Umstrittene Stammzellstudie Japanische Elite-Uni prüft Doktorarbeiten

In einem Säurebad könnten Zellen in den Embryonalzustand zurückversetzt werden, berichteten Forscher. Doch die vermeintliche Sensationsstudie bekommt immer mehr Risse: Jetzt prüft eine Universität 280 Doktorarbeiten - auch die der Studienleiterin steht auf der Probe.

Stammzellen in der Petrischale: Angeblich Zellen mit Säure in den Embryonalzustand zurückversetzt
Corbis

Stammzellen in der Petrischale: Angeblich Zellen mit Säure in den Embryonalzustand zurückversetzt


Wegen eines Skandals um eine weltweit aufsehenerregende Studie zur Verjüngung von Zellen lässt die japanische Elite-Universität Waseda in Tokio sämtliche Doktorarbeiten überprüfen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Montag berichtete, sind etwa 280 Arbeiten am Fachbereich Advanced Science and Engineering betroffen. An diesem Fachbereich hatte auch die Forscherin Haruko Obokata vom renommierten Riken-Institut, die im Zentrum des Stammzellskandals steht, 2011 ihren Doktortitel erworben.

Ende Januar hatten Wissenschaftler um Obokata im britischen Fachblatt "Nature" berichtet, dass sie unter anderem mit Zitronensäure Körperzellen neugeborener Mäuse in eine Art embryonalen Zustand zurückversetzt hatten. Diese sogenannten STAP-Zellen könnten sich wieder in nahezu jeden Zelltyp entwickeln, berichtete das Team damals.

Aufnahmen aus Doktorarbeit kopiert

Das Riken-Institut hatte Obokata beschuldigt, Teile der Zellstudie manipuliert und gefälscht zu haben. Unter anderem hatte es herausgefunden, dass Aufnahmen in der Studie solchen aus Obokatas Doktorarbeit aus dem Jahr 2011 ähnelten. Obokata wies die Vorwürfe energisch zurück. Der Vorfall ist nach wie vor nicht abschließend geklärt.

Sollte nun bei der Überprüfung sämtlicher Dissertationen an dem 2007 eingerichteten Fachbereich der Universität Waseda Fehlverhalten festgestellt werden, wird den betroffenen Verfassern die Doktorwürde möglicherweise aberkannt. Die Dissertation von Obakata wird von einem eigens hierzu geschaffenen Untersuchungsausschuss ebenfalls einer Überprüfung unterzogen.

Am Riken-Institut wird weiterhin die Qualität der "Nature"-Studie untersucht. Das Institut will die STAP-Zellenergebnisse innerhalb eines Jahres überprüfen. Dabei sollen Labortests wiederholt werden. Obokata werde daran nicht beteiligt, hieß es.

boj/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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TS_Alien 07.04.2014
1.
280 Doktorarbeiten an einem kleinen Fachbereich und in wenigen Jahren ist schier unglaublich. Wie soll das gehen? Mittlerweile darf man keinem Doktor mehr trauen, der nicht einige über alle Zweifel erhabene Ergebnisse vorweisen kann, die in bekannten und seriösen Fachzeitschriften erschienen sind. "Nature" sollte man nicht mehr dazu zählen. Was da mittlerweile alles veröffentlicht wird, ist peinlich.
Newspeak 07.04.2014
2. ...
Das Riken-Institut hatte Obokata beschuldigt, Teile der Zellstudie manipuliert und gefälscht zu haben. Unter anderem hatte es herausgefunden, dass Aufnahmen in der Studie solchen aus Obokatas Doktorarbeit aus dem Jahr 2011 ähnelten. Und wo ist der Skandal, wenn dem so wäre? Entscheidend ist doch, ob die Resultate stimmen, nicht ob sie in der Doktorarbeit der Autorin schon auftauchen.
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