Frederick Banting Google feiert den Entdecker des Insulins

Von seiner Forschung profitieren Millionen Menschen: Der kanadische Medizin-Nobelpreisträger Frederick Banting gilt als Mitentdecker des Insulins. Heute wäre er 125 Jahre alt geworden.

Doodle am 14.11.2016
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Doodle am 14.11.2016


Hunderttausende von Menschenleben konnten gerettet werden, Millionen von Zuckerkranken wurde ein nahezu normales Leben ermöglicht - und zwar dank der Arbeit der kanadischen Wissenschaftler Frederick Banting und Charles Best.

Die beiden Männer befassten sich Anfang der Zwanzigerjahre mit Insulin, dem körpereigenen Wirkstoff, der den Zuckerhaushalt reguliert. Insulinmangel lässt den Blutzuckerspiegel steigen, Diabetes mellitus stellt sich ein.

Banting und Best erkannten, dass Insulin zu den Steuersubstanzen im Stoffwechsel des Körpers zählt, den Hormonen. Die Männer töteten im Sommer 1921 zu Forschungszwecken einige Hunde. Aus den entfernten Bauchspeicheldrüsen der Tiere und aus Schlachthofdrüsen ungeborener Kälber isolierten die beiden einen Extrakt, den sie für Insulin hielten. Die farblose Flüssigkeit injizierten sie sich selbst, um die Verträglichkeit zu testen.

Am 11. Januar 1922 wurde der 14-jährige Leonhard Thompson in Toronto als erster schwerkranker Diabetiker mit Insulin-Injektionen vor dem sicheren Tod gerettet.

Diabetes mellitus
Honigsüßer Durchfluss
Der Diabetes mellitus (wörtlich aus dem Griechischen: "honigsüßer Durchfluss"), umgangssprachlich Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselstörung. Der Name bezieht sich auf den zuckerhaltigen Urin, an dessen Süße die Krankheit in der Antike erkannt wurde. Heute gilt Diabetes als Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die durch zu hohe Blutzuckerwerte, die Hyperglykämie, gekennzeichnet sind. Der Grund dafür ist, dass Traubenzucker (Glukose) wegen eines Insulinmangels nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden kann und sich im Blut anreichert.
Typ-1-Diabetes
Beim Typ-1-Diabetes, von dem fünf bis zehn Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind, zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Symptome des fortschreitenden Insulinmangels beginnen meist in der Kindheit oder der Jugend: Die Blutzuckerkonzentration steigt extrem an, es kommt zu starkem Wasser- und Nährstoffverlust, was ständigen Durst und häufiges Erbrechen zur Folge hat. Auch eine schnelle Gewichtsabnahme gehört zu den Symptomen. Als Therapie müssen die Diabetiker sich Insulin selbst spritzen. Als Ursache von Typ-1-Diabetes werden genetische Veränderungen vermutet.
Typ-2-Diabetes
Der Typ-2-Diabetes wurde früher als Altersdiabetes bezeichnet. Im Zuge wachsender Zahlen übergewichtiger Menschen insbesondere in den Industrieländern erkranken aber immer öfter auch junge Menschen und inzwischen sogar Kinder am Typ-2-Diabetes. Falsche Ernährung gilt als die Hauptursache der Krankheit: Die großen Mengen von Zucker, die dem Körper zugeführt werden, kann die Bauchspeicheldrüse in jungen Jahren noch durch eine verstärkte Insulinproduktion wettmachen. Im Laufe der Zeit versiegt aber die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse und auch die Zellen werden unempfindlicher für das Insulin, sodass die Glukose immer schlechter abgebaut wird und sich im Blut anreichert.

Im Unterschied zum Typ 1 gibt es beim Typ-2-Diabetes lange keine eindeutigen Symptome wie etwa verstärktes Wasserlassen oder Durstgefühl, sondern eher unspezifische Anzeichen wie ein ständiges Hungergefühl, Gewichtszunahme, Niedergeschlagenheit und Müdigkeit. Typ-2-Diabetes kann anfangs durch gesündere Ernährung, mehr Bewegung und Abnehmen bekämpft werden. Gelingt das nicht, sind später Medikamente zur Regulierung des Blutzuckers und auch eine Insulintherapie notwendig.
Verbreitung
Diabetes gehört schon heute zu den größten Volkskrankheiten und wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich dramatisch ausbreiten. Schätzungen zufolge gibt es weltweit mehr als 150 Millionen Zuckerkranke, Tendenz stark steigend.

In Deutschland lebten laut Einschätzungen der DEGS Gesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts 7,2 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren mit Diabetes, demnach sind 4,6 Millionen Personen betroffen. Bei den 70- bis 79-Jährigen ist mehr als jeder Fünfte an Diabetes erkrankt (21,9 Prozent). Die Zahl der Erkrankungen ist zwischen 1997 und 2010 um 38 Prozent angestiegen, davon sind nur 14 Prozent durch die Alterung der Bevölkerung zu erklären.

Im Jahr darauf erhielt Banting gemeinsam mit dem Laborleiter John Macleod den Nobelpreis für Medizin. Das Preisgeld teilten sie mit Best, der vom Nobelkomitee nicht bedacht worden war - eine Entscheidung, die viel Kritik ausgelöst hatte.

Heute, am 14. November, wäre Banting 125 Jahre alt geworden. Google feiert den Geburtstag mit einem Doodle zu seinen Ehren: Auf der Startseite ist unter anderem eine honiggelbe Banting-Zeichnung und ein Insulinfläschchen zu sehen. Diabetes mellitus bedeutet wörtlich aus dem Griechischen übersetzt: honigsüßer Durchfluss. Bezogen ist das auf den zuckerhaltigen Urin, an dessen Süße die Krankheit in der Antike erkannt wurde.

aar



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