Simulation: Klimawandel fördert Schlafkrankheit

Millionen Menschen in Südafrika sind von der Ausbreitung der gefährlichen Schlafkrankheit bedroht: Eine Simulation von US-Forschern hat gezeigt, dass die Tsetsefliege infolge des Klimawandels in neuen Gebieten Afrikas heimisch werden könnte. Ohne Behandlung kann die Krankheit tödlich sein.

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Corbis

Glossina morsitans morsitans: Tsetsefliegen sind Überträger der Schlafkrankheit

Die von Tsetsefliegen übertragene Schlafkrankheit könnte infolge des Klimawandels bis zum Jahr 2090 bis zu 77 Millionen Afrikaner zusätzlich bedrohen. Die Ursache dafür: Das Verbreitungsgebiet der Tsetsefliegen, die den Erreger der Schlafkrankheit übertragen, verändert sich mit steigender Temperatur. Zu diesem Resultat kommt das Forscherteam um Sean Moore vom US-Zentrum für Seuchenbekämpfung (CDC) in Fort Collins (US-Staat Colorado) nach einer Simulation.

Die Schlafkrankheit tritt nach Angaben des Robert Koch-Instituts südlich der Sahara in 36 Ländern des tropischen Afrika auf. Nach erfolgreicher Bekämpfung in den vergangenen Jahrzehnten hat sie durch Bürgerkriege, Flüchtlingsströme und mangelnde Gegenmaßnahmen in den vergangenen Jahren wieder stark zugenommen, die WHO rechnet mit einem weiteren Anstieg.

Die Fliegen übertragen bei ihrem schmerzhaften Stich die einzelligen Parasiten Trypanosoma brucei gambiense (vornehmlich in West- und Zentralafrika) und Trypanosoma brucei rhodesiense (vornehmlich in Ostafrika). Jedes Jahr sind rund 70.000 Menschen betroffen, insgesamt 60 Millionen Menschen leben derzeit in Risikogebieten. Alle Formen der Krankheit sind lebensbedrohlich.

Wie Moore und seine Kollegen im Fachjournal "Interface" der britischen Royal Society berichten, fassten sie für ihre Studie unter anderem zusammen, was über die bevorzugten Temperatur- und Lebensbereiche der übertragenden Mücken bekannt ist. Sie berücksichtigten die Vorhersagen von Klimaforschern, die unter den pessimistischsten Annahmen eine Erwärmung um bis zu 6,4 Grad Celsius bis zum Ende des Jahre 2100 für möglich halten. Zudem bezog das Team die Verteilung der Menschen südlich der Sahara ein.

Dabei zeigte sich zwar keine sehr große Ausweitung des potentiellen Lebensraumes der Überträgerfliegen, schreiben die Forscher. Bei einem Anstieg der Temperatur um 1,1 bis 5,4 Grad Celsius - je nach Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids - könnten Teile Ostafrikas für die Fliege zu heiß werden. Andere Gebiete in der Region sowie im südlichen Afrika hingegen, die zuvor zu kalt waren, würden zum Verbreitungsgebiet für die Tsetsefliege, fanden die Wissenschaftler heraus. Demnach kann sich die Krankheit bei einer Durchschnittstemperatur von 20,7 bis 26,1 Grad verbreiten.

Im Verbreitungsgebiet der Schlafkrankheit leben derzeit 75 Millionen Menschen. Nach dem Stich durch die Tsetsefliege treten in der Regel rasch Fieber oder Kopfschmerzen auf. Später können Herzrhythmusstörungen, Gehirnentzündung und neurologische Störungen hinzukommen. Besonders auffällig sind Schlafstörungen und Schlaflosigkeit. Die Schlafkrankheit zählt zu einer Reihe gefährlicher Krankheiten, die sich Wissenschaftlern zufolge durch den Klimawandel ausbreiten können, darunter auch Cholera und Malaria.

