Stammzelltherapie: Das Geschäft mit der Hoffnung

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Todkranken Menschen wird die Therapie mit eigenen Stammzellen oft als letzte Rettung verkauft. Doch die Behandlung ist kaum erprobt, sie kann lebensgefährlich sein. Trotzdem bietet eine deutsche Privatklinik die Methode an - bislang völlig legal.

Räumungsklage: Umstrittene Stammzellklinik ist geschlossen Fotos

"Das Geschäft mit der Hoffnung ist das mieseste auf der Welt. Und man kann nichts tun, das macht mich rasend", sagt Kerstin Homann*. Gerade seien wieder Patienten bei ihr gewesen, eine Familie aus Ägypten, zwei Kinder sind geistig behindert. Zu einer allgemeinen Untersuchung sind sie in ihre Abteilung in einem städtischen Krankenhaus gekommen, berichtet die Neurologin. Nach der offiziellen Untersuchung wollten sie aber weiter, in die Elisées Klinik in Bonn. Die Ärztin hat ihnen von der dort avisierten Behandlung mit patienteneigenen Stammzellen abgeraten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Homanns Patienten in einer solchen Stammzelltherapie die letzte Chance sehen, eine schwere, unheilbare Erkrankung zu heilen. Sie nehmen dafür mitunter weite Reisen auf sich und bezahlen viel Geld für die Behandlung. Traurige Bekanntheit erlangte der Fall des XCell Centers mit Sitz in Düsseldorf und Köln, in dem zwischen 2007 und 2011 rund 3500 Patienten behandelt wurden. Eine Behandlung in der Einrichtung kostete bis zu 26.000 Euro.

Stammzelltherapie endete tödlich

In zwei Fällen kam es bei Kindern zu Komplikationen, die dann in Uni-Kliniken behandelt werden mussten. Schlimmer noch: Im August 2010 verstarb ein 18 Monate alter Junge an den Folgen einer Hirnblutung, nachdem ihm bei XCell adulte Stammzellen in das Hirnwasser injiziert worden waren.

Der Klinik in Düsseldorf wurde nach großen bürokratischen Mühen im April 2011 die Abgabe aller stammzellhaltiger Knochemarkpräparate untersagt, was das Ende von XCell bedeutete. Doch einige Ärzte, die an der mittlerweile insolventen Klinik arbeiteten, machen weiter - nur an anderer Stelle. Ein ehemaliger XCell-Chefarzt etwa wechselte 2011 zur Elisées Klinik nach Bonn. Und genau hierhin zieht es nun auch die ägyptische Familie mit ihren zwei behinderten Kindern. Und offenbar nicht nur sie.

Stammzellen gelten als zelluläre Alleskönner: Nicht nur Embryonen enthalten die Zellen, aus denen sich verschiedene Arten menschlichen Gewebes entwickeln können. In etwa 20 Organen des Menschen inklusive der Muskeln finden sich adulte Stammzellen.

Behandlung wissenschaftlich nicht erprobt

Die Idee hinter der Therapie ist, einem kranken Menschen diese Zellen zu entnehmen und an die erkrankte Stelle zu injizieren - auf dass sie dort zur Reparatur führen. Allerdings: Werden Patienten mit ihren eigenen Stammzellen behandelt, können diese - wenn eine genetische Krankheit vorliegt, nicht gesund sein, denn sie enthalten ebenfalls den Defekt. In diesem Fall kann das Prinzip nicht funktionieren. In anderen Fällen mögen Stammzellen eines Tages hilfreich sein.

Bislang haben adulte Stammzellen erst in wenigen Fällen ihre Heilkraft gezeigt, etwa bei Patienten mit Leukämie, Erfolge zeigten sich auch in der Behandlung von Menschen nach einem Herzinfarkt.

Das Paul-Ehrlich-Institut, die zuständige Bundesbehörde für biomedizinische Arzneimittel, schreibt in einem Gutachten, dass "die Stammzelltherapie bislang lediglich in einzelnen Indikationen das Stadium der Grundlagenforschung verlassen hat. Sie ist in den meisten Fällen als experimentelles Behandlungskonzept anzusehen."

