigsten Fragen zur Strahlengefahr
Was richtet Strahlung im menschlichen Körper an?
Corbis
Die Schwere der Schäden hängt davon ab, welches Gewebe wie stark von der Strahlung betroffen ist. Erste Symptome einer Strahlenkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sie treten wenige Stunden nach Einwirken der Strahlung auf den Körper auf. Klingen die Symptome ab, stellt sich nach einigen Tagen Appetitlosigkeit, Übermüdung und Unwohlsein ein, die einige Wochen andauern.
Wie qualvoll eine akute Strahlenkrankheit bei hoher Dosis enden kann, zeigen die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und der Tschernobyl-Katastrophe. Haarausfall, unkontrollierte Blutungen, ein zerstörtes Knochenmark, Koma, Kreislaufversagen und andere dramatische Auswirkungen können den Tod bringen.
Wie verläuft eine leichte Strahlenkrankheit?
Menschen mit einer leichten Strahlenkrankheit erholen sich zwar in der Regel wieder. Doch oft bleibt das Immunsystem ein Leben lang geschwächt, die Betroffenen haben häufiger mit Infektionserkrankungen und einem erhöhten Krebsrisiko zu kämpfen.
Wie kann man sich schützen?
DPA
Im Gebiet, in dem ein nuklearer Niederschlag zu befürchten ist, kann es helfen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Gegen radioaktives Jod schützt die vorsorgliche Einnahme von Kaliumjodidtabletten. Allerdings schützt diese nur vor Schilddrüsenkrebs. Das eingenommene Jod lagert sich in den Drüsen links und rechts des Kehlkopfes an und verhindert so die Aufnahme von radioaktivem Jod. Wichtig: Jodtabletten nicht ohne behördliche Aufforderung einnehmen.
Radioaktives Jod baut sich in der Umwelt allerdings schnell ab. Gefährlicher ist radioaktives Cäsium, es hat eine längere Lebensdauer und wirkt bei Aufnahme durch die Luft oder über Nahrungsmittel im ganzen Körper. Dagegen helfen keine Pillen. Bricht ein Reaktor, wie in Tschernobyl geschehen, auseinander, gelangen großen Mengen Cäsium in die Atmosphäre und verstrahlen die Gegend, in der die Partikelwolke niedergeht, auf viele Jahre.
Was bedeutet die Maßeinheit Millisievert?
DPA/ Kyodo/ Maxppp
Sievert (Sv) ist eine Maßeinheit für radioaktive Strahlung. Ein Sievert entspricht 1000 Millisievert. Die Einheit gibt die sogenannte Äquivalentdosis an und ist somit ein Maß für die Stärke und für die biologische Wirksamkeit von Strahlung.
7000 Millisievert, also sieben Sievert, die direkt und kurzfristig auf den Körper treffen, bedeuten den sicheren Tod (siehe Grafik). Zum Vergleich: Am Montagmorgen maßen die Techniker am Kraftwerk Fukushima I eine Intensität von 400 Millisievert pro Stunde. In Tschernobyl tötete die Strahlung von 6000 Millisievert 47 Menschen, die unmittelbar am geborstenen Reaktor arbeiteten.
Wie hoch ist die Belastung im Alltag?
DPA/ NASA
Menschen sind tagtäglich der natürlichen radioaktiven Strahlung im Boden oder der Atmosphäre ausgesetzt. In Deutschland beträgt sie laut Bundesamt für Strahlenschutz 2,1 Millisievert pro Jahr (siehe Grafik). Der menschliche Organismus hat Abwehrmechanismen gegen die natürliche Strahleneinwirkung entwickelt, um sich vor diesen Belastungen zu schützen.

Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.