cib/dpa/AFP

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1. Mal wieder eine Simulation
Berd 09.11.2011
Zitat von sysopMillionen Menschen in Südafrika sind von der Ausbreitung der gefährlichen Schlafkrankheit bedroht: Eine Simulation von US-Forschern hat gezeigt, dass die Tsetsefliege*infolge des Klimawandels in neuen Gebieten Afrikas heimisch werden könnte. Ohne Behandlung kann die Krankheit tödlich sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,796854,00.html
Alarmistische Klimawissenschaft ist Pseudowissenschaft, die von Simulationen und Modellen lebt, die die Realität nicht abbilden können. Das hindert die Klimahysteriker und ihre Gefolgschaft natürlich nicht, uns auch weiterhin mit solchen "Erkenntnissen" zu bombardieren. Die Malaria war übrigens schon mal fast ausgerottet. Bis europäische und amerikanische Gutmenschen sich vehement für das weltweite Verbot von DDT stark gemacht haben. Jetzt sterben jährlich hunderttausende von Menschen an dieser Krankheit. Aber was schert es den Gutmenschen!? Gruß berd
2. Auch Fusspilz
Olaf aus der Hauptstadt 09.11.2011
wird mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Kommt eine Eiszeit ---> frieren die Füße ab und der Fußpilz ost weg. siehe auch hier: http://www.spiked-online.com/index.php?/site/article/2045/
3. Wie glaubwürdig ist der Spiegel noch?
Berd 09.11.2011
Bevor ich es vergesse: Der Spiegel hat die anthropogene Klimaerwärmung (wegen mangelnder Erwärmung schlicht nur noch Klimawandel genannt) miterfunden (ich erinnere mich noch an das hübsche Titelbild vom Kölner Dom!). Seither wird der geneigte Spiegelleser gebetsmühlenartig mit dem Schreckensszenario von der menschengemachten Klimaerwärmung durch CO2 bombardiert. Aber wie glaubwürdig ist der Spiegel da eigentlich: http://notrickszone.com/2011/11/01/der-spiegel-warned-of-global-warming-back-in-1948-only-26-years-before-it-warned-of-cooling-in-1974/ Gruß berd
4. CO2 ist kein wichtiger Antrieb des Klimas!
Berd 09.11.2011
Zitat von sysopMillionen Menschen in Südafrika sind von der Ausbreitung der gefährlichen Schlafkrankheit bedroht: Eine Simulation von US-Forschern hat gezeigt, dass die Tsetsefliege*infolge des Klimawandels in neuen Gebieten Afrikas heimisch werden könnte. Ohne Behandlung kann die Krankheit tödlich sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,796854,00.html
Wieso eigentlich Klimaerwärmung durch CO2? Vor einigen Tagen erst titelte der Spiegel groß, daß der CO2-Anteil der Luft rapide zugenommen hätte. Nach der Theorie der Klimahysteriker hätte damit aber auch die Temperatur weiter zunehmen müssen. Das tut sie - obwohl GISS und Co. die Rohdaten mit verschiedenen "Tricks" nachbearbeiten - seit zehn Jahren nicht mehr. Was heißt das? Richtig! CO2 ist offensichtlich nur ein minderwichtiger Klimaantrieb. Das interessiert die Klimakirche der Hysteriker natürlich nicht. Da ersetzt der richtige "Glaube" Wissenschaft und Fakten. Gruß berd
5. Lieber unbekannter Autor
Mustermann 09.11.2011
Zitat von sysopMillionen Menschen in Südafrika sind von der Ausbreitung der gefährlichen Schlafkrankheit bedroht: Eine Simulation von US-Forschern hat gezeigt, dass die Tsetsefliege*infolge des Klimawandels in neuen Gebieten Afrikas heimisch werden könnte. Ohne Behandlung kann die Krankheit tödlich sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,796854,00.html
so geht es nicht. Überschrift Klimawandel *fördert* Schlafkrankheit. Tenor des Artikel, das Ausbreitungsgebiet *ändert sich*. Nicht in der Größe sondern in der *Lage*. Ok, wo bleibt die Förderung? Sind möglicherweise zukünftig mehr Menschen davon betroffen? Who knows? Im Artikel steht davon nix. Lieber unbekannter Sysop, das Thema des Forums Schlafkrankheit breitet sich durch Klimawandel aus. Auch nicht richtg, das steht auch *nicht* im Artikel. Mit gleichem Recht hätte man schreiben können, Schlafkrankheit nimmt durch Klimawandel ab.
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Risikogebiete: Das Malaria-Atlas-Project Zur Großansicht
REUTERS/ Malaria Atlas Project

