Stammzellen Forscherin widerruft Studie zur Zellverjüngung

Ende einer Sensation? Im Januar erregt eine Studie weltweit Aufsehen: Ein kurzes Säurebad überführte Mauszellen angeblich in eine Art Embryonalzustand. Jetzt widerruft die Forscherin offenbar ihre Arbeit.

Zweifel bleiben: Haruko Obokata bei der Präsentation ihrer Arbeit am 28. Januar in Tokio
REUTERS/ Kyodo

Zweifel bleiben: Haruko Obokata bei der Präsentation ihrer Arbeit am 28. Januar in Tokio


Tokio - Im Skandal um eine Studie zur Verjüngung von Körperzellen wird eine japanische Wissenschaftlerin nach Angaben ihres Arbeitgebers Forschungspapiere zurückziehen. Haruko Obokata habe sich schriftlich dazu bereit erklärt, gab das japanische Forschungszentrum Riken am Mittwoch bekannt. Die 30-Jährige war der Manipulation und Fälschung beschuldigt worden, was sie bislang entschieden zurückgewiesen hatte.

Unter ihrer Leitung hatten Forscher aus Japan und den USA Ende Januar im britischen Fachblatt "Nature" berichtet, dass sie unter anderem mit Hilfe von Zitronensäure Körperzellen neugeborener Mäuse in eine Art embryonalen Zustand zurückversetzt hatten. Diese sogenannten STAP-Zellen könnten sich wieder in nahezu jeden Zelltyp entwickeln.

Forscherin erklärte sich nur schriftlich

Das staatlich geförderte Riken-Institut hatte im April herausgefunden, dass Aufnahmen in der Studie solchen aus Obokatas Doktorarbeit aus dem Jahr 2011 ähnelten. Daraufhin wurde ihr geraten, die Forschungsartikel zurückzunehmen. Das hatte die Wissenschaftlerin jedoch mit der Begründung verweigert, dies würde bedeuten, dass die Forschungsergebnisse falsch seien. Dies sei aber nicht der Fall.

Was zu ihrem angeblichen Sinneswandel führte, war zunächst nicht bekannt. Laut Riken-Institut unterzeichnete Obokata ein Dokument mit der Einwilligung und schickte es an ihren Koautoren, Hitoshi Niwa. Die Nachrichtenagentur Jiji Press zitierte einen Anwalt der gesundheitlich angeschlagenen Wissenschaftlerin, wonach seine Mandatin in die Ecke getrieben worden sein könnte, einzuwilligen. Er glaube nicht, dass das wirklich die Absicht von Obokata sei.

Einer der Koautoren, Harvard-Professor Charles Vacandi, unter dem Obokata studiert hatte, lehnte ein Zurückziehen der Papiere ab. "Nature" prüft unterdessen selbst die Glaubwürdigkeit der umstrittenen Artikel und wollte in Kürze das Ergebnis bekannt geben. Riken lässt derweil die Existenz der Zellen in Labortests nachprüfen.

Klon-Pionier und Zellzauberer

nik/dpa/AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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Flying Rain 04.06.2014
1. Pfahaha
Haben wir nicht hier im SpOn schon bei der Meldund orakelt das genau diese Meldung folgen wird ;D
mcvitus 04.06.2014
2. So geht Forschung heute:
Heute dies, morgen das, tralala. Dafür gibt es beinahe täglich neue Beispiele.
Frau_Enschleger 04.06.2014
3. Erst mal die Untersuchungen abwarten
Bisher bestreiten immer noch alle Beteiligten, darunter ein Harvard-Professor, dass die Ergebnisse der Studie manipuliert sind. Lediglich Bilder aus der Diss. der Forscherin wurden in einem falschen Zusammenhang für das Paper verwendet! Also erst mal abwarten, ob die Ergebnisse reproduziert werden können, bevor hier gleich wieder Betrug geschrien wird und am besten die komplette Wissenschaft kritisiert wird. In der Wissenschaft werden solche Betrugsfälle wenigstens regelmässig aufgedeckt und konsequent aufgearbeitet. Das kann man von Politik, Wirtschaft, Religion und Medien nicht unbedingt behaupten.
Frau_Enschleger 04.06.2014
4. Erst mal die Untersuchungen abwarten
Bisher bestreiten immer noch alle Beteiligten, dass die Ergebnisse der Studie manipuliert sind. Lediglich Bilder aus der Diss. der Forscherin wurden in einem falschen Zusammenhang für das Paper verwendet! Also erst mal abwarten, ob die Ergebnisse reproduziert werden können, bevor hier gleich wieder Betrug geschrien wird und am besten die komplette Wissenschaft kritisiert wird. In der Wissenschaft werden solche Betrugsfälle wenigstens regelmässig aufgedeckt und konsequent aufgearbeitet. Das kann man von Politik, Wirtschaft, Religion und Medien nicht unbedingt behaupten.
tolate 04.06.2014
5. Schöne Aussichten, oder bloß eine Illusion?
Immer wieder werden verblüffend einfache Lösungen für komplizierte Probleme angekündigt, oder wenigstens in Aussicht gestellt. Im Bereich der Psychiatrie ist das schön zu verfolgen an den Visisonen des angesehenen Chemikers und Mediziners Professor Florian Holsboer. Er ist Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Dieses war neulich in die Presse geraten, weil vor Jahren dort eine junge Frau über zwei Jahre lang erfolglos wegen einer Depression behandelt worden war, mit Elektroschocks, mit Aufenthalten in der Isolierzelle,mit Diazepam, worauf sie eine Medikamentenabhängigkeit etwickelt hatte. Ihre Klage auf Schadensersatz ist in erster Instanz vom Landgericht München abgewiesen worden. Aber Hilfe ist nahe: laut dem berühmten Direktor der Klinik soll es in Kürze möglich sein, anhand einer Analyse des Genoms einem an einer psychiatrischen Erkrankung leidenden Menschen das für ihn passende heilende Molekül zu generieren, worauf ihm ja geholfen wäre. Die Botschaft hör´ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube.
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