Alterungsprozesse Sprachkenntnisse halten Gehirn länger fit

Wer in seinem Leben mindestens eine fremde Sprache gelernt hat, dessen Gehirn baut offenbar im Alter weniger schnell ab. Dies ergab eine Langzeitstudie mit 835 Menschen des Jahrgangs 1936.

Gehirn eines Alzheimer-Patienten:  Fremdsprachen als Prophylaxe?
Corbis

Gehirn eines Alzheimer-Patienten: Fremdsprachen als Prophylaxe?


Demenz, Alzheimer - viele Menschen fürchten sich vor dem Verlust ihrer geistigen Fähigkeiten im Alter. In der Tat gelten Erkrankungen des Gehirns als eine der größten Herausforderungen für die moderne Medizin. Mit steigender Lebenserwartung könnte die Zahl Betroffener in den kommenden Jahrzehnten regelrecht explodieren.

Forscher der University of Edinburgh haben nun festgestellt, dass Menschen womöglich durch das Lernen einer oder mehrerer Fremdsprachen den Verlust geistiger Fähigkeiten im Alter verlangsamen können. Selbst wenn man eine Sprache erst als Erwachsener lerne, könne der Abbau kognitiver Fertigkeiten gebremst werden, schreiben Thomas Bak und seine Kollegen im Fachblatt "Annals of Neurology" (DOI: 10.1002/ana.24158).

Forscher sind schon seit Längerem davon überzeugt, dass Sprachkenntnisse und eine verzögerte Entwicklung von Demenz im Alter zusammenhängen. Eine der Kernfragen dabei war, ob dies tatsächlich am eigentlichen Spracherwerb liegt oder ob einfach nur Menschen mit besseren kognitiven Fähigkeiten Fremdsprachen lernen.

Für ihre Studie nutzten die Forscher der University of Edinburgh Daten der Lothian Birth Cohort 1936. Zu ihr gehören 835 Menschen des Jahrgangs 1935, deren Muttersprache Englisch ist und die in der Region Edinburgh (Schottland) geboren wurden. Die Probanden wurden im Laufe der Jahre immer wieder befragt und untersucht. Intelligenztests fanden 1947, Anfang der Siebzigerjahre und zwischen 2008 und 2010 statt. 262 der Teilnehmer lernten mindestens eine Fremdsprache, 65 davon erst im Erwachsenenalter.

Die Auswertung ergab, dass die Probanden mit Fremdsprachenkenntnissen signifikant höhere kognitive Fähigkeiten im Alter besaßen, als man erwarten würde, wenn man allein auf die IQ-Tests im Alter von elf Jahren schaut. Den größten Effekt beobachteten die Forscher bei der allgemeinen Intelligenz und beim Lesen - und zwar auch bei all jenen, die erst als Erwachsene eine Sprache erlernt hatten.

"Die Ergebnisse haben eine große Bedeutung", sagt Thomas Bak. Millionen Menschen würden ihre erste Fremdsprache erst später in ihrem Leben lernen. Die Studie zeige, dass Mehrsprachigkeit, auch wenn sie erst im Erwachsenenalter erworben werde, von Nutzen sein könne für das alternde Gehirn.

Entwicklung des Gehirns

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
jujo 02.06.2014
1. ...
Zitat von sysopCorbisWer in seinem Leben mindestens eine fremde Sprache gelernt hat, dessen Gehirn baut offenbar im Alter weniger schnell ab. Dies ergab eine Langzeitstudie mit 835 Menschen des Jahrgangs 1936. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/sprachkenntnisse-koennen-alterndes-gehirn-schuetzen-a-972810.html
Wer hätte das gedacht, da werde ich also nicht Gaga, nur weil ich 2 Fremdsprachen beherrsche? Ein Freund von mir litt ab 75 Lebensjahr an zunehmender Demenz, der Mann beherrschte 6 (!) Fremdsprachen. Wieder eine Studie die für die Lebensrealität nichts bringt!
AmokSchleicher 02.06.2014
2. Ursache und Wirkung
Wer jetzt glaubt, durch Sprachen Lernen den Alzheimer in Schach halten zu können: Vorsicht! Mich erinnert der Beitrag an den Zusammenhang zwischen Storchenpopulation und Geburtenrate beim Menschen: weil die Störche seltener werden und gleichzeitig weniger Kinder geboren werden, ist erwiesen, dass die Störche die Babies bringen? Es scheint wohl eher so zu sein, dass die Fähigkeit, Sprachen zu lernen, auch über Umwege, begründet wird durch einen Faktor, der im Alter auch den Alzheimer unwahrscheinlicher macht. Zumindest hätte ich mir im Beitrag eine Klarstellung hierzu gewünscht.
SchnurzelPuPu 02.06.2014
3. Boulevardwissenschaft
Leute, wo ist die Ursache? Das ist doch Bildzeitungsniveau. Schotten, die eine Fremdsprache lernen sind ja wohl an sich schon etwas besonderes. Damit ist doch nichts erklärt.
les2005 02.06.2014
4.
Zitat von jujoWer hätte das gedacht, da werde ich also nicht Gaga, nur weil ich 2 Fremdsprachen beherrsche? Ein Freund von mir litt ab 75 Lebensjahr an zunehmender Demenz, der Mann beherrschte 6 (!) Fremdsprachen. Wieder eine Studie die für die Lebensrealität nichts bringt!
Da haben Sie natürlich den Beweis erbracht, daß es da keinen Zusammenhang geben kann. Wie auch Rauchen erwiesenermaßen unschädlich ist, da doch Jeder einen 80-jährigen Opa kennt, der raucht und trotzdem noch lebt. Wissenschaft kann so einfach sein...
manuelw. 02.06.2014
5.
Zitat von sysopCorbisWer in seinem Leben mindestens eine fremde Sprache gelernt hat, dessen Gehirn baut offenbar im Alter weniger schnell ab. Dies ergab eine Langzeitstudie mit 835 Menschen des Jahrgangs 1936. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/sprachkenntnisse-koennen-alterndes-gehirn-schuetzen-a-972810.html
Falls ich mich irren sollte, tut es mir leid, aber auf den ersten Blick stellt der Spiegel zu Unrecht eine derart prominente Verbindung der Studie zu Alzheimer her. (Begleitbild, Einleitung. )
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