Auch renommierte Wissenschaftler stellen der kommerziellen Stammzelltherapie bislang ein schlechtes Zeugnis aus: Fehlender Nutzen, keinerlei wissenschaftliche Grundlagen - schrieb das Kompetenznetzwerk Stammzellforschung NRW bereits 2010 in einer Stellungnahme, unterzeichnet von 13 renommierten Stammzellforschern wie Oliver Brüstle (Bonn), Jürgen Hescheler (Köln) und Hans Schöler (Münster).

Ärzte sollten sich die Zeit nehmen, mit Patienten über vermeintliche Wunderheiler und die von ihnen eingesetzten Verfahren zu sprechen", sagt Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. Die Mediziner sollten insbesondere darauf hinweisen, dass es für die meisten angebotenen Heilversprechen keine wissenschaftlichen Belege gibt, sie können aber für den Patienten außerordentlich teuer werden.

"Individueller Heilversuch"

In Deutschland sind Behandlungen mit embryonalen Stammzellen verboten, doch mit adulten dürfen Ärzte in bestimmten Fällen arbeiten. Die Gesetze sind komplex, eine Übergangsfrist lässt Anbietern Spielraum: Noch bis Ende 2012 kann jeder seine auf dem Markt befindlichen vorschriftsmäßig hergestellten Medikamente für "neuartige Therapien" ohne behördliche Genehmigung anbieten. Danach greift eine europäische Verordnung, es bedarf der Zulassung durch die Europäische Zulassungsbehörde EMA.

Die zugehörige deutsche Gesetzesnovelle des Arzneimittelrechts, wonach eine Genehmigung auf Bundesebene erforderlich wäre, greift ebenfalls nicht - jedenfalls so lange nicht, wie der Anwender erklärt, dass er "die neuartige Therapie nicht routinemäßig in Verkehr bringt". Wer also Patienten Stammzellen aus dem Knochenmark entnimmt, zur Anwendung aufbereitet und an anderer Stelle wieder injiziert, braucht dazu nur die Erlaubnis zur Herstellung durch eine lokale Behörde.

Gering sind die Möglichkeiten, unseriöse Anbieter davon abzuhalten, sich an der Verzweiflung anderer Menschen mit wissenschaftlich fragwürdigen Behandlungsmethoden zu bereichern. Ärzte können sich oft darauf berufen, einen "individuellen Heilversuch" durchführen zu wollen. Diese Regelung erlaubt es in besonderen Fällen, nicht zugelassene Medikamente anzuwenden, etwa wenn herkömmliche Therapien nicht mehr helfen. Eine behördliche Genehmigung ist nicht erforderlich, der Patient muss über den experimentellen Charakter und die Risiken der Behandlung aufgeklärt werden.

Privatklinik wurde Stammzelltherapie untersagt

Laut Internetseite wenden sich die Elisées Kliniken in Bonn an Patienten aus dem In- und Ausland, als Spezialgebiete nennt das Haus unter anderem Plastische Chirurgie, Lasermedizin und Regenerative Medizin. Laut einem Sprecher der Klinik werden in dem Haus aber keine Stammzelltherapien mehr durchgeführt. Sollte sich die Gesetzeslücke in Deutschland ändern, könnte dies eventuell in Zukunft interessant sein.

Die Bezirksregierung Köln hat der Elisées Klinik am 21. Dezember 2011 per Unterlassungsverfügung die Herstellung von Stammzellzubereitungen aus dem patienteneigenen Knochenmark in den meisten Indikationen untersagt. Am 12. Juni 2012 folgte die Untere Gesundheitsbehörde Bonn: Verboten wurde mit sofortiger Wirkung "die Anwendung von Stammzellzubereitungen aus autologem Knochenmark bei intrathekaler Anwendung" - also Injektionen in den Hirnwasser-Raum. Diese Untersagung umfasst auch die Lumbalpunktion, also die Entnahme oder Injektion entsprechender Flüssigkeiten in das Rückenmark.

Die Elisées Kliniken werden dagegen ihrerseits Verfahren gegen das Land NRW anstrengen, sagt ein Sprecher der Elisées Kliniken. Von XCell habe man sich distanziert, ein früherer Arzt der Klinik, der bei Elisées arbeitete, wurde entlassen.

