Der medizinische Fortschritt hat die Sterblichkeit von Kleinkindern weltweit deutlich gesenkt, das bestätigt eine im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte Studie. Daten aus 50 Ländern, die seit 1955 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesammelt wurden, zeigen, dass insbesondere die Zahl der Todesfälle durch ansteckende Krankheiten massiv zurückgegangen ist.
So ergibt sich wahrscheinlich erstmals in der Geschichte ein neues Bild: Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren droht eher der Tod als Kleinkindern im Alter zwischen eins und vier. Die häufigste Todesursache sind Autounfälle, auch Gewalt und Selbstmorde spielen eine Rolle, wie Russell Viner vom University College London und seine Kollegen berichten.
"Diese Entwicklung wird höchstwahrscheinlich weiter andauern, da die Sterblichkeit von Kleinkindern voraussichtlich weiter sinkt, während anzunehmen ist, dass die Zahl der Unfalltoten in den kommenden 25 Jahren steigt", sagt Viner. Die Forscher merken an, dass es in den vergangenen Jahrzehnten vor allem Bemühungen gab, die Sterblichkeit von Neugeborenen und Kleinkindern zu senken. Eines der Millenniumsziele (siehe Kasten links) lautet, die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren zwischen 1990 und 2015 um zwei Drittel zu senken. Ältere Kinder und Jugendliche wurden dabei ignoriert - hier müsste man inzwischen umdenken.
Die Mediziner haben eine riesige Datenmenge ausgewertet, um herauszufinden, wie sich die Sterblichkeit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verändert hat. Die Daten stammen aus 50 Ländern - eingeteilt nach OECD-Staaten, zu denen auch Deutschland zählt, Länder in Süd- und Mittelamerika, osteuropäische und Ex-Sowjet-Staaten. Ermittelt wurde die Zahl der jährlichen Todesfälle pro 100.000 Personen in fünf Altersgruppen zwischen ein und 24 Jahren (1-4 Jahre, 5-9 Jahre, 10-14 Jahre, 15-19 Jahre, 20-24 Jahre). Kinder unter einem Jahr schlossen sie bewusst aus der Analyse aus. Die Forscher untersuchten drei spezifische Zeiträume: die Jahre 1955 bis 1959, 1978 bis 1982 sowie 2000 bis 2004. Dabei zeigten sich unter anderem folgende Trends:
Russell Vine und seine Kollegen fordern auf Basis dieser Daten, dass Gesundheitskampagnen in Zukunft stärker auf die Altersgruppe zwischen 10 und 24 Jahren eingehen sollten. Neben der HIV-Prävention sollte dabei auch auf Unfälle und die psychische Gesundheit eingegangen werden.
wbr
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