Peking - Zum ersten Mal seit 18 Monaten ist in China ein Mensch an der Vogelgrippe gestorben. Ein 39-jähriger Busfahrer, der sich mit dem H5N1-Virus infiziert hatte, sei am Samstag in einem Krankenhaus in der südchinesischen Stadt Shenzhen gestorben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Chinas Gesundheitsbehörden hatten den Fall erst in der Nacht zum Samstag bekanntgegeben.
In der an Shenzhen grenzenden Hafenstadt Hongkong hatte der Fall große Besorgnis ausgelöst, weil das Virus dort in diesem Monat in einem verendeten Huhn nachgewiesen worden war. Die Behörden hatten daraufhin mehr als 17.000 Hühner notschlachten lassen und den Import von lebendem Geflügel aus China verboten.
Der Busfahrer namens Chen sei am frühen Samstagnachmittag an Lungen-, Herz- und Leberversagen gestorben, teilte das Gesundheitsamt der Provinz Guangdong mit. 120 Menschen, die mit dem Busfahrer Kontakt hatten, hätten bislang jedoch keine Symptome gemeldet. Zuletzt war in China im Juni 2010 eine junge schwangere Frau an dem Virus gestorben.
Chen war am 21. Dezember mit Fieber ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Behörden zeigten sich über den Fall erstaunt, da der Mann offenbar in dem Monat vor seiner Erkrankung keinen direkten Kontakt mit Geflügeltieren hatte. Auch die Stadt hatte er offenbar nicht verlassen. "Es ist noch unklar, woher der Patient die Vogelgrippe hatte", sagte ein Vertreter der Fischerei- und Landwirtschaftsbehörde in Shenzhen. Auch Informationen über infizierte Tiere lägen noch nicht vor, daher gebe es auch keine Pläne, massenweise möglicherweise erkrankte Tiere in der Region zu töten.
Debatte um Supervirus aus dem Labor
Das H5N1-Virus ist hochgradig gefährlich. Es tötet fast alle Vögel und bis zu 60 Prozent aller infizierten Menschen. Seit 2003 sind weltweit 573 Menschen an der Vogelgrippe erkrankt, 336 starben. Die chinesischen Behörden sind besonders besorgt über die mögliche neue Ansteckung eines Menschen, weil die jährliche Reisewelle zum chinesischen Neujahr unmittelbar bevorsteht.
Mediziner befürchten seit Jahren, dass der Vogelgrippe-Erreger H5N1 durch Mutationen oder genetische Vermischung mit einem anderen Virus ansteckender oder gar von Mensch zu Mensch übertragbar wird. In diesem Fall könnte es zu einer Pandemie mit Millionen Toten kommen.
Erst vor kurzem hatten Forscher in den Niederlandenein solches tödliches und hoch ansteckendes Virus im Labor hergestellt. Es folgte eine heftige Debatte darüber, ob die Ergebnisse veröffentlicht oder besser geheim gehalten werden sollten. Zuvor hatte es in den USA ähnliche Experimente gegeben.
Jetzt hat sich auch die Weltgesundheitsorganisation WHO in die Diskussion eingeschaltet. Sie zeigte sich jetzt zutiefst besorgt über die Entwicklung der Superviren und die damit verbundenen "Risiken und Möglichkeiten des Missbrauchs".
mbe/dpa/AFP
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