Umstrittene Behandlungen weiter im Angebot

Aktuell offerieren die Elisées Kliniken über eine nur von außerhalb Deutschlands abrufbare Website weiterhin Stammzelltherapien. "Elisées Stemcell" heißt die Vermarktungsplattform, betrieben wird sie durch "Elisées International". In englischer Sprache werden verschiedenste Behandlungen in der Plastischen Chirurgie oder der Regenerativen Medizin angeboten. In Deutschland gebe es nur die Stammzellentnahme und Aufbereitung, in Österreich und Indonesien auch die Stammzelltherapie. Mitte 2012 - so hoffe man - kämen auch noch Zentren in Russland und Singapur hinzu.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE korrespondiert die Klinik über ihre internationalen Patientenberater derzeit mit einer weiteren arabischen Familie. Eine Mitarbeiterin der Elisées International schickte einen Kostenvoranschlag für die Stammzellbehandlung: 14.000 Euro pro Person, bei Kreditkartenzahlung fallen 3,5 bis 5 Prozent Bearbeitungsgebühr an.

In der Mail weist die Elisées-Mitarbeiterin die Mutter darauf hin, dass die Kinder nicht vollkommen gesund werden können, da sie einen genetischen Defekt hätten. Nur werde es ihnen besser gehen. Auf deren Rückfrage erklärt sie dann noch die Art der Behandlung. "Ja, sie wird mit dem Knochenmark der Kinder durchgeführt. Im Knochenmark sind die Stammzellen, die Behandlung erfolgt also mit den eigenen Stammzellen."

Der Sprecher der Elisées Kliniken bestätigt, dass es diesen Mailverkehr gegeben hat. Behandelt würden die Patienten - wenn es denn dazu komme - aber nicht in Deutschland. "Elisées International arbeitet derzeit in Asien, Arabien, Russland und in einigen europäischen Ländern."

Patientenvertreter fordern besseren Schutz

Forderungen gibt es schon lange, die aktuell geltenden Gesetze zu verschärfen, welche Patienten vor unlauteren Angeboten schützen - wie eben vor wissenschaftlich umstrittenen Stammzellbehandlungen. Ein Vorschlag von Wolf-Dietrich Trenner, Sprecher der Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, sah vor, Stammzelltherapien nur an zertifizierten Zentren zu genehmigen und deren Ergebnisse in Studien zu veröffentlichen. Hier könnte etwa mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zusammengearbeitet werden.

Schon im April 2010 richtete der Bundestagsabgeordnete Rene Röspel (SPD) eine Anfrage an das Bundesgesundheitsministerium (BMG), ob man erwäge, die geltenden Gesetze angesichts der kritisierten Ereignisse im XCell-Center zu verbessern. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), damals noch Parlamentarischer Staatssekretär, antwortete am 3. Mai 2010, dass man der "Auffassung sei, dass das rechtliche Instrumentarium zum Verbraucher- und Patientenschutz bei Therapien mit Stammzellen ausreicht". Dies gelte auch für das ärztliche Berufsrecht, für das die Länder zuständig seien.

Drei Monate später starb der kleine Junge an den Folgen einer Behandlung im XCell Center.

