Stammzellforscher Strauer Uni Düsseldorf leitet Disziplinarverfahren ein

Die Uni Düsseldorf hat ein Disziplinarverfahren gegen den renommierten Herzspezialisten Bodo Eckehard Strauer eingeleitet, ohne Gründe zu nennen. Zweifel an den spektakulären Erfolgen des mittlerweile emeritierten Mediziners gab es schon länger.

Kardiologe Bodo-Eckehard Strauer an der Düsseldorfer Universitätsklinik (Archivbild von 2007): "537 Krankenakten gesichtet"
DPA

Kardiologe Bodo-Eckehard Strauer an der Düsseldorfer Universitätsklinik (Archivbild von 2007): "537 Krankenakten gesichtet"


Düsseldorf - Er wurde "Spezialist in Herzensdingen" genannt: Bodo-Eckehard Strauer. Der Kardiologe hatte mit dem Einsatz adulter Stammzellen bei Infarktpatienten weltweit Aufsehen erregt. Politiker und Theologen handelten seine Methode als eine Art "Geheimwaffe" gegen die seinerzeit stark umstrittene embryonale Stammzelltherapie. Strauer erhielt das Bundesverdienstkreuz, CDU-Politiker Hubert Hüppe forderte ein "massives Forschungsprogramm" für die Methode der adulten Zelltherapie.

Schon länger steht der Mediziner allerdings unter dem Verdacht, wissenschaftlich unsauber gearbeitet zu haben. Nun hat die Universität Düsseldorf ein Disziplinarverfahren gegen den Herzspezialisten eingeleitet. Zwei Kommissionen hätten die Forschungsarbeit des inzwischen emeritierten Spezialisten und ehemaligen Klinikdirektors unter die Lupe genommen. Als Resultat sei das Verfahren eingeleitet worden, teilte eine Uni-Sprecherin am Montag mit, ohne Ergebnisse zu nennen. Strauer hatte Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens zurückgewiesen.

Uni Düsseldorf startete Untersuchung

Humane Stammzellen gelten als Alleskönner, mit ihrer Hilfe sollen sich Hirne regenerieren, zerstörte Knorpel erneuern und abgestorbene Gewebe reparieren lassen. Doch die Zellen sind so begehrt wie umstritten, insbesondere solche aus Embryonen. Strauers Methode kam ohne embryonale Stammzellen aus, auch deshalb faszinierte sie die Fachwelt. Als weitere Alternative gelten heute induzierte pluripotente Stammzellen, die sich aus gereiften Körperzellen gewinnen lassen.

Erst im Dezember 2012 hatte es allerdings Manipulationsvorwürfe gegenüber Strauer gegeben. Bereits im März vergangenen Jahres hatte das Uni-Klinikum auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Behörde hatte die Unterlagen geprüft, aber mangels Anfangsverdacht kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die nun nachgereichten Unterlagen werde man aber ebenfalls noch prüfen, sagte Staatsanwalt Uwe Kessel.

Bis 2009 war Strauer mehr als 20 Jahre Leiter der Kardiologie an der Uni-Klinik. Strauers Therapie hatte weltweit große Hoffnungen geweckt. 2001 hatte er weltweit zum ersten Mal einen Herzinfarktpatienten mit dessen eigenen Knochenmarkstammzellen behandelt. Dem Patienten waren die Stammzellen in das vom Absterben bedrohte Herzgewebe gespritzt worden. Doch 2009 beendete die Uni-Klinik nach dem Wechsel der Klinikleitung das Programm der Herzstammzelltransplantation.

Im vergangenen Sommer hatten britische Forscher eine lange Liste vermeintlicher Fehler und Ungereimtheiten in Strauers Publikationen vorgelegt und übten deutliche Kritik. Die Arbeit wurde im renommierten Fachmagazin "International Journal of Cardiology" veröffentlicht. Strauer wollte sich damals auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern und verwies auf seinen Medienanwalt. Der erklärt, der Hauptautor der Analyse im "International Journal of Cardiology" kritisiere seinen Mandanten aus persönlichen Gründen.

