Skandal-Studie Ups, da waren embryonale Stammzellen drin

Mit ein bisschen Säure lassen sich Zellen in den Embryonalzustand zurückversetzen, berichteten Forscher im Januar. Nun zeigt sich: Die Proben waren mit embryonalen Stammzellen kontaminiert. Es ist der Abschluss eines Forschungsdramas.

Embryonale Stammzellen (Archivbild): Sie können zu jedem Zelltyp heranwachsen
DPA/ Uni Bonn

Embryonale Stammzellen (Archivbild): Sie können zu jedem Zelltyp heranwachsen


Zellen, die sich durch Säure in den Embryonalzustand zurückversetzen lassen - die Methode galt Anfang 2014 als großer medizinischer Durchbruch. Die Zellen hätten genutzt werden können, um unkompliziert neue Organe zu züchten. Doch schnell stellte sich heraus, dass die Studie Fehler enthielt. Abbildungen waren aus früheren Arbeiten kopiert worden, und auch das eigentliche Studienergebnis konnte nicht reproduziert werden. Letztlich wurde die Studie zurückgezogen.

Nun hat das japanische Riken-Institut, an dem die Forschung stattgefunden hat, seinen abschließenden Untersuchungsbericht veröffentlicht. Demnach waren die Proben der Forscher mit embryonalen Stammzellen verunreinigt. Diese Zellen können sich von Natur aus in jeden Zelltyp verwandeln. Es waren also vermutlich diese Zellen, die die Forscher nach der Säurebehandlung nachweisen konnten. Ob die Kontamination versehentlich passiert ist oder Absicht war, ist allerdings unklar.

Wissenschaftliches Fehlverhalten nicht belegbar

Das siebenköpfige externe Untersuchungskomitee hatte DNA-Proben und Laborunterlagen der beiden an der Studie beteiligten Forscherteams untersucht. Es fand Spuren von drei unterschiedlichen embryonalen Stammzelllinien. Es sei schwer, sich vorzustellen, wie eine Kontamination mit drei unabhängigen Linien versehentlich passiert sein könnte, man könne aber auch nicht sicher sein, dass es Absicht war, berichten die Gutachter.

"Wir können deshalb nicht rückschließen, dass es wissenschaftliches Fehlverhalten in dieser Hinsicht gab", schreibt das Komitee. Die Experten konnten aber nachweisen, dass Studienleiterin Haruko Obokata zwei Abbildungen gefälscht hatte. Diese ähneln Abbildungen aus ihrer Doktorarbeit aus dem Jahr 2011.

Der Report ist der letzte Teil eines monatelangen Forschungsdramas: Bereits kurz nach der Veröffentlichung im Januar 2014 waren Zweifel an der Studie aufgekommen, als andere Wissenschaftler die Ergebnisse nicht reproduzieren konnten. Schließlich wurden die manipulierten Abbildungen entdeckt. Im März beschuldigten Verantwortliche Obokata des wissenschaftlichen Fehlverhaltens, im Juli zog das Wissenschaftsmagazin "Nature" die Studie zurück. Einen Monat später nahm Co-Autor Yoshiki Sasai sich das Leben. Ende des Jahres gab Obokata ihren Posten am Institut ab.

Auf wissenschaftlicher Seite dagegen blieb das Wesentliche beim Alten: Bislang kann man erwachsene Zellen nur durch genetische Manipulation oder die Transplantation eines Zellkerns in den Embryonalzustand zurückversetzen.

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jme

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