* Name von der Redaktion geändert

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1. Wenn die Menschen
balubaer 27.08.2012
Tod krank sind, wieso spielt es eine Rolle ob die Nebenwirkung einer Stammzellenkur, als letzte Maßnahme, eventuel der Tod ist? Auch ohne die Kur ist der Tod bei Todkranken sicher, warum also nicht die Würfel werfen und sehen ob es heilung verspricht? Ist auch nicht anders als wenn alles versagt ins Tippi mit nem Kräuterheiler oder in die Kirche mit nem Priester zu sitzen. Wenn man mir morgen diagnostizieren würde das ich Lewy-Körper-Demenz habe und noch 3-5 jahre besitze, das die Schulmedizin keine Heilung kennt aber vielleicht eine Stammzellentherapie helfen könnte, würde ich es sicher auch in kauf nehmen. Ob ich nun 3 jahre rapide an Mentaler Kapazität verliere bis mein Körper vergisst zu funktionieren lange nachdem meine Geistigenfähigkeiten bereits verschwunden sind, oder ob ich auf dem OP Tisch nach der Stammzellenkur drauf gehe spielt wohl kaum ne rolle. Tod geweiht war ich schon vorher. Der Staat verwehrt einem ja schon den Suizid in so einer Situation, nun soll er auch noch den Hail Mary Versuch abschaffen? Wenn es nur 1 von 1 Million rettet, dann war's der versuch wert. Sterben müssen Todkranke so oder so. Deshalb nennt man sie todkrank.
2. Hauptsache profitabel
blattmacher_i 27.08.2012
Solange das Geld aus den Einnahmen reicht, die verantwortliche Politiker zu schmieren, ist in Deutschland alles möglich. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass sich Daniel Bahr einer Lobby verpflichtet fühlt. Man sollte ihm das "h" aus dem Nachnamen streichen.
3. Klar und deutlich
sowe 27.08.2012
Danke für diesen gut recherchierten Artikel. Interessant wäre noch das Thema "Nabelschnurblut einlagern."
4.
eduardschulz 27.08.2012
Zitat von sysopREUTERSTodkranken Menschen wird die Therapie mit eigenen Stammzellen oft als letzte Rettung verkauft. Doch die Behandlung ist kaum erprobt, sie kann lebensgefährlich sein. Trotzdem bietet eine deutsche Privatklinik die Methode an - bislang völlig legal. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,851887,00.html
Was soll es bringen, Patienten von denen ein Arzt erfährt, dass sie eine Stammzelltherapie beginnen wollen, darauf hinzuweisen, dass die Wirksamkeit nicht belegt und die Gefährlichkeit nicht genügend erforscht ist? Wer in Erwägung zieht, eine solch umstrittene und teure Methode an sich oder seinem Kind anwenden zu lassen, muss vermögend sein. Wer vermögend ist, kann sich umfassend informieren, so er denn will. Wer sich dazu entschlossen hat, trotzdem diesen risikoreichen Eingriff durchführen zu lassen, der lässt sich auch von einem neutralen Arzt nicht davon abbringen.
5.
ohminus 27.08.2012
Zitat von balubaerTod krank sind, wieso spielt es eine Rolle ob die Nebenwirkung einer Stammzellenkur, als letzte Maßnahme, eventuel der Tod ist? Auch ohne die Kur ist der Tod bei Todkranken sicher, warum also nicht die Würfel werfen und sehen ob es heilung verspricht? Ist auch nicht anders als wenn alles versagt ins Tippi mit nem Kräuterheiler oder in die Kirche mit nem Priester zu sitzen. Wenn man mir morgen diagnostizieren würde das ich Lewy-Körper-Demenz habe und noch 3-5 jahre besitze, das die Schulmedizin keine Heilung kennt aber vielleicht eine Stammzellentherapie helfen könnte, würde ich es sicher auch in kauf nehmen. Ob ich nun 3 jahre rapide an Mentaler Kapazität verliere bis mein Körper vergisst zu funktionieren lange nachdem meine Geistigenfähigkeiten bereits verschwunden sind, oder ob ich auf dem OP Tisch nach der Stammzellenkur drauf gehe spielt wohl kaum ne rolle. Tod geweiht war ich schon vorher. Der Staat verwehrt einem ja schon den Suizid in so einer Situation, nun soll er auch noch den Hail Mary Versuch abschaffen? Wenn es nur 1 von 1 Million rettet, dann war's der versuch wert. Sterben müssen Todkranke so oder so. Deshalb nennt man sie todkrank.