Die Uni-Klinik erklärte 2012, dass "Anhaltspunkte auf ein mögliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vorlägen. Die Uni habe eine "interne Untersuchung" dazu eingeleitet und auch externe Experten hinzugezogen. Die Universität habe nicht gesagt, "was sie eigentlich untersucht", kritisierte Strauers Anwalt damals. 537 Krankenakten von Patienten seien gesichtet worden, hieß es am Montag von Seiten der Klinik.

Bodo-Eckehard Strauer mochte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zu den jüngsten Ereignissen äußern.

nik/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mxdoc 01.03.2014
1. Sorgfaltspflicht der Ankläger
Es scheint immer moderner zu werden, spezielle Computerprogramme mit Bergen von Text und Daten aus Publikationen einer anderen Person zu füttern, worauf der Rechner mutmaßliche Rechenfehler, Differenzen zu oder Übereinstimmungen mit anderen Publikationen feststellt, wodurch der Vorwurf des Plagiates (wenn Übereinstimmungen mit Publikationen anderer Autoren gefunden wurden), der Doppel- oder Mehrfachpublikation (Übereinstimmungen mit eigenen Publikationen) oder der Manipulation (Differenzen zu eigenen anderen Publikationen, wenn die Ergebnisse aus derselben Studie gewonnen wurden) erhoben wurden. Computer können viel, sie produziern aber auch viel Mist. Deshalb kann man die Computergenerierten Daten nicht einfach tabellarisch und unkommentiert in eine solche Anklageschrift kopieren, oben und unten die Ergebnisse mit ein wenig Prosa wiederholen, einen einzigen Satz, den keiner versteht, zu "Material und Methoden" von sich geben, Zitat: "Wir produzierten eine Publikationsliste unter Zuhilfenahme einer parallel rekursiven Suchstrategie, kombiniert mit Daten-Fingerabdrücken und multidimensionalen Heuristiken". Auch wenn irgendjemand im Gegensatz zu mir diese Terminlogie vestünde, so hilft das nicht, daß jemand, der in der Wissenschaft etwas "kombiniert", sich dazu äußern muss, WIE er es kombiniert.Weitere Beispiele: In verschiedenen Studien wird dem Autoren vorgeworfen, Patientenzahlen falsch angegeben oder berechnet zu haben. Die angelich publizierten und kritikwürdigen Gruppengrössen werden beispielsweise mit > 63 und < 64 oder mit >101 und < 102 angegeben. Gruppengrössen von "mehr als 63" und "weniger als 64" oder "mehr als 101 und weniger als 102" sind jedoch schwer vorstellbar. In mindestens 10 Spaltenfinden sich Hinweise auf angebliche Nachlässiglkeiten vom Typ: "89 Patienten berichteten 2 Jahre nach der Behandlung über den Verlauf ihrer Beschwerden, ohne daß der Untersucher feststellte, ob diese noch am Leben, oder schon gestorben waren" An mehreren Stellen wird kritisert, eine Nachberechnung der angegenen Streuung von - 0.6 um einen Mittelwert von 5.7 habe den Wert von 0.56 ergeben. Bedenkt man, dass die kritisierte Arbeit aus dem Jahr 2004 stammt, die Berechnungen also mit Windows2000 oder NT basierten Programmen durchgefüht wurden, wundert einen mehr der Grad der Übereinstimmung als die Differenz. Es kommen auch sehr merkwürdige Vorwürfe zur Sprache, zum Beispiel, "ein berechntetes Ergebnis sei mit der Methodik des Doppelblindstudie nicht vereinbar". Das ist völliger Blödsinn. Das Eine hat mit dem Anderen überhaupt nichts zu tun. Die Klageschrift, die als wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht wurde, erfüllt in keiner Weise die Ansprüche, die sie an dem Angeklagten erhebt. Das ist das Traurige dran.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.