Risikogebiete: Das Malaria-Atlas-Project


Malaria
Die Krankheit
AP
Malaria zählt zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt: Statistisch gesehen stirbt allein in Afrika etwa alle 30 Sekunden ein Kind an der Krankheit. Pro Jahr fallen ihr insgesamt mindestens eine Million Menschen zum Opfer, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren. Der Erreger der Malaria tropica, der einzellige Parasit Plasmodium falciparum, wird durch den Stich weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles von bereits infizierten Menschen auf gesunde übertragen.
Schutzmaßnahmen
Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es derzeit nicht. Deshalb gilt es, eine Ansteckung von vornherein zu vermeiden, indem man sich in moskitosicheren Räumen aufhält, mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze benutzt und langärmlige Kleidung trägt.
Chemische Vorbeugung
Prophylaxe-Medikamente bieten keinen absoluten Schutz vor einer Malaria, erhöhen aber die Sicherheit. Über die Art der Malaria-Prophylaxe muss individuell der Arzt entscheiden, anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Reisedauer und des Reisestils. Dabei müssen Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten sowie Besonderheiten bei der Medikamenteneinnahme beachtet werden. Bei Reisen in Gebiete mit hohem Malaria-Risiko ist eine Chemoprophylaxe empfehlenswert. Wenn in Gebieten mit niedrigem oder mittlerem Malaria-Risiko keine regelmäßige Chemoprophylaxe durchgeführt wird, sollte ein Reservemedikament mitgeführt werden. Es sollte nur bei verdächtigen Symptomen, fehlender ärztlicher Versorgung und nur im Notfall eingenommen werden ("Standby").
Schutz vor Malaria
Möglichkeiten
Noch existiert kein Impfstoff gegen Malaria. Die Möglichkeiten zur Vorbeugung der Erkrankung umfassen die Expositionsprophylaxe und die Chemoprophylaxe.
Expositionsprophylaxe
Ein wirksamer Schutz ist die Vermeidung von Mückenstichen. Dazu rät das Robert Koch-Institut Folgendes:

- Aufenthalt in moskitosicheren Räumen (Klimaanlage, Fliegengitter) - Moskitonetze, am besten imprägniert mit Insektiziden - das Tragen langärmliger Kleidung - die Anwendung von Repellents
Chemoprophylaxe
Prophylaxe-Medikamente bieten keinen absoluten Schutz vor einer Malaria, erhöhen aber die Sicherheit. Über die Art der Malariaprophylaxe muss individuell der Arzt entscheiden, anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Reisedauer und des Reisestils. Dabei müssen Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten sowie Besonderheiten bei der Medikamenteneinnahme beachtet werden.

Bei Reisen in Gebiete mit hohem Malariarisiko ist eine Chemoprophylaxe empfehlenswert. Wenn in Gebieten mit niedrigem oder mittlerem Malariarisiko keine regelmäßige Chemoprophylaxe durchgeführt wird, sollte ein Reservemedikament mitgeführt werden. Es sollte nur bei verdächtigen Symptomen, fehlender ärztlicher Versorgung und nur im Notfall eingenommen werden ("Standby").