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Statistik-Studie: Alkohol kann Folgen von Hirnverletzungen lindern

Forscher haben die Daten von fast 40.000 Krankenhaus-Patienten ausgewertet - und präsentieren einen überraschenden Befund: Geringe Mengen an Alkohol können offenbar die Folgen von Hirnverletzungen mildern. Allerdings waren viele Patienten erst durch das Trinken in der Klinik gelandet.

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ddp

Alkoholgenuss: Kleine Ethanol-Mengen im Blut können offenbar die Folgen von Kopfverletzungen mildern

Chicago - Alkohol schädigt die Leber und das Hirn, kann Krebs auslösen, ist eine Gefahr für ungeborene Kinder und spielt bei rund 20 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle in Deutschland eine Rolle. In Europa führen Forscher gar jeden zehnten Todesfall auf Alkoholmissbrauch zurück. Heilsame Wirkungen des Alkoholgenusses sind dagegen wenige bekannt. Jetzt aber haben Forscher nach eigenen Angaben herausgefunden, dass etwas Alkohol im Blut die Überlebenschance nach Kopfverletzungen erhöhen kann.

Ali Salim vom Cedars Sinai Medical Center in Los Angeles und seine Kollegen haben die Daten von rund 38.000 Patienten ausgewertet. Das Ergebnis: Mittlere bis schwerwiegende Hirnverletzungen waren weniger folgenreich, wenn die Patienten leicht alkoholisiert waren, und die Ärzte konnten sie zudem schneller aus der Intensivstation entlassen. Möglicherweise könnte eine Alkoholgabe bei schon verunglückten Patienten deren Überlebenschance erhöhen, schreiben Salim und sein Team im Fachblatt "Archives of Surgery" (Bd. 144, S. 865).

Von den Patienten mit Hirnverletzungen waren fast 40 Prozent zum Zeitpunkt des Unfalls alkoholisiert gewesen. Im Vergleich zu denjenigen ohne erhöhten Ethanolgehalt im Blut handelte es sich dabei meist um jüngere Patienten. Sie wiesen weniger schwerwiegende Hirnverletzungen sowie niedrigere Werte auf der "Glasgow-Koma-Skala" auf. Diese Werte erfassen die Schwere der Bewusstseinsstörung, die nach einer Hirnverletzung zurückbleiben kann, und gewichten Faktoren wie Augenöffnung sowie sprachliche und motorische Fähigkeiten. Allerdings hatte in der Gruppe der alkoholisierten Probanden auch ein größerer Anteil gleichzeitig illegale Drogen konsumiert als bei den nicht alkoholisierten Unfallopfern.

Obwohl Alkohol im Blut bekanntermaßen zu mehr Komplikationen bei Operationen oder ernsten Verletzungen führt, hatte er einen positiven Effekt auf die Hirnverletzungen der Patienten, wie die Forscher schreiben. Dies galt allerdings nur für niedrige Alkoholwerte.

Zudem beruhte die Untersuchung auf Daten von Patienten, die bereits im Krankenhaus waren. Wenn man einbeziehe, wie viele von ihnen erst durch Alkoholeinfluss in irgendeiner Form dort landeten, sehe die Bilanz wahrscheinlich anders aus, erklären die Wissenschaftler. Nichtsdestotrotz könnte Alkohol bei hirnverletzten Patienten eingesetzt werden, um die Nervenzellen zu schützen. Auf welche Weise genau der Alkohol seine positive Wirkung entfalte, müsse jedoch noch geklärt werden.

mbe/ddp

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