Dagegen wäre dann nichts zu sagen, wenn den Leuten nicht OHNE jeglichen Anhaltspunkt dass es hilft ein Haufen Geld aus der Tasche gezogen würde. Gegen individuelle Heilversuche ist nichts zu sagen, solange sie wissenschaftlich seriös durchgeführt werden und nicht Quacksalberei zum Geldverdienen sind. Nur weil die Leute ohnehin sterben müssen, muss man ihnen nicht das Geld aus der Tasche ziehen sondern kann ihnen ruhig selbst überlassen, wem sie das Geld vermachen. Individuelle Heilversuche sollte man Leuten überlassen, die verstehen, was sie da tun - sprich am besten an einer Universitätsklinik, wo die Ärzte gewohnt sind, mit experimentellen Therapien umzugehen.
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Stammzellen - die Multitalente
Embryonale Stammzellen (ES)
AFP
Sie gelten als die zellulären Alleskönner: Reift eine befruchtete Eizelle zu einer Blastozyste, einem kleinen Zellklumpen, heran, entsteht in deren Inneren eine Masse aus embryonalen Stammzellen. Die noch nicht differenzierten Stammzellen können sich zu jeder Zellart des menschlichen Körpers entwickeln. Voraussetzung ist, dass sie mit den richtigen Wachstumsfaktoren behandelt werden.
Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS)
Körperzellen einfach in Stammzellen umprogrammieren - das gelang Forschern durch das Einschleusen ganz bestimmter Steuerungsgene. Aus den dabei entstandenen maßgeschneiderten Stammzellen züchteten sie erfolgreich verschiedene Körperzellen. Diese Methode ist nicht nur elegant, sondern auch ethisch unbedenklich, da dabei kein Embryo hergestellt und zerstört wird. Allerdings birgt die Methode noch Risiken, weil für das Einschleusen der Gene Viren benötigt werden. Die Gene werden vom Virus verstreut im Genom eingebaut, wichtige Gene der Zelle können dabei beschädigt werden, die Zelle kann entarten. Es besteht Krebsgefahr. Zudem bauen auch die Viren ihr Erbgut ein. Forschern gelang jedoch mittlerweile die Reprogrammierung ohne Viren und mit anschließender Entfernung der Gene.
Proteininduzierte pluripotente Stammzellen (piPS)
Zellen reprogrammieren - nur durch Zugabe von Molekülen und ohne Veränderung des Erbgutes. Dies gelang Forschern erstmals im April 2009. Damit räumten sie potentielle Risiken aus, die das Einschleusen der Reprogrammiergene barg.
Keimbahn abgeleitete pluripotente Stammzellen (gPS)
Keimbahn-Stammzellen können normalerweise nur Spermien erzeugen. Aber man kann sie auch in pluripotente Stammzellen verwandeln. Diese "germline derived pluripotent stem cells" (gPS) bieten ein großes Potential, denn ihr Erbgut ist noch relativ unbeschädigt. Forschern gelang die Verwandlung an Hodenzellen von Mäusen - nur durch ganz bestimmte Zuchtbedingungen.
Adulte Stammzellen
Nicht nur Embryonen sind eine Quelle der Zellen, aus denen sich verschiedene Arten menschlichen Gewebes entwickeln können. In etwa 20 Organen inklusive der Muskeln, der Knochen, der Haut, der Plazenta und des Nervensystems haben Forscher adulte Stammzellen aufgespürt. Sie besitzen zwar nicht die volle Wandlungsfähigkeit der embryonalen Stammzellen, bereiten aber auch keine ethischen Probleme: Einem Erwachsenen werden die adulten Stammzellen einfach entnommen und in Zellkulturen durch Zugabe entsprechender Wachstumsfaktoren so umprogrammiert, dass sie zu den gewünschten Gewebearten heranreifen.
Ethik und Recht
Die Stammzellforschung birgt ethische Konflikte. Embryonale Stammzellen werden aus Embryonen gewonnen, die entweder eigens hergestellt werden oder bei künstlichen Befruchtungen übriggeblieben sind. Dabei wird der Embryo zerstört. Die Argumentation der Befürworter: Die Embryonen würden ohnehin vernichtet. Kritiker sprechen dagegen von der Tötung ungeborenen Lebens. In Deutschland ist das Herstellen menschlicher Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen verboten. In Ausnahmefällen erlaubt das Gesetz aber den Import von Stammzellen, die vor dem 1. Mai 2007 hergestellt wurden. In Großbritannien und Südkorea ist das therapeutische Klonen ausdrücklich erlaubt, ebenso in den USA.