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Schwierige Operation: Französische Ärzte transplantieren komplettes Gesicht

Eine schwere Erbkrankheit hatte einem 35-jährigen Franzosen das Gesicht entstellt, nun haben Ärzte dem Mann mit einer kompletten Transplantation helfen können. Der Patient trägt jetzt das Gesicht eines Toten - sein Bart wächst schon wieder.

Mediziner Laurent Lantieri (im April 2009): "Glücklich, weil es dem Patienten gut geht" Zur Großansicht
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Mediziner Laurent Lantieri (im April 2009): "Glücklich, weil es dem Patienten gut geht"

Paris - Immer wieder versuchen sich Ärzte an Gesichtstransplantationen, um schwer entstellten Patienten zu helfen. Rund ein Dutzend dieser extrem komplizierten Operationen hat es bisher gegeben. Nun haben französisch Ärzte nach eigenen Angaben ein komplettes Gesicht verpflanzt. Ein 35-Jähriger Patient bekam in einer zwölfstündigen Operation das Gesicht eines Verstorbenen.

Im Gegensatz zu vorherigen Transplantationen wurden erstmals auch die Augenlider und das komplette Tränenwegsystem übertragen. "Ich bin glücklich, weil es dem Patienten gut geht", berichtete der Transplantationsspezialist Laurent Lantieri in der Zeitung "Le Parisien". Der Mann könne nach der Operation am 26. und 27. Juni bereits wieder essen und sprechen. Auf dem neuen Gesicht wachse sogar der Bart schon wieder.

Der Patient hatte zwei Jahre auf die Transplantation gewartet. Der Mann leidet an der Erbkrankheit Neurofibromatose, die unter anderem zu quälenden Gesichtsdeformation führt. Zuletzt traute sich der Franzose nicht mehr auf die Straße, weil er die Reaktionen der Passanten fürchtete.

Immer wieder spektakuläre Schritte an die Öffentlichkeit

Im März dieses Jahres hatten spanische Ärzte bekannt gegeben, dass sie ein vollständiges Gesicht verpflanzt haben. 30 Mediziner hatten im Krankenhaus Vall d'Hebron in Barcelona einem Mann in einem 22-stündigen Eingriff zu einem neuen Antlitz verholfen. Dabei wurden nicht nur die Haut und Muskeln des Gesichts transplantiert, sondern auch die Nase, die Lippen, der Oberkiefer, die Zähne, der Gaumen, die Wangenknochen und das Kinn.

Viele der Empfänger eines neuen Gesichts bevorzugen nach der schwierigen Operation die Anonymität - wegen der enormen psychologischen Belastungen. Doch immer wieder einmal gibt es Ausnahmen. So trat im Mai ein spanischer Patient an die Öffentlichkeit, dem Tumore infolge einer angeborenen Krankheit das Gesicht deformiert hatten. Im Januar wurden ihm die unteren zwei Drittel des Gesichts transplantiert. Er trete an die Öffentlichkeit, um künftige Organspender zu ermutigen, hatte der Mann erklärt.

Die Amerikanerin Connie Culp hatte sich nach einer Gesichtstransplantation ebenfalls der Öffentlichkeit gestellt. Ihre Botschaft war klar: "Wenn jemand entstellt ist und nicht so schön aussieht wie Sie, richten Sie nicht über diese Person. Sie wissen nicht, was ihr passiert ist", sagte Culp.

Die weltweit erste Empfängerin eines neuen Gesichts war die Französin Isabelle Dinoire im Jahr 2005. Bei der Operation erhielt sie das Unterteil des Gesichtes - ein Dreieck aus Nase, Mund und Kinnpartie - von einer hirntoten Organspenderin. Zehn Monate nach der Operation konnte Dinoire ihre Lippen ganz schließen, nach 18 Monaten wieder normal lächeln.

chs/dpa

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